Risikokategorien

Kreditrisiken

Das Kreditrisikomanagement der Raiffeisen Gruppe ist gezielt auf die Raiffeisen-spezifische Kunden- und Geschäftsstruktur ausgerichtet. Kundenkenntnis und dezentrale Selbstverantwortung der Raiffeisenbanken vor Ort spielen bei der Kreditentscheidung und -bewirtschaftung eine tragende Rolle. Dies gilt auch dort, wo Kredite aufgrund ihrer Grösse oder Komplexität der Zustimmung durch Raiffeisen Schweiz bedürfen.

Die Kreditrisiken werden sowohl nominell als auch risikogewichtet betrachtet und beurteilt. Für die Banksteuerung kommen zudem statistische Verlustmasse, konkret der Value at Risk, sowie Szenarioanalysen zum Einsatz. Für die Risikoüberwachung werden ausserdem Merkmale der Kreditqualität ausgewertet, wie etwa Tragbarkeit, Belehnungssätze, Gegenparteienratings und deren Veränderung, aber auch Portfolioeigenschaften wie zum Beispiel die Diversifikation nach Kreditnehmern, Branchen und Sicherheiten.

Aufgrund der starken Stellung der Raiffeisen Gruppe im Kreditgeschäft bilden Kreditrisiken die wichtigste Risikokategorie.

Entwicklung der Ausleihungen und Einzelwertberichtigungen

Ausleihungen Raiffeisen Gruppe nach Kundensegment

Raiffeisen übernimmt Kreditrisiken hauptsächlich aus Geschäften mit gedeckten Krediten an private Personen, Firmenkunden, Kunden des öffentlichen Sektors sowie Geschäftsbanken. Raiffeisen Schweiz überwacht, kontrolliert und steuert Konzentrationen von Risiken in der Gruppe, insbesondere für Gruppen verbundener Gegenparteien sowie für Branchen.

Generell vorsichtige Kreditpolitik

Eine vorsichtige Kreditpolitik und eine professionelle Bonitätsprüfung bilden den Rahmen für das Kreditgeschäft innerhalb der Raiffeisen Gruppe.

Hypothekarforderungen nach Rang

Tragbarkeit, Belehnung und Amortisation der Verpflichtungen für die Kreditnehmer spielen eine zentrale Rolle. Kredite werden grundsätzlich auf gedeckter Basis gewährt.

Ausleihungen nach Sicherheiten und Objektarten

Immobilienfinanzierungen gehören zum Kerngeschäft von Raiffeisen. Hauptbestandteil sind Finanzierungen von Wohnliegenschaften.

Kreditpolitik im Firmenkundengeschäft

Die Raiffeisen Gruppe positioniert sich in den Bonitätsklassen mit geringem und mittlerem Risiko.

Ausleihungen Firmenkunden nach Ratingkategorie

Die Risikobereitschaft im Firmenkreditgeschäft ist gruppenweit klar definiert und durch entsprechende Limiten begrenzt. Besonderer Wert wird darauf gelegt, dass der Ausbau des Firmenkundengeschäfts in der Raiffeisen Gruppe auf solidem Fundament und im Rahmen der dedizierten Firmenkundenstrategie erfolgt. Substanzielle Investitionen in die Organisation, in Mitarbeitende und in Systeme unterstreichen diese konsequente Haltung.

Ausleihungen Raiffeisen Gruppe nach Branchen (Firmenkunden und übrige Kunden)

Bei den Ausleihungen an Firmenkunden und übrige Kunden hat die Branche Immobilienwesen den grössten Anteil. Diese Ausleihungen sind grösstenteils hypothekarisch gedeckt. Die Ausleihungen in den restlichen Branchen sind breit diversifiziert.

Aktive Bewirtschaftung der Länderrisiken

Auslandengagements von Raiffeisen Schweiz sind statutarisch auf risikogewichtet fünf Prozent der konsolidierten Bilanzsumme der Raiffeisen Gruppe begrenzt. Raiffeisenbanken dürfen keine Bank- und Finanzdienstleistungen im Ausland erbringen. Bei Raiffeisen Schweiz können das Departement Zentralbank inklusive Raiffeisen Switzerland B.V. Amsterdam sowie das Departement Firmenkunden Auslandengagements eingehen. Diese Engagements werden limitiert und laufend überwacht. Die höchsten Länderlimiten bestehen in Ländern mit sehr guten Ratings.

Aufteilung Länderlimiten

Analyse und Beurteilung des Kreditportfolios

Der Verwaltungsrat von Raiffeisen Schweiz wird periodisch über die Analysen und Beurteilung der Qualität des Kreditportfolios der Raiffeisen Gruppe orientiert. Schwerpunkte dieser Analysen bilden Informationen über die Entwicklung der Risikolage, strukturelle und qualitative Merkmale des Kreditportfolios, die Einhaltung der Limiten und die Umsetzung von Massnahmen. Zudem wird überwacht, wie sich extreme gesamtwirtschaftliche Schieflagen auf das Kreditportfolio auswirken.

Messung des Kreditrisikos

Das Kreditrisiko der einzelnen Gegenpartei wird mittels folgender Parameter gemessen:

  • Ausfallwahrscheinlichkeit
  • Kreditexposure zum Zeitpunkt des Ausfalls
  • Werthaltigkeit der Sicherheit

Das zentrale Element der Kreditrisikomessung bildet das Ratingsystem, welches durch das Departement Risiko & Compliance von Raiffeisen Schweiz entwickelt und überwacht wird. Mittels Ratingsystem wird die Bonität der Kunden beurteilt. Im Zusammenhang mit den internen Ratingsystemen hat die Raiffeisen Gruppe eine umfassende Ratingsystem-Governance umgesetzt. Diese hat zum Ziel, Prozesse und Verantwortungen im Kontext von internen Ratingsystemen innerhalb der Gruppe so zu regeln, dass Qualität und Leistungsfähigkeit der Ratingsysteme und deren Anwendung durchgängig sichergestellt sind. Um Kontrolllücken und Interessenkonflikte zu vermeiden, wurden Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortungen für die Anspruchsgruppen und Schlüsselstellen definiert und entsprechende Schlüsselkontrollen umgesetzt.

Für interne Zwecke verwendet Raiffeisen für die Messung der Kreditportfolio-Risiken ein konservatives Value-at-Risk-Verfahren und ein darauf aufbauendes Portfoliomodell.

Einschätzung zur Risikolage – Kreditrisiken

Das Kreditwachstum ist strategiekonform und zeichnet sich durch eine insgesamt tiefe Risikointensität aus. Die Kreditvergabe erfolgt insgesamt konservativ und im Grundsatz auf gedeckter Basis. Daneben hat die Sicherstellung der Tragbarkeit einer Finanzierung oberste Priorität.

Rund 90 Prozent des Kreditportfolios der Raiffeisen Gruppe sind hypothekarisch gedeckt. Selbst genutzte Wohnobjekte machen mehr als die Hälfte des Kreditportfolios aus. Dabei handelt es sich grösstenteils um Einfamilienhäuser und Eigentumswohnungen, welche von Privatkunden bewohnt werden. Raiffeisen verfolgt die Marktentwicklungen in Bezug auf selbst genutztes Wohneigentum und Renditeobjekte genau und überwacht das Portfolio umfassend.

Das Kreditportfolio der Raiffeisen Gruppe weist in den einzelnen Kundensegmenten seit Jahren eine stabile Struktur auf. Über 70 Prozent des Volumens liegen bei Privatkunden. Im Firmenkundengeschäft achtet Raiffeisen auf eine ausreichende Diversifikation und legt das Schwergewicht auf Branchen mit einem langfristigen Wachstumspotenzial. Die Bearbeitung von Risikobranchen erfolgt mit starker Zurückhaltung.

Die breite Diversifikation des Kreditportfolios und die langfristig ausgerichtete, konservative Kreditpolitik in Bezug auf Rating, Bewertung, Belehnung und Tragbarkeit tragen insgesamt zur tiefen Risikointensität bei.

Regelmässige Stresstests zeigen, dass sich das Kreditportfolio der Raiffeisen Gruppe selbst unter markant verschlechterten Rahmenbedingungen als robust und gut diversifiziert erweist

Marktrisiken

Risiken im Bankenbuch

Im Bankenbuch bestehen vor allem Zinsänderungs- und Fremdwährungsrisiken. Zinsänderungsrisiken ergeben sich aufgrund der signifikanten Positionierung der Raiffeisen Gruppe im Zinsdifferenzgeschäft und stellen eine wesentliche Risikokategorie dar. Sie werden im Rahmen der gesprochenen Risikolimiten aktiv bewirtschaftet und überwacht.

Innerhalb der Raiffeisen Gruppe gelten für die Bewirtschaftung der Zinsrisiken klare Richtlinien und Limiten, sowohl auf Gruppenstufe als auch auf Einzelebene. Innerhalb dieser Leitplanken erfolgt die Bewirtschaftung autonom durch die einzelnen rechtlichen Einheiten, namentlich die Raiffeisenbanken und Raiffeisen Schweiz. Dazu steht den Bewirtschaftungsverantwortlichen ein bewährtes Instrumentarium zur Verfügung, welches die Möglichkeit einschliesst, Zinsentwicklungen zu simulieren und in ihren Auswirkungen zu beurteilen. Das Departement Zentralbank von Raiffeisen Schweiz bietet innerhalb der Raiffeisen Gruppe eine Beratung im Asset and Liability Management an. Die weiteren Gruppengesellschaften gehen keine materiellen Zinsänderungsrisiken ein.

Das Departement Risiko & Compliance überwacht die Einhaltung der Zinsrisikolimiten und die Entwicklung der Zinsrisiken insgesamt. Im Zentrum stehen die Überwachung der Zinssensitivität des Eigenkapitals und Simulationen zur Analyse der Auswirkungen von Marktzinsveränderungen auf den Zinserfolg. Zur Überwachung der Gesamtrisikolage auf verschiedenen Gruppenstufen wird zusätzlich der zinsinduzierte Value at Risk ermittelt.

Eine deutlich erweiterte Offenlegung der Zinsrisiken gemäss FINMA-RS 2016/01 «Offenlegung Banken» erfolgt erstmalig per Stichtag 30. Juni 2019.

Raiffeisen Gruppe: Zinsrisiken im Bankenbuch

(in Mio. CHF)

31.12.18

31.12.17

Sensitivität (+100bp-Shift)

1’740

1’644

Hinsichtlich des Fremdwährungsrisikos gilt, dass Aktiven in einer Fremdwährung grundsätzlich in derselben Währung refinanziert werden (sogenanntes Matched-book-Prinzip). Dadurch werden Fremdwährungsrisiken grösstenteils vermieden. Die Bewirtschaftung des verbleibenden Fremdwährungsrisikos im Bankenbuch obliegt dem Departement Zentralbank von Raiffeisen Schweiz innerhalb der ihnen zugeteilten Limiten des Verwaltungsrats.

Risiken im Handelsbuch

In der Raiffeisen Gruppe unterhält das Departement Zentralbank von Raiffeisen Schweiz ein Handelsbuch. Zudem wird das Geschäft mit strukturierten Produkten der Raiffeisen Switzerland B.V. Amsterdam dem Handelsbuch zugeordnet.

Die Handelsrisiken des Departements Zentralbank werden durch Globallimiten strategisch begrenzt. Operativ erfolgt die Risikobegrenzung durch Sensitivitäts-, Positions- und Verlustlimiten sowie durch Value-at-Risk-Limiten. Die Raiffeisen Switzerland B.V. Amsterdam mit Sitz in den Niederlanden steuert ihre Zinsrisiken mithilfe eines Bond-Portfolios, welches das Zinsrisikoprofil der emittierten strukturierten Produkte nachbildet. Aus dem Bond-Portfolio, welches sich vollständig aus Schuldtiteln mit Investment Grade Rating zusammensetzt, resultieren Credit-Spread-Risiken.

Alle gehandelten Produkte werden in einem Risikomanagementsystem abgebildet und bewertet. Dieses bildet die Grundlage für eine effiziente sowie effektive Bewertung, Bewirtschaftung und Kontrolle der Risiken im Handelsbuch. Das Departement Risiko & Compliance überwacht die Positionen und Marktrisiken auf täglicher Basis. Dabei stützt es sich auf Marktdaten und Risikoparameter, deren Korrektheit unabhängig kontrolliert wird. Vor der Einführung neuer Produkte führt das Departement Risiko & Compliance eine unabhängige Evaluation der Risiken durch.

Raiffeisen Schweiz: Limiten im Handelsbuch

(Sensitivität in 1000 CHF)

2018

2017

Risikoart

 

 

Aktien

4’000

4’000

Zinsprodukte

43’000

43’000

Devisen

6’000

6’000

Edelmetalle

5’000

5’000

 

 

 

Total

58’000

58’000

Verlustlimiten

 

 

Tag

2’000

2’000

Kalendermonat

5’000

5’000

Kalenderjahr

10’000

10’000

Raiffeisen Schweiz: Bestände im Handelsbuch

(Sensitivität in 1000 CHF)

ø 2018

31.12.18

ø 2017

31.12.17

Risikoart

 

 

 

 

Aktien

419

52

348

727

Zinsprodukte

10’585

7’486

11’775

12’146

Devisen

1’432

2’389

1’182

1’132

Edelmetalle

390

574

269

138

Einschätzung zur Risikolage – Marktrisiken

Marktrisiken resultieren hauptsächlich aus Zinsänderungsrisiken im Bankenbuch. Die potenziellen Wertverluste und Ertragseinbussen sind auch unter adversen Zinsschock- und Zinsstressszenarien tragbar.

Die Marktrisiken im Handelsbuch sind über die Anlageklassen Aktien, Zinsen, Fremdwährungen und Edelmetalle diversifiziert. Das Verlustpotenzial ist im Falle von starken Marktverwerfungen im Verhältnis zum Gesamtertrag als verhältnismässig gering einzuschätzen.

Liquiditätsrisiken

Das Liquiditätsrisikomanagement von Raiffeisen Schweiz und der Raiffeisen Gruppe erfolgt nach regulatorischen Vorgaben und internen Zielgrössen zentral durch das Departement Zentralbank von Raiffeisen Schweiz.

Die regulatorischen Liquiditätsvorgaben gelten konsolidiert auf Ebene der Raiffeisen Gruppe sowie auf Einzelinstitutsebene für Raiffeisen Schweiz. Die einzelnen Raiffeisenbanken sind von der Einhaltung der regulatorischen Liquiditätsvorschriften befreit, erfüllen jedoch interne Liquiditätsvorgaben.

Das Departement Zentralbank von Raiffeisen Schweiz organisiert den gruppeninternen Liquiditätstransfer und gewährleistet dabei die verursachergerechte Verrechnung der Refinanzierungs- und Liquiditätshaltungskosten. Die einzelnen Banken sind dazu verpflichtet, ihr Liquiditätserfordernis anteilig bei Raiffeisen Schweiz anzulegen und eine angemessene Refinanzierungsstruktur einzuhalten.

Das Departement Zentralbank bewirtschaftet die Liquiditätsreserve von Raiffeisen Schweiz, sichert der Gruppe den Zugang zum Geld- und Kapitalmarkt und stellt eine angemessene Diversifikation dieser Refinanzierungsquellen sicher. Zudem beurteilt es laufend die Entwicklung der Liquiditätssituation der Raiffeisen Gruppe unter Berücksichtigung der regulatorischen und ökonomischen Anforderungen und führt regelmässig Stresstests durch. Die unabhängige Überwachung der Liquiditätsrisiken erfolgt durch das Departement Risiko & Compliance.

Einschätzung zur Risikolage – Liquiditätsrisiken

Die Raiffeisen Gruppe zeichnet sich dank ihrem Fokus auf das inländische Spar- und Hypothekargeschäft durch eine robuste Liquiditätssituation aus. Aufgrund der geringen Abhängigkeit gegenüber Grosskunden und einer breiten Diversifikation gegenüber Privatkunden bestehen geringe Konzentrationen von Finanzierungsquellen. Die Refinanzierung der Kundenausleihungen erfolgt grösstenteils über Kundengelder (88,6 Prozent), zusätzlich über Pfandbriefdarlehen und eigene Anleihen. Der Geldmarkt dient ausschliesslich der taktischen Bewirtschaftung des Liquiditätspuffers. Damit wird eine grösstmögliche Immunisierung gegenüber Risiken am Geldmarkt erreicht.

Operationelle Risiken

Operationelle oder betriebliche Risiken entstehen sowohl als Folgerisiken von Bankgeschäften, welche die Raiffeisen Gruppe tätigt, als auch aufgrund ihrer Funktion als Arbeitgeberin und Eigentümerin oder Nutzerin von Immobilien. Tragbarkeits- und Kosten-Nutzen-Überlegungen entscheiden darüber, ob ein betriebliches Risiko vermieden, vermindert, transferiert oder selbst getragen wird. Diese Risiken werden in Bezug auf ihre erwartete Eintrittshäufigkeit und den Schweregrad der Auswirkungen beurteilt. Dabei werden neben finanziellen Auswirkungen auch Folgen bezüglich Compliance und Reputation berücksichtigt. Die Analyse der operationellen Risiken wird durch die Beurteilung der qualitativen Auswirkungen im Risikofall ergänzt.

Die Raiffeisen Gruppe führte wie jedes Jahr umfassende Assessments der operationellen Risiken durch. Die daraus gewonnenen Informationen sind in einem gruppenweiten Risikoregister dokumentiert. Dieses bildet die Grundlage der Überwachung und Steuerung des Gesamtprofils der operationellen Risiken.

Informationssicherheit

Informationssicherheit beschäftigt sich mit Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit von Daten und gewinnt zunehmend an Bedeutung. Im Vordergrund steht dabei die Bedrohung durch Cyberkriminelle. Andere Akteure, zu denen Staaten, politisch motivierte «Hacktivisten» und auch Mitarbeitende mit betrügerischen Absichten zählen, spielen eine vergleichsweise untergeordnete Rolle. Die Risiken der Informationssicherheit sind daher umfassend zu bewirtschaften. Basis dafür bildet die regelmässige Auswertung der Bedrohungslage. Darauf ausgerichtet werden angemessene und wirksame Massnahmen zum Schutz von Informationen und Infrastrukturen bereitgestellt. Dabei orientiert sich Raiffeisen an anerkannten Standards und etablierter Praxis. Der Wahrung der finanziellen Privatsphäre und dem Datenschutz wird ein hoher Stellenwert beigemessen.

Internes Kontrollsystem

Das interne Kontrollsystem (IKS) von Raiffeisen umfasst die Gesamtheit der Kontrollstrukturen und -prozesse, die dazu dienen, einen ordnungsgemässen Ablauf des betrieblichen Geschehens, die Einhaltung der gesetzlichen, regulatorischen und internen Vorschriften sowie die Vollständigkeit und Verlässlichkeit der Berichterstattung sicherzustellen.

Auf der Ebene des Kontrollumfeldes sind die Rahmenbedingungen festgelegt, die das Fundament des IKS bilden und die Funktionsfähigkeit des gruppenweiten IKS sicherstellen. Zu den Elementen des Kontrollumfeldes gehören unter anderem interne Regulatorien, unabhängige Kontrollinstanzen, Organigramme und Stellenprofile.

Auf Prozessebene erfolgt eine enge Verzahnung von Prozessen, Risiken und Kontrollen. Für jeden wesentlichen Prozess werden die operationellen Risiken erfasst, bewertet und darauf basierend die Schlüsselkontrollen definiert. Sämtliche Schlüsselkontrollen werden dokumentiert und in den Prozessen verankert. Neben den Schlüsselkontrollen existiert eine Vielzahl weiterer Massnahmen zur Risikoreduktion.

Die Raiffeisen Gruppe führt mindestens jährlich eine Beurteilung der Angemessenheit und Wirksamkeit des IKS durch. Die Umsetzung der daraus resultierenden Verbesserungsmassnahmen wird überwacht.

Die konsolidierte Berichterstattung zum IKS erfolgt im Rahmen des ordentlichen Risikoreports zuhanden der Geschäftsleitung und des Verwaltungsrats von Raiffeisen Schweiz und den Raiffeisenbanken.

Frühwarnsystem Raiffeisenbanken

Raiffeisen Schweiz betreibt ein Frühwarnsystem (FWS) mit dem Ziel, adverse Entwicklungen bei Raiffeisenbanken und Niederlassungen frühzeitig zu erkennen und Schadenfälle abzuwenden. Das Frühwarnsystem umfasst quantitative Risikoindikatoren zu den einzelnen Raiffeisenbanken und Niederlassungen sowie einen Ad-hoc-Meldeprozess zur Integration qualitativer Informationen. Frühwarnfälle werden analysiert und, wenn die Situation dies erfordert, unter aktiver Mitwirkung von Raiffeisen Schweiz bereinigt. Die Beurteilung und Überwachung der Frühwarnfälle erfolgt unabhängig durch das FWS-Koordinationsgremium.

Business Continuity Management

Raiffeisen hat im Rahmen des Business Continuity Managements (BCM) umfassende Massnahmen etabliert, um auch bei Ausfall kritischer Ressourcen (Personal, IT, Gebäude, Lieferanten) die Geschäftstätigkeit aufrechtzuerhalten. Verschiedene Strategieoptionen stehen den Fachbereichen zur Unterstützung der Funktionsfähigkeit kritischer Geschäftsprozesse zur Verfügung. Alle wesentlichen IT-Komponenten wurden redundant an verschiedenen Standorten auf- und ausgebaut.

Um mögliche Schäden zu minimieren und eine abgestimmte, effektive Reaktion der Geschäftsleitung zu ermöglichen, hat Raiffeisen in allen wichtigen Unternehmensteilen Krisenteams eingerichtet sowie Notfallpläne erarbeitet. Mit regelmässigen Tests und Übungen werden Aktualität und Funktionsfähigkeit der Pläne und Organisation geprüft. Der Krisenstab sowie die Organisation werden regelmässig zur Aufrechterhaltung der BCM-Fähigkeit entlang von verschiedenen Szenarien geschult und getestet.

Einschätzung zur Risikolage – operationelle Risiken

Insgesamt liegen die operationellen Risiken deutlich innerhalb des vom Verwaltungsrat definierten Risikobudgets. Das umfassende IKS stellt sicher, dass Verluste aufgrund operationeller Fehler tief bleiben.

Die Bedrohungslage der Cyber- und IT-Kriminalität ist generell angestiegen. Die Raiffeisen Gruppe hat auf die Bedrohungen reagiert und ein Cyber Security & Defence Center aufgebaut.

Mit der Migration auf das neue Kernbankensystem wurde das Risiko der ungenügenden Entwicklungsmöglichkeit der bisherigen Lösung eliminiert.

Im vergangenen Jahr waren einzelne Kunden von einem Fehlversand von Bankdokumenten betroffen. Die aus dem Vorfall abgeleiteten Massnahmen wurden umgesetzt. Ansonsten sind keine gravierenden Verletzungen in Bezug auf den Schutz der Privatsphäre des Kunden und des Datenschutzes identifiziert worden.

Rechts- und Compliance-Risiken

Das Departement Risiko & Compliance rapportiert die wesentlichen Compliance-Risiken quartalsweise und die Rechtsrisiken halbjährlich der Geschäftsleitung und dem Prüf- sowie dem Risikoausschuss des Verwaltungsrats von Raiffeisen Schweiz. In diesem Reporting ist auch eine Übersicht über die Rechts- und Compliance-Risiken der ARIZON Sourcing AG enthalten.

Einmal jährlich werden diese Risiken zusammen mit dem aktualisierten Compliance-Risikoprofil und dem daraus abgeleiteten risikoorientierten Tätigkeitsplan gemäss FINMA-Rundschreiben 2017/1 dem Verwaltungsrat vorgelegt.

Rechtliche Risiken

Das Departement Risiko & Compliance von Raiffeisen Schweiz unterstützt alle Einheiten der Raiffeisen Gruppe in rechtlichen Fragen, stellt auf allen Stufen eine angemessene regulatorische Kompetenz sicher und bewirtschaftet aktiv die rechtlichen Risiken. Dazu zählen auch die vertraglichen Risiken. Bei Bedarf koordiniert Risiko & Compliance die Zusammenarbeit mit externen Anwältinnen und Anwälten.

Compliance-Risiken

Unter dem Begriff Compliance wird die Beachtung aller massgeblichen gesetzlichen, aufsichts- und standesrechtlichen Bestimmungen sowie internen Vorgaben verstanden, um rechtliche und rufschädigende Risiken frühzeitig zu erkennen, zu vermeiden und eine einwandfreie Geschäftsführung sicherzustellen. Das Compliance-Verständnis von Raiffeisen basiert auf einem umfassenden Ansatz.

Obwohl Raiffeisen fast ausschliesslich im Inland tätig ist, muss sie die regulatorischen Vorgaben beim Erbringen von grenzüberschreitenden Finanzdienstleistungen (Crossborder-Geschäft) und bei internationalen und nationalen Steuerfragen (Tax Compliance) erfüllen. Der Schwerpunkt liegt auf folgenden Tätigkeiten und Themen:

  • Raiffeisen überwacht und analysiert die gesamten relevanten Rechtsentwicklungen (Regulatory Monitoring) und wirkt in den jeweiligen Kommissionen und Arbeitsgruppen der Institutionen des Finanzplatzes Schweiz mit.
  • Raiffeisen misst der Einhaltung des «Know your Customer»-Prinzips aufgrund des genossenschaftlichen Geschäftsmodells und der damit verbundenen Kundennähe traditionell eine sehr hohe Bedeutung bei. Dieses Prinzip wird durch die Bestimmungen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und der Terrorismusfinanzierung verstärkt und konkretisiert.
  • Entwicklungen im Crossborder-Geschäft werden laufend überwacht und analysiert. Dabei verfolgt Raiffeisen konsequent den Ansatz der passiven Dienstleistungserbringung. Dieser verlangt, dass einerseits alle Aktivitäten vom Kunden ausgehen und andererseits alle rechtlich relevanten Handlungen innerhalb der Schweiz vollzogen werden. Raiffeisenbanken und Niederlassungen ist es untersagt, Aktivitäten im Ausland auszuüben; insbesondere sind kundenbezogene Reisen ins Ausland verboten.
  • Raiffeisen verfolgt eine konsequente Steuerkonformitätsstrategie.
  • Marktverhaltensregeln sowie die daraus resultierenden Sorgfalts- und Beratungspflichten werden eingehalten.
  • Daten werden geschützt und das Bankkundengeheimnis wird gewährleistet.
  • Raiffeisen steht zu fairem Wettbewerb und lässt sich in ihrem Handeln von hohen ethischen Grundsätzen leiten.

Die Raiffeisen Gruppe investierte im Berichtsjahr stark in die Implementierung der Vorgaben des Finanzmarktinfrastrukturgesetzes (FinfraG), des Finanzdienstleistungsgesetzes (FIDLEG), die Umsetzung der geänderten Geldwäschereiabwehrbestimmungen und des Datenschutzgesetzes (DSG) sowie die Einhaltung der US-Vorschriften zum Foreign Account Tax Compliance Act (FATCA), der Qualified Intermediary-Vorgaben (QI) und der Umsetzungsarbeiten für den automatischen Informationsaustausch (AIA).

Als Mitglied der Interessengemeinschaft Koordination Inlandbanken (KIB) bringt sich Raiffeisen Schweiz insbesondere in den beiden Themen Finanzdienstleistungsgesetz (FIDLEG) sowie Optimierung der Verrechnungssteuer (Wechsel hin zum Zahlstellenprinzip) ein. Zudem wurde die Governance-Struktur überprüft und optimiert.

Die Raiffeisen Gruppe ist bestrebt, durch ein aktives Monitoring der rechtlichen Vorgaben sowie eine zeitgerechte Umsetzung in den internen Vorgaben und Abläufen das Eingehen von Compliance-Risiken zu vermeiden. Bei Bedarf werden die Massnahmen mit modernen IT-Mitteln unterstützt. Zudem tätigen die diversen Compliance-Teams – im Sinne eines Blended-Learning-Ansatzes – substanzielle Investitionen in die Ausbildung und Sensibilisierung der Mitarbeitenden und Organe auf allen Stufen.

Einschätzung zur Risikolage – Rechts- und Compliance-Risiken

Die Risikosituation hat sich im Jahr 2018 aufgrund des hohen Regulierungsdrucks und der stärkeren Wahrnehmung von Verstössen bzw. Fehlverhalten in der Öffentlichkeit akzentuiert. Die Raiffeisen Gruppe begegnet diesen Risiken durch proaktives Monitoring der Rechtsentwicklungen, Implementierung geschärfter Vorgaben, einer regelmässigen Schulung der Mitarbeitenden sowie mit Führung und Kontrolle.