Starkes Kundengeschäft, tieferer Gewinn

Die Neuausrichtung der Raiffeisen Gruppe schlägt sich im Halbjahresergebnis 2019 nieder. Der Gewinn per 30. Juni 2019 fällt mit 355 Millionen Franken um 14,7 Prozent tiefer als im Vorjahreszeitraum aus. Das Kundenvertrauen ist ungebrochen hoch: Im ersten Halbjahr haben die Kundeneinlagen gegenüber dem Vorjahr markant zugenommen und auch die Entwicklung der Hypothekarforderungen ist erfreulich.

Raiffeisen schliesst das erste Halbjahr 2019 mit einem im Vergleich zum Vorjahr tieferen, aber respektablen Gruppengewinn ab. Das operative Bankgeschäft hat sich weiterhin positiv entwickelt. Hinsichtlich Neuausrichtung wurden im ersten Halbjahr 2019 wesentliche Meilensteine erreicht.

Neuausrichtung schlägt sich in gesunkenen Aufwänden und Erträgen nieder

Durch den Verkauf der Notenstein La Roche Privatbank AG und die Integration der ARIZON Sourcing AG vereinfachte Raiffeisen ihre Gruppenstruktur. Mit der Einführung des neuen Kernbankensystems (ACS) wurde eine grundlegende Investition in die Zukunft getätigt. Das im April 2019 lancierte Effizienzprogramm wird die Leistungsfähigkeit von Raiffeisen Schweiz erhöhen. Diese Faktoren widerspiegeln sich auf der Aufwands- als auch auf der Ertragsseite. Der Geschäftsertrag fällt mit 1‘518 Millionen Franken (-118 Millionen Franken) aufgrund der per 2. Juli 2018 verkauften Notenstein La Roche Privatbank AG, der tieferen Beteiligungserträge sowie dem Rückgang der anderen ordentlichen Erträge (Integration der ARIZON Sourcing AG in Raiffeisen Schweiz) unter dem Vorjahreswert aus.

Auf der Aufwandsseite führten der Wegfall der Notenstein La Roche Privatbank AG und die abgeschlossene Einführung von ACS zu einer spürbaren Entlastung des Geschäftsaufwands um 66 Millionen auf 934 Millionen Franken. Im Zusammenhang mit dem Effizienzprogramm bei Raiffeisen Schweiz wurde eine vorsorgliche Restrukturierungsrückstellung von 15 Millionen Franken gebildet. Bis 2020 sollen Einsparungen von bis zu 100 Millionen Franken realisiert werden. Die wiederkehrenden Einsparungen werden insbesondere ab dem Geschäftsjahr 2020 zu Buche schlagen.

Aufgrund der negativen Kursentwicklung der Leonteq AG wurde eine marktwertbedingte Wertberichtigung von 38 Millionen Franken gebildet. Die erstmalige ordentliche Abschreibung in der Höhe von 26 Millionen Franken auf dem neuen Kernbankensystem schlägt ebenfalls zu Buche. Mit der Einführung von ACS wurde der Grundstein für die Vereinfachung der IT-Landschaft von Raiffeisen sowie für Effizienzgewinne und zukünftige Digitalisierungsvorhaben gelegt. Das ursprüngliche Joint Venture zwischen Raiffeisen und Avaloq, die ARIZON Sourcing AG, wurde vollständig durch Raiffeisen übernommen und in Raiffeisen Schweiz integriert. Damit konnte ein weiterer Schritt zur Vereinfachung der Gruppenstruktur erreicht werden. Die finanziellen Auswirkungen aus dieser Entflechtung wurden zulasten des Jahresergebnisses 2018 verbucht und wirken sich nicht auf den Zwischenabschluss 2019 aus.

Wachstum im indifferenten Geschäft – vor allem die verwalteten Vermögen legen zu

Um die Vergleichbarkeit mit dem Vorjahr zu erleichtern, werden die Ertrags- und Aufwandspositionen des Vorjahres in diesem Abschnitt ohne die verkaufte Notenstein La Roche Privatbank AG kommentiert.

Das kontinuierliche Wachstum des Geschäftsvolumens setzte sich auch im ersten Halbjahr 2019 fort. Der Erfolg aus dem Zinsengeschäft konnte mit einem Ergebnis von 1‘133 Millionen Franken (-4 Millionen Franken) trotz Margendruck annähernd gehalten werden. Im Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft wurde mit 208 Millionen Franken (+1 Million Franken) das Ergebnis aus dem Vorjahr leicht übertroffen. Im Handelsgeschäft musste mit 109 Millionen Franken (-5 Millionen Franken) ein leichter Rückgang verzeichnet werden.

Sehr erfreulich entwickelte sich das Geschäftsvolumen. Insbesondere bei den Kundenvermögen verzeichnete Raiffeisen in den ersten sechs Monaten einen überdurchschnittlich hohen Anstieg. Die Kundeneinlagen stiegen auf 170,3 Milliarden Franken (+2,7 Prozent oder +4,6 Milliarden Franken). Ebenso positiv verlief die Entwicklung des Depotvolumens mit einer Zunahme auf 32,9 Milliarden Franken (+10,6 Prozent oder +3,2 Milliarden Franken). Dabei profitierte Raiffeisen von der generellen Erholung der Finanzmärkte, verzeichnete aber auch erfreuliche Nettozuflüsse. Dank dem Zuwachs betragen die verwalteten Vermögen 203,7 Milliarden Franken (+3,9 Prozent oder +7,6 Milliarden Franken). Das Wachstum der Hypotheken entwickelte sich planmässig unter den Vorjahreswerten, was zu einem Gesamtbestand von 182,2 Milliarden Franken (+1,5 Prozent oder +2,6 Milliarden Franken) führt. Dank der markanten Zunahme der Kundeneinlagen erhöhte sich das Refinanzierungsverhältnis zwischen Ausleihungen und Kundeneinlagen auf 89,2 Prozent.

Vorsichtige Kreditpolitik

Die Wertberichtigungen für Ausfallrisiken auf dem gesamten Kreditvolumen belaufen sich auf 254 Millionen Franken oder tiefe 0,133 Prozent. Bei den Raiffeisenbanken ist der Wertberichtigungsbestand aus dem Kreditgeschäft dank einer vorsichtigen Kreditpolitik weiter gesunken.

Komfortable Ausgangslage im Hinblick auf die neuen TLAC-Anforderungen

Seit dem 1. Januar 2019 gelten für die nicht international tätigen systemrelevanten Banken, zu denen auch die Raiffeisen Gruppe gehört, neue Eigenmittelanforderungen. Die betroffenen Finanzinstitute müssen die neuen Anforderungen bis spätestens 1. Januar 2026 vollständig erfüllen. Mit den verschärften TLAC-Anforderungen (Total Loss-Absorbing Capacity) soll sichergestellt werden, dass systemrelevante Banken ohne die Beanspruchung von Mitteln der öffentlichen Hand abgewickelt werden können.

Mit einer TLAC-Quote von 17,7 Prozent liegt die Gruppe bereits heute nahe bei der per 1. Januar 2026 geforderten TLAC-Quote von 17,9 Prozent. Die unter Berücksichtigung der Übergangsregeln im Jahr 2019 einzuhaltende TLAC-Quote von 15,3 Prozent wird mit dem Wert von 17,7 Prozent gut erfüllt. Raiffeisen ist überzeugt, dass die ab 1. Januar 2026 geltende Anforderung dank der hohen Gewinnthesaurierung innerhalb der siebenjährigen Übergangsfrist erreicht werden kann. Die aktuelle TLAC-Leverage Ratio von 7,6 Prozent übertrifft bereits heute die inskünftig einzuhaltende ungewichtete TLAC-Anforderung von 5,9 Prozent.

Rasche Reform der Raiffeisen Gruppe – Konsens über Eckpunkte erzielt

Seit Anfang Jahr hat die Impulsgruppe «Reform 21», bestehend aus Vertretern der Raiffeisenbanken und Raiffeisen Schweiz, für die Raiffeisen Gruppe zentrale Themen wie die Corporate Governance und unser Werteverständnis aufgearbeitet. Ausserdem wurde ein Entwurf der Eignerstrategie erarbeitet. Am Eignerworkshop vom 14. Juni 2019 wurde ein gemeinsames Verständnis aller Raiffeisenbanken und damit die Grundlage für eine statutarische Verankerung dieser Themen anlässlich der ausserordentlichen Delegiertenversammlung am 16. November 2019 geschaffen.

Ausblick

Aus makroökonomischer Sicht rechnen wir damit, dass das wirtschaftliche Umfeld herausfordernd bleibt. Neben den weiterhin bestehenden geopolitischen Unsicherheiten rechnet Raiffeisen für das zweite Halbjahr 2019 mit einer Abschwächung des Wirtschaftswachstums, vor allem aufgrund einer weiter an Fahrt verlierenden globalen Konjunktur. Aufgrund der 180-Grad-Kehrtwende der US-Notenbank ist die Zinsnormalisierung wieder in weite Ferne gerückt. Das Umfeld negativer Zinsen dürfte in der Schweiz somit auch in den nächsten Quartalen bestehen bleiben. Der Druck auf die Zinsmargen hält weiter an.