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«Die Vision als gemeinsames Verständnis der Marschrichtung»

Der Blick in die Zukunft löst unterschiedlichste Ideen und Vorstellungen aus. Welche Strahlkraft in einer klaren Vision liegt und wie sich diese auf Mitarbeitende sowie Kundinnen und Kunden auswirken kann, diskutiert eine bunt zusammengestellte Dialoggruppe im St.Galler Kybunpark. Die grosszügige und offene Stadion-Atmosphäre präsentiert sich als inspirierender Ort für den Gedankenaustausch zum Thema Visionen und Zukunftsgestaltung.

In den leeren Rängen der Sportarena treffen sich zwei Vertreter von Raiffeisen und eine langjährige Raiffeisenkundin zum Austausch. Die drei Gesprächspartner mit unterschiedlichen beruflichen Hintergründen kennen sich nicht. Alle Drei haben aber auf Anfrage Lust und Freude an der Idee bekundet, gemeinsam in den Dialog zu treten und den Stellenwert von Visionen in ihrer jeweiligen Rolle und Funktion zu diskutieren.

«Eine klare und einprägsame Vision ist das Herzstück eines Unternehmens. Sie zeigt das grosse Bild und die Ambition für die Zukunft auf», eröffnet Michael Scherrer, Leiter Unternehmensentwicklung Raiffeisen Schweiz, das Gespräch und fährt weiter: «Für mich und mein Team ist die Vision von Raiffeisen richtungsweisend. In meinem Berufsalltag als Unternehmensentwickler beschäftige ich mich oft mit Strategien und mit Wegen, um der festgelegten Vision stetig einen Schritt näher zu kommen.»

«Die Realisierbarkeit ist ein wichtiger Faktor. Genauso wie die Motivations- und Inspirationskraft», doppelt Bettina Neff, Geschäftsleitungsmitglied Atelier Bischof AG, langjährige Firmenkundin von Raiffeisen, nach und ergänzt: «Eine Vision zu formulieren, ist komplex: Einerseits ist der kreative Weitblick gefragt, andererseits dürfen wir als Geschäftsführer die Anschlussfähigkeit an bestehende Strukturen nicht aus den Augen verlieren. In unserem familiengeführten Unternehmen legen wir grossen Wert darauf, uns Etappenziele zu setzen, die wir in kleine, kontrollierte und vor allem messbare Schritte portionieren. So haben wir immer wieder Freiräume, unser Handeln mit unseren übergeordneten Plänen abzugleichen.»

Franco Iten steht als Trainee der Raiffeisenbank Werdenberg noch am Anfang seiner beruflichen Karriere und macht sich daher viele Gedanken über seine weitere Karriereplanung innerhalb des Unternehmens: «Visionen sind für mich die Summe vieler realistisch erreichbarer kleiner Ziele. Ich überlege mir laufend, wie sich meine Karriere weiterentwickeln soll. Diese Gedanken widerspiegeln meine persönliche Vision, der ich mit jedem Entwicklungsschritt näher kommen möchte. Es motiviert mich und treibt mich an, eine klare Idee zu verfolgen.»

Unterschiedliche Blickwinkel

Je nach Rolle, Funktion und dem beruflichem Umfeld beschreiben die drei Gesprächspartner ihre Gedanken zum Thema Zukunftsgestaltung und Visionen aus ihrer Perspektive:

«Wir stecken als Familienunternehmen viel Kraft und Energie in eine Unternehmensvision, die von uns allen auf allen Ebenen getragen wird.»

Bettina Neff, Geschäftsleitungsmitglied Atelier Bischof AG, langjährige Firmenkundin von Raiffeisen

«Sprechen wir von Zukunftsgestaltung, so denken mein Mann und ich auf der Zeitachse fünf bis zehn Jahre voraus. Uns ist es sehr wichtig, dass wir möglichst viele unserer rund 30 Mitarbeitenden in den Gestaltungsprozess unserer Vision involvieren können. Die unterschiedlichen Sichtweisen aller unserer Mitarbeitenden, insbesondere auch unserer Lernenden,  sind hier eine tolle Quelle für visionäre Gedanken. Aktuell arbeiten wir zusammen mit dem Raiffeisen Unternehmerzentrum (RUZ) daran, unsere internen Rollen- und Berufsbilder zu überprüfen und auf aktuelle Kundenbedürfnisse zu adaptieren. Liegen wir mit unseren Visionen fernab der Wirklichkeit bzw. der Marktanforderungen, so haben wir wenig Chancen, diese zu erreichen. Deshalb ist es uns so wichtig, gemeinsam mit den Mitarbeitenden, die täglich an der Front arbeiten, unsere Vision zu formulieren und in kleinen Etappenzielen umzusetzen.»

«Eine Vision stellt ein gemeinsames Verständnis der Marschrichtung her.»

Michael Scherrer, Abteilungsleiter Unternehmensentwicklung Raiffeisen Schweiz

«In der Unternehmensentwicklung haben Visionen für mich einen ambitionierten und motivierenden Charakter. Eine Vision stellt ein gemeinsames Verständnis der Marschrichtung her. Die Festlegung der Vision ist Sache der Unternehmensführung. In meiner Rolle orientiere ich mich an diesen visionären Ansichten. Gleichzeitig agiere ich mit meinem Team als Impulsgeber, und mache auf Trends und Entwicklungen aufmerksam. Insofern ist es – in einer Wechselwirkung – Teil unserer Arbeit, die Vision von Raiffeisen mitzugestalten. Bei der Umsetzung arbeiten wir mit den Raiffeisenbanken und vielen unterschiedlichen Akteuren zusammen.. Zur Erreichung der Vision ist es entscheidend, dass diese von der gesamten Organisation getragen und gelebt wird.»

«Visionen sind für mich die Summe vieler realistisch erreichbarer kleiner Ziele.»

Franco Iten, Trainee, Raiffeisenbank Werdenberg

«Meine Vorstellung, wie ich meine berufliche Zukunft ausgestalten will, nimmt im Rahmen meines Trainee-Programms immer konkretere Formen an. Wenn ich auf diesem Weg eine gesunde Portion an Flexibilität und Lernfähigkeit mitbringe, sind das gute Eigenschaften, die mir dabei helfen, meinen Vorstellungen stetig einen Schritt näher zu kommen. Ich bin eingebettet in eine vorgegebene Unternehmensstruktur. Innerhalb dieser gilt es für mich einen passenden Platz zu finden. Natürlich habe ich Wünsche und Bedürfnisse, genau gleich wie mein Arbeitgeber seine Vorstellungen in Bezug auf meine Leistung und Weiterentwicklung hat. Ich habe gelernt, meine Vorstellungen und Visionen möglichst präzise zu formulieren – und nicht um den heissen Brei herum zu reden.»

Dialog auf Augenhöhe

«Klartext reden» – das ist ein Stichwort, bei dem Bettina Neff sich gleich angesprochen fühlt und bestätigend nickt. «Sprechen wir von Visionen, so reden wir ja immer auch von der Zukunftsgestaltung. Und wer weiss schon, was dann sein wird? Schlussendlich beruhen unsere Vorkehrungen auf soweit wie möglich geprüften Annahmen. Es ist deshalb legitim, sich der Frage zu stellen, ob die Ungewissheit über die Zukunft uns als KMU manchmal etwas Angst einflösst. In unserem Fall fordern uns die voranschreitende Digitalisierung und die erodierenden Preise täglich von Neuem heraus. Und ja – manchmal beschert mir diese schnelle Entwicklung etwas Bauchschmerzen. In solchen Situationen halte ich mir immer wieder vor Augen, dass wir sehr vertraut sind mit den neusten technologischen Entwicklungen – das ist definitiv eine Stärke von uns. Umso mehr ist es gerade in der aktuellen Zeit unerlässlich, den Dialog zu Kundinnen, Kunden, Mitarbeitenden und Geschäftspartnern aktiv zu suchen. Das gilt übrigens auch für unsere Beziehung zu Raiffeisen als unsere Hausbank. Es ist für uns selbstverständlich, dass wir unsere Vision, Pläne aber auch Herausforderungen, Chancen und Risiken auf Augenhöhe mit unserem Bankenbetreuer besprechen und darlegen. In einer solchen Beziehung ist es wichtig, dass ein spontaner und ehrlicher Austausch möglich ist», erklärt die erfahrene Geschäftsführerin.

Das Gespräch aktiv suchen

«Liegt es nicht in der Natur der Sache, dass Unternehmer der Zukunft mit einer gesunden Prise Respekt entgegen treten?», stellt Michael Scherrer daraufhin die Frage in die Runde. Er betont: «Visionen fallen nicht einfach so vom Himmel. Der stetige Abgleich von Visionen mit der Realität ist ein aktiver Gestaltungsprozess. Hier sind ein offener Dialog und das Darlegen von Pro und Kontra ein wichtiger Bestandteil unserer Rolle seitens Unternehmensentwicklung. Somit sind Visionen nicht für immer in Stein gemeisselt – sie sind auch Diskussionsgrundlage. Die Kunst liegt darin, die unternehmerischen Zielsetzungen bei jedem Mitarbeitenden zu verankern. Eine klar formulierte Vision motiviert und setzt Impulse für die ganze Belegschaft.» Hier fühlt sich Franco Iten in seinen Vorstellungen zu seiner beruflichen Zukunft bei Raiffeisen bestätigt: «Als Mitarbeitender einer schweizweit tätigen Bank ist es für mich wichtig, zu verstehen, welche Stossrichtung meine Arbeitgeberin vorgibt und welchen Beitrag ich dazu leisten kann. Umgekehrt fühle ich mich verstanden, wenn meine Arbeitgeberin sich für meine Zukunftsvorstellungen ehrlich interessiert und mir einen passenden Rahmen dafür schafft.»

Die weitläufige Stadion-Atmosphäre hat für dieses Gespräch einen einmaligen Rahmen geschaffen. Die grosse Sportarena bot unbesetzt viel Raum zur Reflexion und zum gegenseitigen Austausch. Die drei Gesprächspartner sind sich einig: eine klare und aktiv gelebte Vision bestimmt und prägt ihr Handeln positiv.