Risikosteuerung

Risikobeurteilung

Die Gesamtverantwortung für das Risikomanagement und die Risikokontrolle der Raiffeisen Gruppe trägt der Verwaltungsrat von Raiffeisen Schweiz. Er genehmigt das Rahmenwerk für das gruppenweite Risikomanagement, legt die Risikopolitik fest und bestimmt jährlich die Risikobereitschaft der Raiffeisen Gruppe.

Der Verwaltungsrat von Raiffeisen Schweiz setzt sich regelmässig mit den Risiken der Raiffeisen Gruppe auseinander. Grundlage dafür bildet eine umfassende Berichterstattung über Kredit-, Markt- und Liquiditäts-Risiken sowie operationelle Risiken, in welchen unter anderem auch Rechts- und Compliance-Risiken enthalten sind. Auch Reputationsrisiken, die aus allen Risikokategorien resultieren können, werden berücksichtigt. Diese Berichterstattung wird durch die Gruppen-Risikosteuerung sowie den Bereich Legal & Compliance von Raiffeisen Schweiz als unabhängige Instanzen erstellt. Im Fokus stehen Risikolage, Kapitalausstattung, Einhaltung der Gesamtlimiten und allfällige Massnahmen. Mittels Frühwarnsystem überwacht die Gruppen-Risikosteuerung zudem potenzielle Fehlentwicklungen einzelner Raiffeisenbanken und Niederlassungen.

Der Risikoreport und allfällige Massnahmen werden in den Sitzungen der erweiterten Geschäftsleitung sowie im Prüf- und Risikoausschuss des Verwaltungsrats vertieft behandelt.

Die Beurteilung der Risiken der Raiffeisen Gruppe basiert auf quantitativen und qualitativen Faktoren. Die wesentlichen Risiken werden durchgängig sowohl auf Basis der regulatorischen Anforderungen als auch mittels ökonomischer Modelle bewertet. Im Rahmen der Risikomodelle arbeitet Raiffeisen grundsätzlich mit vorsichtigen Annahmen bezüglich Verteilung, Vertrauensintervall, Haltedauer und Risikodiversifikation. Die Budgetierung des Risikokapitals und der Liquidität basiert auf Stressszenarien.

Wesentliche Bausteine der gruppenweiten Risikokontrolle und -steuerung sind die Risikopolitik, die Risikostrategie, der Identifikationsprozess von neuen Risiken, eine vorausschauende Risikobudgetierung und Szenarioplanung zur Festlegung der gruppenweiten Risikobereitschaft und deren Operationalisierung mittels VR-Gesamtlimiten, die Risikoüberwachung von Tochtergesellschaften und Beteiligungen sowie der für die Raiffeisen Gruppe wesentlichen Risikokategorien.

Risikoplanung und Risikokontrolle basieren auf einer einheitlichen Methodik zur Identifikation, Messung, Bewertung, Bewirtschaftung und Überwachung von Risiken. Die aggregierte und konsolidierte Risikoberichterstattung liefert den Soll-Ist-Vergleich und schliesst damit den Regelkreis.

Die Raiffeisen Gruppe legt besonderen Wert auf die Ergänzung der modellbasierten Betrachtungen durch vorwärtsgerichtete bankpraktische Analysen und Einschätzungen. Szenariobasierte Analysen, gestützt auf gesamtwirtschaftlich nachvollziehbare Szenarien, sowie Assessments unter Einbezug von Fachbereichen und Fronteinheiten spielen daher eine wichtige Rolle beim Verständnis der Risiken in ihrer Gesamtheit. Die Erkenntnisse aus diesen Analysen fliessen als Kommentar in den Risikoreport ein – in einzelnen Fällen auch als Spezialbericht.

Risikopolitische Vorgaben

Die Raiffeisen Gruppe geht Risiken zurückhaltend und gezielt entlang klar definierter Richtlinien ein. Sie achtet dabei auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Risiko und Ertrag und steuert die Risiken aktiv. Dabei orientiert sie sich an stabilen Grundsätzen:

  • Klare Geschäfts- und Risikopolitik: Risikonahme und Risikomanagement stehen in direktem Zusammenhang mit dem Kerngeschäft in der Schweiz.
  • Wirksame Risikobegrenzung: Die Risikobereitschaft der Raiffeisen Gruppe ist klar definiert und wird durch ein bewährtes Limitensystem wirksam umgesetzt.
  • Dezentrale Selbstverantwortung entlang klar definierter Leitlinien: Die Verantwortung für die Bewirtschaftung von Risiken tragen die Raiffeisenbanken, die Notenstein La Roche Privatbank AG, die ARIZON Sourcing AG, die Investnet Holding AG und die Linieneinheiten von Raiffeisen Schweiz. Als Leitlinien dienen die Vorgaben bezüglich Geschäftsaktivitäten, Limiten und Prozessen. Die zentralen Kontrolleinheiten überwachen die Einhaltung der Leitlinien.
  • Transparenz als Grundlage der Risikokontrolle: Sowohl auf der Ebene der einzelnen Banken als auch auf Gruppenebene erfolgt eine unabhängige periodische Berichterstattung über Risikolage und -profil.
  • Unabhängige Risikoüberwachung und wirksame Kontrolle: Die Überwachung des Gesamtrisikos und der Limiten erfolgt unabhängig von den risikobewirtschaftenden Einheiten. Eine wirksame Risikokontrolle stellt sicher, dass die vorgegebenen Prozesse und Grenzwerte eingehalten werden.
  • Durchgängiger Risikomanagementprozess: Das Risikomanagement der Raiffeisen Gruppe folgt einem einheitlichen, verbindlichen Prozess, bestehend aus Identifikation, Messung und Bewertung, Bewirtschaftung, Begrenzung, Überwachung und Berichterstattung.
  • Vermeidung von Risikokonzentrationen: Die Raiffeisen Gruppe verfügt über wirksame Instrumente zur Erkennung und zur proaktiven Vermeidung von Risikokonzentrationen.
  • Reputationsschutz: Die Raiffeisen Gruppe misst dem Schutz ihrer Reputation eine hohe Bedeutung bei. Sie ist zudem bestrebt, bei all ihren geschäftlichen Handlungen hohe ethische Grundsätze zu wahren.

Unabhängige Risikokontrolle

Die Organisation des Risikomanagements orientiert sich am Three-Lines-of-Defence-Modell. Die unabhängige Risiko- und Compliance-Kontrolle ist gruppenweit organisiert und verfügt über wirksame Instrumente zur Erkennung und Vermeidung unerwünschter Risiken. Dank der klaren geschäftspolitischen Ausrichtung, der stetigen und vorsichtigen Risikokultur, aber auch dank aktiver und gezielter Bewirtschaftung hat die Raiffeisen Gruppe ihr kontinuierliches Wachstum und die Umsetzung der Diversifikationsstrategie ohne überproportionalen Risikozuwachs realisiert. Die Tochtergesellschaften von Raiffeisen Schweiz werden grundsätzlich eigenständig geführt. Die Risikoüberwachung erfolgt risikobasiert. Anhand von formellen, materiellen und strategischen Kriterien werden die einzelnen Einheiten beurteilt und einer Risikokontrollstufe zugeteilt. Raiffeisen Schweiz überwacht die Risikokontrolle und die Risikolage der Tochtergesellschaften aus Gruppenoptik und stellt gegenüber den Organen von Raiffeisen Schweiz eine sachgerechte und konsolidierte Risikoberichterstattung sicher. Die Risikokontrolle der Tochtergesellschaften basiert auf Vorgaben und Mindestanforderungen, die aus der Gruppen-Risikopolitik abgeleitet und bei den Tochtergesellschaften umgesetzt werden. Diese Mindestanforderungen sichern die Qualität der Risikokontrolle vor Ort sowie die konsolidierte Berichterstattung der Gruppe.

Kontrolle des Risikoprofils

Raiffeisen geht nur Risiken ein, die im Zusammenhang mit einer bewilligten Geschäftsaktivität stehen und im Rahmen der Risikobereitschaft liegen. Die Risikobereitschaft wird jährlich im Rahmen der Risikobudgetierung vom Verwaltungsrat festgelegt. Die Kontrolle der Risiken erfolgt durch Prozessvorgaben und Gesamtlimiten. Die Prozessvorgaben für das Eingehen und Bewirtschaften von Risiken werden gemäss Vorgaben überwacht. Risiken, die sich nicht verlässlich quantifizieren lassen, werden durch qualitative Vorgaben begrenzt.