Strategischer Rückblick

Die Raiffeisen Gruppe knüpft 2017 an die sehr guten Resultate der Vorjahre an. Sowohl bei den Kundenausleihungen als auch im Einlagengeschäft setzt sich das Wachstum fort, allerdings auf leicht tieferem Niveau als 2016. Die Erträge konnten im Berichtsjahr auf breiter Front gesteigert werden. Neben dem erfreulichen Wachstum im Kerngeschäft wurden auch im Anlage- und Firmenkundengeschäft weitere Fortschritte erzielt.

Wertschöpfungskette im Kerngeschäft verlängert

Mit der Gründung der Raiffeisen Immo AG steigt Raiffeisen mit einem Pilotbetrieb in der Nordwestschweiz und im Berner Oberland in die Immobilienvermarktung ein – ein konsequenter Schritt zur Verlängerung der Wertschöpfungskette im Kerngeschäft. Das erweiterte Wohn- und Immobilienportal «RaiffeisenCasa» bietet zusätzlich zum bereits etablierten Immobilienmarktplatz umfangreiche Informationen und Dienstleistungen rund um das Thema Wohnen. Dem Kunden wird damit ein ganzheitliches und durchgängiges Angebot im Bereich des privaten Wohneigentums bereitgestellt.

Raiffeisen investiert in die Zukunft

Raiffeisen hat sich in Bezug auf die fortschreitende Digitalisierung gut positioniert und nutzt deren Chancen aktiv. Dabei werden neue Technologien zur effizienten Gestaltung von Prozessen geprüft und eingesetzt. Zudem werden neue digitale Möglichkeiten insbesondere auch für die Entwicklung von neuartigen und innovativen Produkten und Dienstleistungen zur bestmöglichen Erfüllung der Kundenerwartungen genutzt.

So bietet die neue App «Raiffeisen Piazza» den Raiffeisenbanken einen zusätzlichen Kommunikationskanal mit direktem Kundenkontakt via Chat. Mit der App sind zudem weitere regionale Informationen und News der lokalen Raiffeisenbanken jederzeit und mobil abrufbar. Daneben ermöglicht die Crowdfunding-Plattform «lokalhelden.ch» die Umsetzung von Projekten aus der Region. Vereine und gemeinnützige Institutionen können damit auf einfache, moderne und effiziente Weise Spenden sammeln und für die Gesellschaft wertvolle Projekte finanzieren. Sowohl «Raiffeisen Piazza» als auch «lokalhelden.ch» verbinden die genossenschaftlichen Werte, die lokale Verankerung und die Nähe zu den Kunden von Raiffeisen ideal und setzen diese auf innovative Weise digital um.

Mit dem Innovationsinkubator RAI Lab erforscht Raiffeisen Trends, Technologien und Geschäftsmodelle der Zukunft, um Entwicklungen aufzunehmen und in die Raiffeisen Gruppe hineinzutragen. 2017 hat Raiffeisen zudem zusammen mit rund 16 weiteren Banken und Versicherungen den Verband «Swiss Fintech Innovations» gegründet. Ziel dieses Verbands ist es, Netzwerke und Kooperationen für Experimente und Innovationen zu nutzen, Interessen zu bündeln, Wissen auszutauschen und neuartige Lösungen zu erarbeiten. Dies ermöglicht es Raiffeisen, Themen auch ausserhalb der eigenen Strukturen interdisziplinär zu diskutieren und aktiv voranzutreiben. Des Weiteren spielt Raiffeisen bei der SwissID eine aktive Rolle. Im Rahmen des Digitaltags 2017 hat Raiffeisen dabei zusammen mit weiteren führenden Schweizer Unternehmen ein Memorandum of Understanding unterzeichnet. Damit wurde die Grundlage zur Gründung eines gemeinsamen Unternehmens (SwissSign Group AG) geschaffen, das zum Ziel hat, eine einfache, sichere und eindeutige Identifizierung im digitalen Raum für die Schweizer Bevölkerung zu schaffen und umzusetzen.

Ebenfalls im Jahr 2017 wurde mit «Raiffeisen TWINT» ein neuer Kanal für mobile Zahlungen lanciert. Mit diesem «digitalen Portemonnaie» können Kunden bargeldlos bezahlen, unter Freunden rasch Geld senden und anfordern, bequem online einkaufen oder von attraktiven Rabatten profitieren. Für «Raiffeisen TWINT» haben sich gegen Ende des Berichtsjahres bereits rund 100’000 Kunden registriert.

Auf den Jahreswechsel hin wurde eine erste Tranche an Raiffeisenbanken auf das neue Kernbankensystem auf Basis von Avaloq migriert. Mit dem neuen System wird die IT-Landschaft vereinfacht und so eine Basis für zukünftige Digitalisierungsvorhaben gelegt.

Optimierungen der internen Prozesse und Strukturen bei Notenstein La Roche Privatbank AG erfolgreich abgeschlossen

Die Strukturen, Prozesse und das Angebot der Notenstein La Roche Privatbank AG wurden optimiert, womit unter anderem der Geschäftsaufwand weiter gesenkt werden konnte. Im Jahr 2017 erfolgte zudem eine weitere Fokussierung auf den Markt Schweiz und wenige Zielmärkte und damit verbunden der Verkauf des nicht strategischen Osteuropa-Geschäfts. Im Jahr 2018 werden weitere Massnahmen für ein Wachstum der Assets und zur Ertragssteigerung umgesetzt.

Das dritte Quartal 2017 war von der Einführung des neuen Kernbankensystems per 1. Oktober 2017, ebenfalls auf Basis von Avaloq, geprägt. Gleichzeitig wurde die Führung der Privatbank in neue Hände gegeben. Dr. Patrick Fürer, der im Frühjahr als CFO zur Notenstein La Roche Privatbank AG gestossen ist, hat die CEO-Funktion im Oktober 2017 übernommen.

Beteiligungen Helvetia und Avaloq verkauft

2017 hat Raiffeisen ihre Beteiligungen an Helvetia und Avaloq mit erfreulichem Gewinn veräussert. Der Verkauf dieser Beteiligungen steht im Zusammenhang mit der Neuausrichtung der Kooperationsstrategie von Raiffeisen. Diese folgt der Überzeugung, dass eine erfolgreiche Kooperation aus strategischer Sicht nicht zwingend eine finanzielle Beteiligung voraussetzt. Der Verkauf der Beteiligungen ist ferner ein klares Bekenntnis zur Fokussierung auf das Kerngeschäft und stärkt die Eigenmittelbasis von Raiffeisen.

Anhaltend hohe Ausgaben bei regulatorischen Projekten

Auch 2017 war die Umsetzung von regulatorischen Anforderungen anspruchsvoll und bedingte substanzielle Investitionen in Personal und Infrastruktur. Die Anforderungen, die sich aus der Einstufung als systemrelevante Gruppe ergeben, wurden weitgehend umgesetzt. Im Juni 2017 hat der Bundesrat zudem im Rahmen eines Evaluationsberichts die TLAC-Anforderungen «Total-Loss-Absorbing-Capacity» für inländisch systemrelevante Banken festgelegt. Dabei handelt es sich um zusätzliche Eigenmittel-Anforderungen, die voraussichtlich ab 2025 von der Raiffeisen Gruppe erfüllt werden müssen. Aufgrund dieser Anforderungen muss Raiffeisen bis zum erwähnten Zeitpunkt zusätzliche Mittel für eine allfällige Sanierung bereithalten. Gemäss heutiger Einschätzung geht Raiffeisen davon aus, dass diese zusätzlichen Anforderungen dank ihrem verlässlichen genossenschaftlichen Geschäftsmodell aus eigener Kraft und ohne ausserordentliche Mittelbeschaffung erfüllt werden können.

Rückblickend hat das vergangene Geschäftsjahr wiederum gezeigt, dass sich das genossenschaftliche Geschäftsmodell von Raiffeisen auch in einem herausfordernden Umfeld bewährt und die konsequente Umsetzung der definierten strategischen Stossrichtungen die Grundlage für die erfolgreiche Weiterentwicklung von Raiffeisen bildet.