Raiffeisen mit gutem operativem Halbjahresergebnis

Die ersten sechs Monate des Geschäftsjahres 2018 der Raiffeisen Gruppe könnten nicht kontrastreicher sein: Einerseits kann aufgrund des weiterhin erfolgreichen operativen Bankgeschäfts eine anhaltend positive Entwicklung im Kerngeschäft verzeichnet werden. Demgegenüber steht die öffentliche Debatte rund um die Corporate-Governance-Themen von Raiffeisen Schweiz. Die Ertragsstärke im Kerngeschäft sowie die leicht rückläufige Kostenentwicklung führten zu einem hohen Geschäftserfolg von 517 Millionen Franken. Mit einem Halbjahresgewinn von 416 Millionen Franken konnte die 400-Millionen-Grenze wie bereits im Vorjahr erneut deutlich überschritten werden. Gleichzeitig war das erste Halbjahr 2018 geprägt von der Berichterstattung über das Strafverfahren gegen den ehemaligen Vorsitzenden der Geschäftsleitung von Raiffeisen Schweiz sowie den personellen Entwicklungen an der Spitze des Unternehmens.

Die Raiffeisen Gruppe präsentiert im ersten Halbjahr 2018 erneut ein erfreuliches Ergebnis. Dies ist insbesondere auf die anhaltende Ertragsstärke zurückzuführen. Vor allem die Erträge aus dem Zins- (+1,6 Prozent oder +17 Millionen Franken) sowie dem Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft (+3,9 Prozent oder +10 Millionen Franken) legten stark zu. Kräftig angestiegen (+156,3 Prozent oder +33 Millionen Franken) ist aufgrund einer einmalig hohen Dividendenausschüttung der Aduno Holding AG auch der Beteiligungsertrag. Rückläufig entwickelte sich dagegen die Position «anderer ordentlicher Ertrag». Dies ist darauf zurückzuführen, dass im Vorjahr markant höhere Beträge aus den Projekten zur Einführung des neuen Kernbankensystems über diese Position aktiviert worden sind. Dank dem erfreulichen Verlauf im operativen Bereich ist der Geschäftsertrag trotzdem um 8 Millionen auf 1‘636 Millionen Franken gestiegen.

Halbjahresgewinn wiederum über der 400-Millionen-Grenze

Der Geschäftsaufwand ist ebenfalls als eine Folge der verminderten Investitionen in die neue Kernbankensoftware leicht gesunken. Höhere Aufwände mussten hingegen bei den Wertberichtigungen auf Beteiligungen verbucht werden. Dies resultiert vor allem aus der bereits erwähnten einmalig hohen Dividendenausschüttung der Aduno Holding AG. Dadurch musste die Equity-bewertete Beteiligung an der Aduno Holding AG erfolgswirksam im Wert angepasst werden. Aufgrund des noch ungeklärten Vorfalls um die 24h-Kunden-Safeanlage der Niederlassung Basel wurden vorsorglich Rückstellungen gebildet. Dank der guten Entwicklung im Kerngeschäft erreichte der Geschäftserfolg mit 517 Millionen Franken gleichwohl einen sehr hohen Wert. Mit einem Halbjahresgewinn von 416 Millionen Franken wurde die 400-Millionen-Grenze erneut überschritten.

Das Wachstum des Geschäftsvolumens setzte sich in den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres 2018 fort. Erfreulich ist die Entwicklung im Hypothekargeschäft. Mit einem Anstieg von 2,1 Prozent (+3,6 Milliarden Franken) wuchsen die Hypothekarforderungen über dem Markt. Bei den Kundeneinlagen wurde ein Anstieg von 0,9 Prozent (+1,5 Milliarden Franken) verzeichnet. Vermehrt ist der Trend zu beobachten, dass Kunden Teile ihrer Kontoguthaben aufgrund der tiefen Verzinsung in Wertschriftenbestände umschichten. Der Netto-Neugeldzufluss beträgt in der Berichtsperiode +2,2 Milliarden Franken.

Raiffeisen ordnet Beteiligungsverhältnisse neu

Dank der erfreulichen Entwicklung des Anlagegeschäfts der Raiffeisenbanken hat sich der Verwaltungsrat von Raiffeisen Schweiz im Mai 2018 dazu entschlossen, das Geschäftssegment Anlagekunden neu auszurichten und die Notenstein La Roche Privatbank AG an Vontobel zu verkaufen. Der Erlös aus dem Beteiligungsverkauf wird sich in der Gruppenrechnung erst im zweiten Semester manifestieren. Ein Teil der aus dieser Transaktion anfallenden Kosten wurde jedoch bereits im ersten Halbjahr 2018 verbucht.

Zudem hat Raiffeisen Schweiz die Verträge im Kontext «Investnet» zwischen Raiffeisen Schweiz und den ehemaligen «Minderheitsaktionären» angefochten. Auf dieser Grundlage wird die Investnet AG als Asset Manager der KMU Capital AG ersetzt. Die KMU Capital AG arbeitet mit Hochdruck am Transfer des Portfolios zu einem neuen Asset Manager. Dabei gilt ein besonderes Augenmerk dem Werterhalt der Portfoliogesellschaften.

Seit gut zwei Jahren verfolgt Raiffeisen eine konsequent eingeschlagene Entflechtungsstrategie mit dem Ziel, die Beteiligungsverhältnisse zu vereinfachen und potenzielle Interessenskonflikte zu reduzieren. Während auf der einen Seite Beteiligungen verkauft werden, setzt Raiffeisen auf der anderen Seite verstärkt auf Kooperationen.

Strategiekonforme Risikosituation

Die Wertberichtigungen für Ausfallrisiken stiegen in den ersten sechs Monaten auf 217 Millionen Franken, was im Verhältnis zum gesamten Kreditvolumen einem Anteil von 0,12 Prozent entspricht. Der Anstieg ist auf eine Wertberichtigung einer Einzelposition zurückzuführen. Beim Kreditgeschäft der Raiffeisenbanken ist der Wertberichtigungs-Bestand weiter gesunken. Nach der Bekanntgabe der FINMA-Verfügung über die Mängel in Corporate-Governance-Themen bei Raiffeisen Schweiz hat Moody‘s trotz weiterhin soliden Risikodaten das «Long-Term Deposit Rating» für Raiffeisen von Aa2 auf Aa3 und das «Senior Unsecured Debt Rating» von A2 auf A3 angepasst. Die Ratingagentur stuft damit die möglichen mittelfristigen Auswirkungen eines Reputationsschadens höher ein als die auch von Moody‘s attestierten unverändert guten Fundamentaldaten der Gruppe inklusive solider Kapital- und Liquiditätsausstattung.

Definitive TLAC-Anforderungen in Vernehmlassung

Seit dem 23. Februar 2018 läuft die Vernehmlassung zu den Änderungen der Eigenmittelverordnung zu den Gone-Concern-Anforderungen für die inländischen, systemrelevanten Banken. Inländische, systemrelevante Banken wie Raiffeisen sollen zusätzliche verlustabsorbierende Mittel für eine allfällige Sanierung oder Abwicklung (Gone-Concern) von 40 Prozent der Going-Concern-Anforderungen halten. Die Änderungen sollen ab 1. Januar 2019 in Kraft treten.

Die risikogewichtete Gesamtkapitalquote der Gruppe liegt per 30. Juni 2018 bei 16,9 Prozent. Die risikogewichtete Going-Concern Kapitalquote beträgt 16,6 Prozent. Für den Aufbau der zusätzlichen Gone-Concern-Anforderung wird gemäss Vernehmlassungsvorlage eine Übergangsfrist von sieben Jahren gewährt. Raiffeisen geht davon aus, dass die zusätzlichen Anforderungen aus eigener Kraft und ohne ausserordentliche Mittelbeschaffung erfüllt werden können. Die Leverage Ratio übertrifft mit 7,0 Prozent bereits jetzt die zukünftigen ungewichteten TLAC-Anforderungen.

Fokus der Informatik auf neuem Kernbankensystem

Die ersten 22 Raiffeisenbanken arbeiten seit Jahresbeginn mit dem neuen Kernbankensystem Arizon Core System (ACS). Geplant war, die restlichen Raiffeisenbanken bis Mitte Jahr ebenfalls auf die neue Plattform zu migrieren. Aufgrund der Grösse und Komplexität des Projekts wurde der Fokus in der Folge vorerst auf die Optimierung des Systembetriebs gelegt. Ausserdem fanden im ersten halben Jahr zahlreiche Bankenfusionen statt. Die Optimierungsphase ist in der Zwischenzeit weit fortgeschritten und die Fusionen konnten alle durchgeführt werden. In einer zweiten Pilottranche werden zusätzliche Raiffeisenbanken auf das neue System überführt, bevor die restlichen Banken migriert werden.

Corporate Governance beschäftigt auch im zweiten Halbjahr

Seit der Eröffnung der FINMA-Untersuchung und des Strafverfahrens gegen den ehemaligen Vorsitzenden der Geschäftsleitung von Raiffeisen Schweiz durchläuft Raiffeisen eine ereignisreiche Phase. Mit dem Abschluss des FINMA-Enforcement-Verfahrens am 14. Juni 2018 anerkennt Raiffeisen Schweiz die in der Verfügung enthaltenen Verbesserungsmassnahmen und wird die entsprechenden Verbesserungen in der Corporate Governance zügig umsetzen. Mit der vorzeitigen Erneuerung des Verwaltungsrats setzt das Gremium auch auf personeller Ebene ein Zeichen für den Neuanfang. An der Delegiertenversammlung vom 16. Juni 2018 wurden mit Rolf Walker und Thomas Rauber zwei neue Verwaltungsräte gewählt. An der ausserordentlichen Delegiertenversammlung vom 10. November 2018 ist die Wahl von vier bis fünf weiteren neuen Verwaltungsräten sowie des neuen Verwaltungsratspräsidenten vorgesehen. Des Weiteren hat sich Dr. Patrik Gisel am 18. Juli 2018 dazu entschieden, seine Funktion als Vorsitzender der Geschäftsleitung von Raiffeisen Schweiz per Ende Jahr abzugeben und aus der Bankengruppe auszuscheiden. Die Suche nach einem neuen Vorsitzenden der Geschäftsleitung wurde bereits eingeleitet.

Ausblick

Aus makroökonomischer Sicht rechnen wir damit, dass das wirtschaftliche Umfeld stabil bleibt. Aufgrund der moderaten Inflation sehen sich die Notenbanken keinem Zugzwang ausgesetzt und treiben den Normalisierungsprozess der Zinsen nur langsam voran, wenn überhaupt. In der Schweiz dürfte sich daher das herausfordernde Tiefzinsumfeld ebenfalls nicht so schnell ändern und der Druck auf die Zinsmargen wird weiterhin anhalten.