Trends und Herausforderungen

Der Schweizer Bankenmarkt befindet sich bereits seit einigen Jahren in einem Strukturwandel. Neben makroökonomischen Herausforderungen lassen die Kundenerwartungen, die fortschreitende Digitalisierung sowie die hohen regulatorischen Anforderungen den Marktdruck weiter ansteigen. Gleichzeitig werden die Banken mit steigender Wettbewerbsintensität durch den Eintritt von neuen Marktteilnehmern und Konsolidierungsdruck im Bankenmarkt konfrontiert.

Wirtschaft: Aufhellung des Wirtschaftsumfelds

Die Weltwirtschaft befindet sich auf einem soliden Wachstumskurs, ungeachtet weiter bestehender politischer Risiken. Zusammen mit dem schwächeren Franken ist auch eine schrittweise Festigung der Konjunktur in der Schweiz zu beobachten. Während aufgrund des Tiefzinsumfeldes die hohe Nachfrage nach Wohnimmobilien weiter bestehen bleibt, sind im Bereich der Renditeobjekte erste Überkapazitäten zu beobachten, die jedoch fortlaufend überwacht werden. In naher Zukunft wird allerdings kein marktweiter Rückgang der Schweizer (Wohn-)Immobilienpreise erwartet. Preiskorrekturen in vereinzelten Regionen sind dabei jedoch nicht auszuschliessen.

Gerade auch im aktuellen Umfeld – viele Akteure im Markt sehen sich weiterhin mit einem Anlagenotstand konfrontiert – ist eine vorsichtige Kreditvergabepraxis entscheidend für eine nachhaltige Entwicklung. Raiffeisen hält daher an der bewährten, konservativen Kreditpolitik und an vorsichtigen Markteinschätzungen fest. Zudem setzt Raiffeisen aufgrund des Margenrückgangs im Kerngeschäft weiter auf die Erschliessung neuer Wachstums- und Ertragsquellen.

Kunden: hohe Kundenerwartungen und veränderte Kundenbedürfnisse

Kunden profitieren von einer zunehmenden Transparenz bezüglich Produkten und Dienstleistungen. Entsprechend hoch sind ihre Erwartungen an die Dienstleistungspalette von Banken. Ein orts- und zeitunabhängiges Angebot zählt heute zu den grundlegenden Erwartungen der Kunden. Die Kommunikation zwischen Bank und Kunde verläuft vermehrt über unterschiedliche Kanäle und die Nachfrage nach Mobile Banking nimmt weiter zu. Die Banken sind gefordert, die physischen und digitalen Kanäle konsequent aufeinander abzustimmen und innovative Beratungsansätze und Vertriebskonzepte zu entwickeln, um den veränderten Kundenbedürfnissen Rechnung zu tragen.

Die Optimierung von digitalen und physischen Vertriebskanälen wird in Zukunft entscheidend sein. Als digitale Lokalbank bietet Raiffeisen den Kunden ein Online-Offering, setzt aber gleichzeitig weiterhin stark auf eine physische Präsenz vor Ort durch die lokale Raiffeisenbank.

Konkurrenz: intensiver Wettbewerb im Bankenmarkt

Im Schweizer Bankenmarkt wird sich der Margendruck weiter erhöhen. Neben traditionellen Banken, die um Marktanteile kämpfen, verstärkt sich der Wettbewerb auch durch branchenfremde Konkurrenten wie Versicherungen, Pensionskassen oder Technologieunternehmen. In diesem Umfeld haben traditionelle Banken realisiert, dass Kooperationen mit Fintechs Chancen für neue, innovative und ganzheitliche Angebote ermöglichen, welche sich konsequent an den Kundenbedürfnissen ausrichten. Gleichzeitig sind die Banken gefordert, ihre Geschäftsmodelle und Geschäftsprozesse radikal zu überdenken, die Digitalisierung der gesamten Wertschöpfungskette voranzutreiben und sich von der Konkurrenz zu differenzieren. Hierzu braucht es neben einem ganzheitlichen Angebot eine eindeutige Positionierung.

Mit der klaren Positionierung im Kerngeschäft und gezielten Kooperationen, die das Angebot im Kerngeschäft ergänzen, stärkt Raiffeisen ihre Position als führende Retailbank in der Schweiz erfolgreich. Daneben sollen auch das Anlage- und Firmenkundengeschäft weiter ausgebaut werden. Zudem verfolgt Raiffeisen das Ziel, die Kundenbedürfnisse stärker im Verbund (auch mit branchenfremden Dritten) in Ökosystemen zu erfüllen (z. B. Ökosystem «Wohnen»).

Regulierung: hoher Regulierungsdruck

Die Regulierungsdichte für Schweizer Banken nimmt weiterhin zu. Im Fokus stehen derzeit zwei Themen – einerseits die Aufrechterhaltung der Stabilität des Finanzmarktes (Systemrelevanz, Basel IV) und andererseits die Verbesserung des Kundenschutzes (FIDLEG). Zudem hält die Angleichung der Schweizer Rechtsnormen an internationale Regulierungsstandards an. Für die Umsetzung der regulatorischen Vorschriften benötigt es deshalb einen weiterhin hohen personellen und finanziellen Einsatz. Darüber hinaus finden weitere aufsichtsrechtliche Veränderungen statt. So hat der Bundesrat beschlossen, die aufsichtsrechtlichen Rahmenbedingungen von Fintechs zu verbessern. Mit der sogenannten «Sandbox-Regulierung» baut die Finanzmarktaufsicht regulatorische Hürden für neue Geschäftsmodelle ab und fördert innovative Lösungen im Finanzplatz Schweiz.

Die Erfüllung und Umsetzung der regulatorischen Anforderungen sind für Raiffeisen zentral. Gleichzeitig bringt sich Raiffeisen aktiv in den Diskurs zu aufsichtsrechtlichen Entwicklungen ein und nimmt damit auch in diesem Bereich ihre gesellschaftliche Verantwortung wahr.