Geschäftsverlauf

Die Raiffeisen Gruppe blickt auf ein sehr erfolgreiches Geschäftsjahr zurück. Dank steigenden Erträgen aus dem Kerngeschäft, der günstigen Entwicklung der Finanzmärkte, einem nur moderaten Kostenanstieg sowie hohen Erträgen aus Beteiligungsverkäufen resultierte ein Gruppengewinn von 917 Millionen Franken. Die Kombination aus Ertragsstärke sowie dem ausserordentlichen Ertrag von 119 Millionen Franken, massgeblich aus Beteiligungsverkäufen, führte zu diesem ausgezeichneten Ergebnis. Raiffeisen weist für 2017 nicht nur hervorragende Zahlen aus, sondern hat auch ihre strategischen Vorhaben erfolgreich umgesetzt. Eine erste Tranche von Raiffeisenbanken wurde über den Jahreswechsel auf ein neues, auf Avaloq basierendes Kernbankensystem migriert. Die Notenstein La Roche Privatbank AG hat bereits im Oktober 2017 ein neues Kernbankensystem, ebenfalls auf Basis von Avaloq, eingeführt. Hinsichtlich Digitalisierung erzielte die Raiffeisen Gruppe 2017 weitere Erfolge. So wurde unter anderem die Crowdfunding-Plattform «lokalhelden.ch» etabliert, die Immobilienplattform «RaiffeisenCasa» weiterentwickelt, mit der neuen App «Raiffeisen Piazza» ein zusätzlicher Kommunikationskanal geschaffen und «Raiffeisen TWINT» als neuer Kanal für mobile Zahlungen lanciert. Zudem vereinfachte die Raiffeisen Gruppe mit der neuen Kooperationsstrategie und den erwähnten Beteiligungsverkäufen ihre Gruppenstruktur.

Entwicklung Ertragspositionen

Die Basis für den hohen Gruppengewinn bildete die ausgezeichnete Entwicklung des Geschäftsertrags. Er erhöhte sich um über 201 Millionen Franken (+6,5 Prozent) auf einen Höchstwert von 3,31 Milliarden Franken. Sämtliche Ertragspositionen legten im Vergleich zum Vorjahr zu. Die Zinsmarge litt zwar unter dem unverändert tiefen Zinsumfeld, der Zinserfolg legte jedoch aufgrund des Volumenwachstums trotzdem zu. Der Kommissions- und Dienstleistungsertrag profitierte von einem günstigen Marktumfeld und dem anhaltend hohen Anstieg des Dienstleistungsgeschäfts. Mit einem Anstieg von 143 Millionen Franken trug der übrige ordentliche Ertrag am stärksten zum Ertragswachstum bei. Beinahe 90 Millionen Franken der Zunahme resultierten aus der Aktivierung der Projektaufwände für die neuen Kernbankensysteme bei den Raiffeisenbanken und bei der Notenstein La Roche Privatbank AG. Die restliche Zunahme setzte sich zusammen aus höheren Erträgen aus dem Verkauf von Finanzanlagen sowie gestiegenen Beteiligungserträgen.

Zinsmarge

Moderater als in der Vergangenheit ist der Geschäftsaufwand angestiegen. Er erhöhte sich um 26 Millionen Franken oder 1,3 Prozent auf 2,013 Milliarden Franken. Neben dem Wegfall des Kostenblocks aus dem im Vorjahr verkauften Asset Management führte die allgemeine Zurückhaltung auf der Kostenseite zu diesem unterdurchschnittlichen Anstieg. Die im Geschäftsaufwand verbuchten Projektaufwände für die neuen Kernbankensysteme wurden über die Position «Anderer ordentlicher Ertrag» in den Sachanlagen aktiviert und waren damit ergebnisneutral. Mit der Produktivsetzung werden sich die Realisierungskosten in Form von höheren Abschreibungen in den nächsten zehn Jahren auf den Gruppengewinn auswirken.

Entwicklung Cost-Income-Ratio

Die Position «Wertberichtigungen auf Beteiligungen sowie Abschreibungen auf Sachanlagen und immateriellen Werten» reduzierte sich um 72 Millionen auf 188 Millionen Franken. Im Vorjahr belastete eine Wertberichtigung auf der Leonteq-Beteiligung in der Höhe von 69 Millionen Franken diese Position. Der Geschäftserfolg der Gruppe überschritt mit 1,108 Milliarden Franken (+254 Millionen Franken oder +29,7 Prozent) erstmals die Grenze von einer Milliarde Franken.

Der ausserordentliche Ertrag erreichte hauptsächlich dank dem Veräusserungserfolg aus dem Verkauf der Beteiligungen an der Helvetia Holding AG und der Avaloq Group AG 119 Millionen Franken. Dank des guten Resultats hat die Gruppe erstmals Reserven für allgemeine Bankrisiken in der Höhe von 80 Millionen Franken gebildet. Es handelt sich dabei um ein zusätzliches Reservepolster für die Gruppe. Ebenfalls eine Folge des guten Geschäftsverlaufs ist der hohe Steueraufwand von 233 Millionen Franken. Trotzdem erreichte der Gruppengewinn 917 Millionen Franken (+163 Millionen Franken oder +21,6 Prozent) und übertrifft damit sogar deutlich den Gewinn von 808 Millionen aus dem Jahr 2015.

Die Raiffeisen Gruppe ist sehr zufrieden mit dem Ergebnis aus dem operativen Geschäft. Das Wachstum des Geschäftsvolumens und damit verbunden die Zunahme des Geschäftserfolgs erfolgten in allen Landesteilen und damit breit abgestützt.

Auch die gute Entwicklung an den Finanzmärkten hat im abgelaufenen Geschäftsjahr zu diesem herausragenden Ergebnis beigetragen. Im Gegensatz zu den Vorjahren gab es zudem keine negativen Sonderfaktoren wie zum Beispiel grössere Wertberichtigungen oder Abschreibungen.

Ebenfalls sehr erfreulich hat sich das Bilanzgeschäft entwickelt. Die Hypothekarforderungen legten um 7,2 Milliarden Franken zu, der Bestand erreichte 172,6 Milliarden Franken. Positiv verlief auch die Entwicklung der verwalteten Kundenvermögen mit einem Anstieg von 6,8 Milliarden auf 209,6 Milliarden Franken. Beim Retailgeschäft war dabei die klare Tendenz zu erkennen, dass die Kunden Gelder vom Konto ins Depot transferiert haben. Die Fokussierung der Notenstein La Roche Privatbank AG auf den Schweizer Markt und einige wenige internationale Zielmärkte reflektiert sich bei der Entwicklung der verwalteten Vermögen. Die Notenstein La Roche Privatbank AG verkaufte das Osteuropa-Portfolio im vierten Quartal erfolgreich. Dies führte zu einem Abgang von verwalteten Vermögen in der Höhe von 2,1 Milliarden Franken.

Raiffeisen Schweiz wurde am 27. Februar 2018 von der Staatsanwaltschaft Zürich III informiert, dass sie ein Strafverfahren gegen den ehemaligen Vorsitzenden der Geschäftsleitung von Raiffeisen Schweiz, Dr. Pierin Vincenz, eröffnet hat. Der Vorwurf lautet auf ungetreue Geschäftsbesorgung im Aduno- und Investnet-Umfeld. Raiffeisen Schweiz ist als Privatklägerin dem oben erwähnten Verfahren beigetreten und hat darüber hinaus Strafantrag gegen Dr. Pierin Vincenz und gegen weitere möglicherweise involvierte Personen eingereicht. Diese Vorgänge haben allerdings keinen Einfluss auf den vorliegenden Jahresabschluss.