Vorwort

Guy Lachappelle, Präsident des Verwaltungsrats, Raiffeisen Schweiz

Heinz Huber, Vorsitzender der Geschäftsleitung, Raiffeisen Schweiz

Für die Raiffeisen Gruppe war das vergangene Jahr in vielerlei Hinsicht anspruchsvoll. Das Strafverfahren gegen den früheren Vorsitzenden der Geschäftsleitung von Raiffeisen Schweiz, Dr. Pierin Vincenz, und das FINMA-Enforcement-Verfahren gegen Raiffeisen Schweiz sorgten für hohe Aufmerksamkeit. Beide Verfahren haben sich negativ auf die Reputation der ganzen Gruppe ausgewirkt – und einen Erneuerungsprozess ausgelöst. Wir schauen auf ein intensives, aber operativ sehr erfolgreiches Jahr zurück.

2018 war aber auch das Jahr des Neuanfangs. Raiffeisen Schweiz hat mit einer unabhängigen Untersuchung, einer Entflechtung der Beteiligungsverhältnisse sowie einer personellen Erneuerung der Bankspitze den Grundstein für die Weiterentwicklung gelegt.

Aufarbeitung der Vergangenheit: Im Jahr 2018 wurde eine unabhängige Untersuchung unter der Leitung von Prof. Dr. Bruno Gehrig lanciert – und abgeschlossen. Die Untersuchung ergab, dass es hauptsächlich in den Jahren 2012 bis 2015 im Rahmen der Diversifikationsstrategie zu Mängeln in der Akquisition und dem Management von Beteiligungen gekommen ist. Um die Fehler der Vergangenheit zu korrigieren und sich gleichzeitig den komplexer werdenden Anforderungen des Bankgeschäftes zu stellen, hat der Verwaltungsrat von Raiffeisen Schweiz ein umfassendes Massnahmenpaket lanciert. Dazu gehören die Förderung einer ausgeprägten Verantwortungskultur, eine verbesserte Führung und Kontrolle sowie eine optimierte Governance. Zusätzlich hat Raiffeisen Schweiz mit Hochdruck an der Umsetzung diverser Massnahmen gearbeitet, mit denen die von der FINMA konstatierten Mängel in der Corporate Governance beseitigt werden.

Umfassende Entflechtung: Mit der konsequenten Entflechtungsstrategie verfolgt Raiffeisen das Ziel, die Beteiligungsverhältnisse zu vereinfachen und potenzielle Interessenkonflikte zu reduzieren.

Das Wachstum im Anlagegeschäft von Raiffeisen hat sich in den letzten Jahren deutlich beschleunigt. Die Raiffeisen Gruppe hat bewiesen, dass sie das Anlagegeschäft aus eigener Kraft erfolgreich weiterentwickeln kann, weshalb sich Raiffeisen entschieden hat, das Geschäftssegment Anlagekunden neu auszurichten und die Notenstein La Roche Privatbank AG an die Bank Vontobel AG zu verkaufen. Der Verkauf wurde am 2. Juli 2018 erfolgreich vollzogen.

Erneuerung der Organe: Raiffeisen Schweiz hat den Verwaltungsrat erneuert und den Erneuerungsprozess in der Geschäftsleitung eingeleitet. Die Delegierten von Raiffeisen Schweiz gaben an ihrer Versammlung am 16. Juni 2018 den Anstoss zur Erneuerung des Verwaltungsrats mit der Wahl von zwei neuen Mitgliedern. An der ausserordentlichen Delegiertenversammlung am 10. November 2018 wurden weitere vier neue Mitglieder und mit Guy Lachappelle ein neuer Verwaltungsratspräsident von Raiffeisen Schweiz gewählt. In neuer Zusammensetzung ernannte der Verwaltungsrat Heinz Huber zum neuen Vorsitzenden der Geschäftsleitung – er hat seine Position am 7. Januar 2019 angetreten.

Im vierten Quartal wurde eine Standortbestimmung mit den Eigentümerinnen vorgenommen – und damit der Weg zu einer besseren Zusammenarbeit in der Gruppe vorbereitet. Die Reformbestrebungen der Gruppe wurden im gemeinsamen Programm «Reform 21» gebündelt, das in einem partizipativen Prozess zwischen den Raiffeisenbanken und Raiffeisen Schweiz erarbeitet wird.

Ein intensiver Dialog hat die Genossenschaftskultur seit jeher ausgezeichnet – sei es innerhalb der Gruppe oder mit unseren Kunden und weiteren Anspruchsgruppen.

Der Dialog mit den Kunden vor Ort ermöglicht nicht nur die finanzielle Beratung in allen Lebenslagen, er schafft auch Vertrauen. Dies widerspiegelt sich in den Zahlen: Die Kundinnen und Kunden haben den Raiffeisenbanken im vergangenen Jahr die Treue gehalten. Die Kundeneinlagen haben 2018 weiter zugenommen.

Erfreulich ist auch die Entwicklung im Hypothekargeschäft, das sich äusserst erfolgreich und solide zeigt. Das operativ sehr gute Ergebnis der Raiffeisenbanken ist einzig getrübt durch Sondereffekte bei Raiffeisen Schweiz. Die nachhaltige Ertragskraft sowie die überdurchschnittliche Eigenmittelquote der Raiffeisen Gruppe bleiben erhalten und Raiffeisen ist nach wie vor eine sehr gut kapitalisierte Bank. Zusätzliche Sicherheit für unsere Kundschaft bieten das Raiffeisen-Geschäftsmodell, die Geschäftspolitik sowie die Möglichkeit der Mitbestimmung als Genossenschaftsmitglied.

Für die Zukunftsfähigkeit der Gruppe wurde 2018 ein weiterer Meilenstein erreicht: Seit Anfang Januar 2019 arbeiten alle 246 Raiffeisenbanken auf einer modernen IT-Plattform. Mit dem neuen Kernbankensystem wurde in der Raiffeisen Gruppe die Basis für agiles und kundenfreundliches Banking gelegt.

Unser Wille zur Veränderung ist gross. Nur wenn sich unsere Gruppe laufend weiterentwickelt und an die stetig verändernden Rahmenbedingungen anpasst, können wir sie auch morgen erfolgreich führen und mit dem Genossenschaftsgedanken die Bankenlandschaft der Schweiz bereichern.

Bauen wir den Dialog aus, machen wir ihn verbindlich. Es ist der Dialog auf Augenhöhe mit einem geschätzten Partner, der eine gute Bank zur bevorzugten Bank macht.

Unternehmertum vor Ort, ein umfassendes Angebot, und vor allem Kundennähe – diese Eigenschaften haben Raiffeisen gross gemacht. Unsere Herkunft zeigt uns den Weg in die Zukunft.

Guy Lachappelle
Präsident des Verwaltungsrats
Raiffeisen Schweiz

Heinz Huber 
Vorsitzender der Geschäftsleitung
Raiffeisen Schweiz