Jahresabschluss

Anhang zur konsolidierten Jahresrechnung

Firma, Rechtsform, Sitz

Die Raiffeisen Gruppe ist eine Bankengruppe ohne eigene Rechtspersönlichkeit. Sie umfasst 225 eigenständige Raiffeisenbanken in der Rechtsform einer Genossenschaft sowie Raiffeisen Schweiz mit Sitz in St.Gallen und die dazugehörenden Gruppengesellschaften.

Erläuterungen zum Risikomanagement

Die Raiffeisenbanken und Raiffeisen Schweiz bilden eine Risikogemeinschaft.

Risikopolitik

Grundlage für das Risikomanagement bilden die gesetzlichen Vorschriften, das Reglement «Risikopolitik für die Raiffeisen Gruppe» (abgekürzt: Risikopolitik) sowie das Rahmenwerk und die Rahmenkonzepte für das institutsweite Risikomanagement. Die Risikopolitik, das Rahmenwerk sowie die Rahmenkonzepte werden jährlich auf ihre Aktualität überprüft. Die Raiffeisen Gruppe betrachtet das Eingehen von Risiken als eine ihrer zentralen Kompetenzen. Sie geht Risiken nur im vollen Bewusstsein über deren Grösse und Dynamik ein und nur, wenn die systemtechnischen und personellen Voraussetzungen erfüllt sind. Ziele der Risikopolitik sind die Begrenzung negativer Auswirkungen von Risiken auf die Erträge, der Schutz der Raiffeisen Gruppe vor hohen, ausserordentlichen Verlusten sowie die Wahrung und Förderung des guten Rufs. Das Risikomanagement der Raiffeisen Gruppe ist nach dem «Three Lines of Defence»-Prinzip organisiert: Die Risikobewirtschaftung erfolgt durch die verantwortlichen risikobewirtschaftenden Geschäftseinheiten (First Line). Das Departement Risiko & Compliance stellt die Einhaltung und Durchsetzung der Risikopolitik und der regulatorischen Vorgaben sicher (Second Line). Die Interne Revision gewährleistet die unabhängige Überprüfung des Risikomanagement-Frameworks (Third Line).

Risikokontrolle

Die Raiffeisen Gruppe begrenzt und überwacht die wesentlichen Risikokategorien durch Risikovorgaben. Für quantifizierbare Risiken kommen entsprechende Limiten zum Einsatz. Risiken, die sich nicht verlässlich quantifizieren lassen, werden durch qualitative Vorgaben begrenzt.
Das Departement Risiko & Compliance von Raiffeisen Schweiz ist für die unabhängige Überwachung der Risiken verantwortlich. Diese erfolgt insbesondere durch Überwachung der von Verwaltungsrat und Geschäftsleitung ausgesetzten Limiten. Zudem beurteilt das Departement Risiko & Compliance im Rahmen der Berichterstattung regelmässig die Risikolage.
Die Überwachung der Tochtergesellschaften ist auf die entsprechenden Risikoprofile abgestimmt. Diese werden periodisch überprüft. Die auferlegten Mindestvorgaben im Risikomanagement werden durch Raiffeisen Schweiz überwacht. Es erfolgt ein periodischer Austausch mit dem Risikokontrollverantwortlichen.
Raiffeisen führt verschiedene regelmässige Stresstests durch, um die Auswirkungen von adversen Szenarien auf die Widerstandsfähigkeit der Bank zu analysieren. Dabei wird der Einfluss auf wichtige Zielgrössen wie bspw. den Gewinn, die Kapitalanforderungen oder die Liquidität untersucht. Durchgeführt werden die Stresstestanalysen auf Gesamtbankebene oder auf Ebene bestimmter Teilportfolios beziehungsweise Risikokategorien. Als systemrelevante Bank führt Raiffeisen im Rahmen des Stabilisierungs- beziehungsweise Notfallplans zudem Reverse-Stresstests durch.
Die Durchführung von Stresstests ist ein integraler Bestandteil der Risikoüberwachung bei Raiffeisen. Der Verwaltungsrat von Raiffeisen Schweiz legt die Risikobereitschaft auf Basis des Stresstests auf Gruppenebene fest.

Risikomanagementprozess

Der Risikomanagementprozess gilt für sämtliche Risikokategorien, das heisst für Kreditrisiken, Marktrisiken, Liquiditätsrisiken und operationelle Risiken. Er beinhaltet folgende Elemente:
  • Identifkation der Risiken
  • Messung und Bewertung der Risiken
  • Bewirtschaftung der Risiken
  • Überwachung und Berichterstattung der Risiken
Ziel des Risikomanagements der Raiffeisen Gruppe ist es:
  • eine wirksame Kontrolle auf allen Stufen zu gewährleisten und sicherzustellen, dass Risiken nur im Rahmen der Risikobereitschaft und -toleranz eingegangen werden;
  • die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass Risiken bewusst, gezielt und kontrolliert eingegangen und systematisch bewirtschaftet werden;
  • die Risikobereitschaft optimal zu nutzen, das heisst sicherzustellen, dass Risiken nur eingegangen werden, wenn ihnen angemessene Erträge gegenüberstehen.

Kreditrisiken

Die Geschäftseinheiten der Raiffeisenbanken und von Raiffeisen Schweiz bewirtschaften ihre Kreditrisiken jeweils selbstständig, jedoch nach gruppenweiten Standards.
Kreditrisiken werden in der Risikopolitik als die Gefahr von Verlusten definiert, die entstehen, wenn Kunden oder andere Gegenparteien ihre vertraglich vereinbarten Zahlungen nicht im erwarteten Mass leisten. Sie bestehen sowohl bei Ausleihungen, unwiderruflichen Kreditzusagen und Eventualverpflichtungen, bei Handelsprodukten wie OTC-Derivatkontrakten sowie auch bei langfristigen Beteiligungspositionen.
Die Raiffeisen Gruppe identifiziert, bewertet, bewirtschaftet und überwacht folgende Risikoarten im Kreditgeschäft:
  • Gegenparteirisiken
  • Sicherheitenrisiken
  • Konzentrationsrisiken
  • Länderrisiken
Gegenparteirisiken ergeben sich aus dem Ausfall eines Schuldners oder einer Gegenpartei. Ein Schuldner oder eine Gegenpartei gilt als ausgefallen, wenn ihre Forderung überfällig oder gefährdet ist.
Sicherheitenrisiken beschreiben die Gefährdung der Werthaltigkeit der Sicherheit.

Konzentrationsrisiken in Kreditportfolios entstehen aus einer ungleichen Verteilung von Kreditforderungen, die gegenüber einzelnen Kreditnehmern, Branchen, Regionen, Ratingklassen und Sicherheiten auftreten.

Länderrisiken stellen das Risiko eines Verlusts aufgrund länderspezifischer Ereignisse dar.
Das Kerngeschäft der Raiffeisen Gruppe ist das Retail Banking in der Schweiz. Hauptbestandteil sind Finanzierungen von grundpfandgesicherten Krediten.
Bei den einzelnen Raiffeisenbanken fallen hauptsächlich Gegenpartei-, Sicherheiten- und Konzentrationsrisiken an. Dabei handelt es sich mehrheitlich um Kredite, die Privat- beziehungsweise Firmenkunden gewährt werden. Bei den Firmenkunden handelt es sich vor allem um kleine und mittlere Unternehmen, die im Geschäftskreis der Raiffeisenbanken tätig sind. Kreditrisiken werden vor allem durch Sicherstellung der Forderungen begrenzt. Dessen ungeachtet sind Kreditwürdigkeit und Kreditfähigkeit zentrale Voraussetzungen für die Kreditgewährung. Im Blankogeschäft bei Firmenkunden sind die Raiffeisenbanken in der Aufnahme von Kreditrisiken eingeschränkt; Blankokredite an Privatkunden sind grundsätzlich ausgeschlossen und bedürfen einer Genehmigung von Raiffeisen Schweiz. Blankokredite an Firmenkunden über einem definierten Betrag müssen durch Raiffeisen Schweiz bewilligt und abgesichert werden.
Bei den Niederlassungen fallen, analog zu den Raiffeisenbanken, vor allem Gegenpartei-, Sicherheiten- und Konzentrationsrisiken an. Die Niederlassungen von Raiffeisen Schweiz gewähren Kredite an Privat- und Firmenkunden.
Grössere Kredite an Firmenkunden werden primär durch das Departement Firmenkunden & Niederlassungen von Raiffeisen Schweiz betreut. Konzentrationsrisiken im Rahmen des Kreditprozesses werden überprüft und gewürdigt.
Das Departement Treasury & Markets von Raiffeisen Schweiz geht im Rahmen seiner gruppenweiten Aufgaben Gegenparteirisiken bei in- und ausländischen Gegenparteien ein. Diese entstehen unter anderem bei Refinanzierungen am Geld- und Kapitalmarkt, bei Absicherungen von Devisen- und Zinsänderungsrisiken oder im Eigenhandel. Ausländische Engagements dürfen grundsätzlich nur eingegangen werden, wenn eine Länderlimite bewilligt und ausgesetzt ist.
Auslandengagements von Raiffeisen Schweiz dürfen gemäss Statuten risikogewichtet fünf Prozent der konsolidierten Bilanzsumme der Raiffeisen Gruppe nicht überschreiten.
Für die Bewilligung und Überwachung von Geschäften mit Geschäftsbanken werden interne und externe Ratings herangezogen. Ausserbilanzgeschäfte und derivative Finanzinstrumente werden in ihr jeweiliges Kreditäquivalent umgerechnet. Bei derivativen Finanzinstrumenten kommt dabei der Standardansatz für die Kreditäquivalente von Derivaten SA-CCR zur Anwendung. Raiffeisen Schweiz hat mit den Gegenparteien von Treasury & Markets, mit welchen OTC-Derivatgeschäfte abgeschlossen werden, einen Rahmenvertrag für OTC-Derivatgeschäfte (Schweizer Rahmenvertrag oder ISDA) sowie, abhängig von der Gegenpartei, einen Besicherungsanhang für Nachschusszahlungen (Variation Margin) abgeschlossen. Der Austausch von Sicherheiten erfolgt, indem das täglich berechnete Margenerfordernis überwiesen wird. Diese OTC-Engagements werden unter Berücksichtigung der ausgetauschten Sicherheiten überwacht.
Raiffeisen Schweiz hat sich im Rahmen von strategischen Kooperationspartnerschaften an anderen Unternehmen beteiligt. Detaillierte Angaben sind in den Informationen zur Bilanz im Anhang 7 ersichtlich.
Für die Beurteilung der Kreditwürdigkeit und der Kreditfähigkeit bestehen gruppenweit verbindliche Standards. Voraussetzungen für jede Kreditbewilligung sind die positiv beurteilte Kreditwürdigkeit und die ausgewiesene Tragbarkeit der Finanzierung. Ausleihungen an Privatpersonen, juristische Personen und Renditeobjektfinanzierungen werden mittels intern entwickelter Ratingmodelle klassiert und aufbauend darauf risikoorientiert überwacht. Die Kundenbonität wird in elf Risiko- und zwei Defaultklassen aufgeteilt.
Für die wesentlichen Aspekte des Kreditrisikomanagements, das heisst risikogerechtes Pricing, Portfoliomanagement, Identifikation und Bildung von Einzelwertberichtigungen, steht ein bewährtes Instrumentarium zur Verfügung. Für komplexe Finanzierungen und für die Bewirtschaftung von Recovery-Positionen stehen bei Raiffeisen Schweiz Spezialistenteams zur Verfügung.
Zur Bewertung der Sicherheiten für Kredite, insbesondere für die Ermittlung der Verkehrs- und Belehnungswerte, bestehen umfangreiche interne Regelwerke, welche die entsprechenden Methoden, das Vorgehen und die Kompetenzen vorschreiben. Die Regelwerke werden kontinuierlich überprüft und den regulatorischen Vorgaben sowie den Marktveränderungen angepasst. Für die Bewertung von Grundpfandsicherheiten verwendet die Bank auf die Objektart abgestimmte und anerkannte Schätzmethoden. So kommen unter anderem hedonische Modelle, Ertragswertverfahren und Expertenschätzungen zum Einsatz. Sowohl die verwendeten Modelle als auch die einzelnen Bewertungen werden regelmässig überprüft. Die maximale Belehnungshöhe von Grundpfandobjekten richtet sich nach der Verwertbarkeit der Sicherheit beziehungsweise wird durch die Nutzungsart beeinflusst.
Raiffeisen analysiert die Kreditpositionen fristen- und/oder ereignisorientiert in Bezug auf Ausfallrisiken und bildet wo nötig entsprechende Wertberichtigungen und/oder Rückstellungen. Die Bank betrachtet Kreditforderungen als gefährdet, wenn es unwahrscheinlich ist, dass der Schuldner seinen zukünftigen Verpflichtungen nachkommen kann oder die Werthaltigkeit der Forderung nicht mehr gegeben ist, spätestens jedoch, wenn die vertraglich festgesetzten Amortisationen, Zins- oder Kommissionszahlungen mehr als 90 Tage ausstehend sind. Die entsprechenden Zinsen und Kommissionen werden vollständig zurückgestellt.
Raiffeisen Schweiz überwacht, kontrolliert und steuert Konzentrationen von Risiken in der Gruppe, insbesondere für einzelne Gegenparteien und für Gruppen verbundener Gegenparteien sowie für Branchen und Sicherheiten. Der Prozess zur Erkennung und Zusammenführung verbundener Gegenparteien ist über die gesamte Raiffeisen Gruppe weitgehend automatisiert. Raiffeisen Schweiz überwacht das Kreditportfolio gruppenweit und wertet die Portfoliostruktur aus. Ein periodisch erstellter Kreditportfolioreport informiert die zuständigen Organe über das wirtschaftliche Umfeld, die Struktur des Kreditportfolios, die Risikolage sowie die Entwicklungen in der Berichtsperiode.
Zur Überwachung der Portfoliostruktur wird die Verteilung des Portfolios nach einer Vielzahl von Strukturmerkmalen analysiert. Dazu gehören unter anderem Schuldnerkategorie, Kreditart, Kreditgrösse, Rating, Branche, Besicherung, geografische Merkmale oder Wertberichtigungen. Die Geschäftsleitung und der Verwaltungsrat von Raiffeisen Schweiz werden anhand eines Risikoreports quartalsweise über die Risikolage, die Risikoexposition, die Auslastung von Limiten und die Entwicklung der «Exceptions to policy»-Kreditfälle orientiert. Neben dem ordentlichen Kreditportfolioreporting führt der Bereich Risk Control von Raiffeisen Schweiz bei Bedarf auch Ad-hoc-Auswertungen durch. Überwachung und Berichtswesen bilden die Grundlage für Massnahmen zur Portfoliosteuerung. Im Zentrum steht dabei die Neugeschäftssteuerung mittels Kreditpolitik.
Die Überwachung der Klumpenrisiken wird zentral durch das Departement Risiko & Compliance von Raiffeisen Schweiz wahrgenommen. Per 31. Dezember 2020 bestanden bei der Raiffeisen Gruppe zwei meldepflichtige Klumpenrisiken mit einer Gesamtposition (nach Risikominderung und nach Risikogewichtung) von 38,5 Milliarden Franken. Es handelt sich dabei um die Schweizerische Nationalbank und die Schweizerische Eidgenossenschaft, die von der Einhaltung der gesetzlichen Obergrenze befreit sind.
Für die regulatorische Meldung der 20 grössten Gesamtpositionen der Raiffeisen Gruppe waren aufgrund des vorgegebenen Schwellenwertes (2 Prozent der Kapitalbemessungsgrundlage) zwei Gegenparteien mit einer kumulierten Gesamtposition (nach Risikominderung und nach Risikogewichtung) von insgesamt 1,2Milliarden Franken meldepflichtig.

Marktrisiken

Bankenbuch

Zinsänderungsrisiko: Aufgrund der unterschiedlichen Zinsbindung der Aktiva und Passiva können Marktzinsänderungen einen beträchtlichen Einfluss auf den Zinserfolg und den Gewinn und Verlust der Raiffeisen Gruppe ausüben. Zur Beurteilung der eingegangenen Zinsrisiken auf den Barwert des Eigenkapitals werden die Zinssensitivität in verschiedenen Zinsschockszenarien sowie der Value at Risk berechnet. Die Auswirkungen auf die Ertragslage werden mittels dynamischer Einkommenssimulationen beurteilt. Für die barwertige Risikomessung werden alle bilanziellen und ausserbilanziellen Positionen entsprechend ihrer vertraglich vereinbarten Laufzeit in einer Zinsbindungsbilanz zusammengefasst. Dabei werden Kredite und Einlagen mit unbestimmter Zins- und Kapitalbindung auf Basis historischer Daten und zukunftsgerichteter Szenarien modelliert. Diese Modelle werden mindestens jährlich überprüft (Backtesting) und regelmässig unabhängig validiert. Für vorzeitige Kreditrückzahlungen werden keine spezifischen Annahmen getroffen, weil in der Regel Vorfälligkeitsentschädigungen erhoben werden.
Die Bewirtschaftung der Zinsänderungsrisiken erfolgt dezentral in den verantwortlichen Geschäftseinheiten, wobei die jeweiligen Verantwortlichen die von Verwaltungsrat und Geschäftsleitung gesetzten Limiten strikt zu beachten haben. Die Absicherung von Zinsrisiken erfolgt über etablierte Instrumente. Das Departement Treasury & Markets von Raiffeisen Schweiz ist dabei die gruppenweit verbindliche Gegenpartei für Refinanzierungs- und Absicherungsgeschäfte. Das Departement Risiko & Compliance überwacht und rapportiert quartalsweise die Einhaltung der Zinsrisikolimiten und beurteilt die Risikolage der Raiffeisen Gruppe. Für einzelne Einheiten erfolgt die Überwachung und Berichterstattung in höherer Frequenz.
Andere Marktrisiken: Da Aktiven in einer Fremdwährung grundsätzlich in derselben Währung refinanziert werden, können Fremdwährungsrisiken seitens der Raiffeisenbanken grösstenteils vermieden werden.
Die Bewirtschaftung des Finanzanlagenportfolios wird durch das Departement Treasury & Markets von Raiffeisen Schweiz wahrgenommen. Die Finanzanlagen sind Bestandteil der Liquiditätsreserve der Raiffeisen Gruppe und sind zum grössten Teil festverzinsliche Wertschriften von höchster Qualität, welche die Anforderungen an hochliquide Aktiven (HQLA) gemäss Liquiditätsvorschriften erfüllen. Die Zinsänderungs- und Fremdwährungsrisiken der Finanzanlagen werden durch das Departement Risiko & Compliance von Raiffeisen Schweiz überwacht.

Handelsbuch

Die Steuerung des Handelsbuchs der Raiffeisen Schweiz obliegt dem Departement Treasury & Markets. Die Raiffeisenbanken und die Niederlassungen von Raiffeisen Schweiz führen keine Handelsbücher. Die Handelstätigkeit umfasst die Bereiche Zinsen, Devisen, Aktien und Noten/Edelmetalle. Dabei sind die von Verwaltungsrat und Geschäftsleitung gesetzten Value-at-Risk-, Szenario-, Positions- und Verlustlimiten strikt zu beachten, deren Einhaltung täglich durch das Departement Risiko & Compliance überwacht wird. Zusätzlich plausibilisiert das Departement Risiko & Compliance täglich die Bewertungsparameter, auf deren Grundlage die Gewinn- und Verlustrechnung des Handels produziert wird.
Die Berichterstattung im Hinblick auf die Einhaltung der Value-at-Risk-, Szenario-, Positions- und Verlustlimiten sowie die Einschätzung der Risikolage durch das Departement Risiko & Compliance erfolgen vor allem über folgende Berichte:
  • Täglicher Limitenreport Handel zuhanden der verantwortlichen Geschäftsleitungsmitglieder von Raiffeisen Schweiz

  • Wöchentlicher Markt- und Liquiditätsrisikoreport Raiffeisen Schweiz zuhanden der verantwortlichen Geschäftsleitungsmitglieder von Raiffeisen Schweiz

  • Monatlicher Risikoreport zuhanden der Geschäftsleitung von Raiffeisen Schweiz

  • Quartalsweiser Risikoreport zuhanden des Verwaltungsrats von Raiffeisen Schweiz

Überschreitungen der von Verwaltungsrat und Geschäftsleitung ausgesetzten Marktrisikolimiten werden vom Departement Risiko & Compliance ad hoc und im Rahmen der jeweiligen Risikoberichte kommuniziert.

Liquiditätsrisiken

Die Liquiditätsrisiken werden nach gesetzlichen und regulatorischen Auflagen und betriebswirtschaftlichen Kriterien für die Raiffeisen Gruppe zentral durch das Treasury (Departement Treasury & Markets) von Raiffeisen Schweiz bewirtschaftet und durch das Departement Risiko & Compliance von Raiffeisen Schweiz überwacht. Im Rahmen der Bewirtschaftung werden insbesondere Liquiditätszuflüsse und -abflüsse vor dem Hintergrund gruppenweiter Szenarien über unterschiedliche Betrachtungshorizonte simuliert. Diese Szenarien umfassen die Auswirkungen sowohl von raiffeisenspezifischen als auch von marktweiten Liquiditätsschocks.
Basis für die Überwachung bilden die gesetzlichen Mindesterfordernisse sowie die vom Verwaltungsrat gesetzten Limiten und interne Stressszenarien.

Operationelle Risiken

Unter operationellen Risiken versteht Raiffeisen die Gefahr von Verlusten, die infolge der Unangemessenheit oder des Versagens von internen Verfahren, Menschen oder Systemen oder infolge von externen Ereignissen eintreten. Darunter fallen auch die Risiken in Bezug auf Cyberangriffe und Informationssicherheit generell. Neben den finanziellen Auswirkungen werden auch die Folgen für Reputation und Compliance berücksichtigt.
Die Risikobereitschaft und -toleranz für operationelle Risiken auf Gruppenstufe wird mittels Value-at-Risk-Limite beziehungsweise über Limitierungen von Schäden und Eintrittshäufigkeiten definiert. Die Genehmigung der Risikobereitschaft und -toleranz erfolgt jährlich durch den Verwaltungsrat von Raiffeisen Schweiz. Die Einhaltung der Risikotoleranz wird durch das Departement Risiko & Compliance von Raiffeisen Schweiz überwacht. Bei einer Verletzung der definierten Limite beziehungsweise eines Schwellenwertes werden Massnahmen definiert und umgesetzt.
Jede Funktion innerhalb der Raiffeisen Gruppe ist verantwortlich für die Identifikation, Bewertung, Bewirtschaftung und Überwachung des operationellen Risikos, welches im Rahmen ihrer eigenen Tätigkeit entsteht. Das Departement Risiko & Compliance verantwortet das gruppenweite Register operationeller Risiken sowie die Analyse und Auswertung operationeller Risikodaten. Die Risikoidentifikation wird ergänzend durch eine Sammlung und Auswertung operationeller Ereignisse unterstützt. Zudem verantwortet das Departement Risiko & Compliance die Konzepte, Methoden und Instrumente für das Management operationeller Risiken und überwacht die Risikolage. Anlässlich spezifischer Risk Assessments werden die operationellen Risiken erhoben, nach Ursachen- und Auswirkungsklassen kategorisiert und nach Eintrittshäufigkeit und Schadensausmass bewertet. Das Risikoregister wird dynamisch nachgeführt. Für die Risikoreduktion werden Massnahmen definiert, deren Umsetzung durch die Linienstellen überwacht wird. Für geschäftskritische Prozesse werden mittels Notfall- und Katastrophenplanung Vorkehrungen getroffen.
Die Ergebnisse der Risk Assessments, Key Risk Indicators (KRIs), wesentliche interne operationelle Risikoereignisse sowie relevante externe Ereignisse werden der Geschäftsleitung und dem Verwaltungsrat von Raiffeisen Schweiz quartalsweise rapportiert. Im Falle einer Value-at-Risk-Limitenverletzung wird an den Verwaltungsrat von Raiffeisen Schweiz eskaliert.
Neben dem ordentlichen Risikomanagementprozess führt das Departement Risiko & Compliance bei Bedarf Ad-hoc-Risikoanalysen durch, analysiert eingetretene Schadensfälle und pflegt einen engen Austausch mit anderen Organisationseinheiten, die aufgrund ihrer Funktion an Informationen über operationelle Risiken innerhalb der Raiffeisen Gruppe gelangen.
Die Raiffeisenbanken führen mindestens jährlich eine Analyse der operationellen Risikolage mittels Assessments durch. Diese Analysen werden durch den Verwaltungsrat jeder Bank freigegeben und an das Departement Risiko & Compliance weitergeleitet.
Das Departement Risiko & Compliance rapportiert zudem die wesentlichen Compliance-Risiken quartalsweise und die Rechtsrisiken halbjährlich der Geschäftsleitung und dem Risikoausschuss von Raiffeisen Schweiz. Einmal jährlich werden diese Risiken zusammen mit dem aktualisierten Compliance-Risikoprofil und dem daraus abgeleiteten risikoorientierten Tätigkeitsplan gemäss FINMA-Rundschreiben 2017/1 «Corporate Governance – Banken» dem Verwaltungsrat von Raiffeisen Schweiz vorgelegt.

Regulatorische Vorschriften

Die Raiffeisenbanken sind gemäss Verfügung der FINMA von der Erfüllung der Eigenmittel-, Risikoverteilungs- und Liquiditätsvorschriften auf Einzelbasis befreit. Die diesbezüglichen gesetzlichen Vorschriften müssen auf konsolidierter Basis erfüllt werden.
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) erklärte mit Verfügung vom 16. Juni 2014 die Raiffeisen Gruppe als systemrelevant im Sinn des Bankengesetzes.
Die Raiffeisen Gruppe hat sich bei der Berechnung der Eigenmittelerfordernisse für die nachfolgenden Ansätze entschieden:

Kreditrisiken

Die Raiffeisen Gruppe wendet für die Berechnung des Eigenmittelerfordernisses der Kreditrisiken den auf internen Ratings basierenden Modellansatz (Einfacher IRB-Ansatz, F-IRB) an. Für Positionen, bei welchen ein modellbasierter Ansatz nicht möglich ist, erfolgt die Ermittlung der erforderlichen Eigenmittel für Kreditrisiken weiterhin nach dem Standardansatz (SA-BIZ). Für die Kundenkategorien Zentralregierungen und -banken, öffentlich-rechtliche Körperschaften, Banken und Wertpapierhäuser sowie Unternehmen werden externe Emittenten-/Emissionsratings von drei von der FINMA anerkannten Ratingagenturen verwendet. Bei Zentralregierungen werden zudem Emittenten-/Emissionsratings einer Exportversicherungsagentur angewendet, wobei die Ratings der Ratingagenturen gegenüber jenen der Exportversicherungsagentur Vorrang geniessen.Im Berichtsjahr fanden keine Änderungen bei den genutzten Ratingagenturen und Exportversicherungsagenturen statt.
Positionen, bei denen externe Ratings herangezogen werden, sind insbesondere in folgenden Bilanzpositionen enthalten:
  • Forderungen gegenüber Banken
  • Forderungen gegenüber Kunden
  • Finanzanlagen
  • Positive Wiederbeschaffungswerte
Die FINMA hat Raiffeisen die Bewilligung erteilt, für die Berechnung der Eigenmittelanforderungen für Kreditrisiken ab dem 30. September 2019 den F-IRB-Ansatz anzuwenden. Wie dies im Rahmen von solchen Einführungen üblich ist, gelangen Floor-Übergangsbestimmungen zum Einsatz. Dies bedeutet, dass die unter dem IRB-Modellansatz berechneten risikogewichteten Positionen im Vergleich zum Standardansatz einen festgelegten Floor (im Verhältnis zum SA-BIZ) nicht unterschreiten dürfen. Im ersten Jahr gelangt eine Floor-Untergrenze von 95 Prozent, im zweiten Jahr eine von 90 Prozent, im dritten Jahr eine von 85 Prozent und anschliessend die gemäss nationalen Vorschriften geltende IRB-Floor-Untergrenze zur Anwendung.

Marktrisiken

Das Eigenmittelerfordernis für Marktrisiken wird mit dem aufsichtsrechtlichen Standardansatz berechnet. Innerhalb dieses Rahmens kommt für das allgemeine Marktrisiko von Zinsinstrumenten die Durationsmethode zur Anwendung, hinsichtlich des Eigenmittelerfordernisses für Optionen das Delta-Plus-Verfahren.

Operationelle Risiken

Die Raiffeisen Gruppe wendet für die Berechnung des Eigenmittelerfordernisses der operationellen Risiken den Basisindikatoransatz an.

Angewandte Methoden zur Identifkation von Ausfallrisiken und zur Festlegung des Wertberichtigungsbedarfs

Hypothekarisch gedeckte Kredite

Der Immobilienwert von Einfamilienhäuser, Zweifamilienhäuser, Dreifamilienhäuser, Wohnungen, Ferienhäuser wird entweder durch die Realwertmethode oder eine hedonische Schätzmethode ermittelt. Bei der letzteren Bewertungsmethode stützt sich Raiffeisen auf regionenspezifische Immobilienpreisinformationen, die von einem externen Anbieter zur Verfügung gestellt werden. Anhand dieser Bewertungen aktualisiert die Bank periodisch oder anlassbezogen den Immobilienwert.
Neben dem Wert der Sicherheit wird auch zusätzlich die Schuldnerbonität durch die Überwachung von Zahlungsrückständen bei Zinsen und Amortisationen laufend geprüft. Daraus identifiziert die Bank Hypothekarkredite mit höheren Risiken. Diese Kredite werden anschliessend von Kreditspezialisten detailliert geprüft. Gegebenenfalls werden weitere Deckungen eingefordert oder auf Basis der fehlenden Deckung eine entsprechende Wertberichtigung gebildet.
Qualifiziert sich ein Objekt als Renditeobjekt (Dreifamilienhäuser, Mehrfamilienhäuser, gemischtwirtschaftliche Objekte mit überwiegendem Wohnanteil, gemischwirtschaftliche Objekte mit überwiegendem Gewerbeanteil, vollgewerbliche Objekte, grossgewerblich/industrielle Objekte, Spezialobjekte jeweils mit Nutzungsform fremd > 50%) wird der Immobilienwert anhand der Ertragswertmethode bestimmt, welche auf den nachhaltigen Objekt-Einnahmen basiert. In diesem Modell werden zusätzlich Marktdaten, Standortdaten und Leerstandsquoten einbezogen.
Die Ertragswertmethode kommt ebenfalls bei Objekten mit Mieterträgen zur Anwendung, wenn diese nicht mittels Realwert beziehungsweise dem hedonischen Schätzmodell bewertet werden können.
Der Mietertrag aus fremdgenutzten Liegenschaften wird periodisch geprüft sowie auch anlassbezogen bei Hinweisen auf erhebliche Veränderungen der Höhe des Mietertrags oder der Leerstandsquote.

Kredite mit Wertschriftendeckung

Die Engagements und der Wert der Sicherheiten der Kredite mit Wertschriftendeckung werden täglich überwacht. Fällt der Belehnungswert der Wertschriftendeckung unter den Betrag des Kreditengagements, wird eine Reduktion des Schuldbetrags geprüft oder es werden zusätzliche Sicherheiten eingefordert. Vergrössert sich die Deckungslücke oder liegen aussergewöhnliche Marktverhältnisse vor, werden die Sicherheiten verwertet und der Kredit glattgestellt.

Kredite ohne Deckung

Bei Krediten ohne Deckung handelt es sich in der Regel um Betriebskredite an Firmenkunden oder um ungedeckte Kontoüberzüge von Privatkunden von maximal einem Monatseinkommen. Bei den Firmenkunden wird das Volumen an Krediten ohne Deckung durch entsprechende Vorgaben und Limiten begrenzt.
Bei ungedeckten kommerziellen Betriebskrediten werden jährlich, bei Bedarf auch in kürzeren Abständen, Informationen vom Kunden eingefordert, welche Rückschlüsse auf die finanzielle Entwicklung des Unternehmens zulassen. Diese Daten werden beurteilt und allfällige erhöhte Risiken identifiziert. Liegen höhere Risiken vor, nimmt die Bank eine detaillierte Beurteilung vor und definiert zusammen mit dem Kunden entsprechende Massnahmen. Ist in dieser Phase davon auszugehen, dass eine Gefährdung des Kreditengagements besteht, wird eine entsprechende Wertberichtigung gebildet.

Ablauf zur Bestimmung von Wertberichtigungen und Rückstellungen

Ein Wertberichtigungs- und/oder Rückstellungsbedarf wird gemäss den in den Abschnitten «Hypothekarisch gedeckte Kredite», «Kredite mit Wertschriftendeckung» und «Kredite ohne Deckung» beschriebenen Verfahren identifiziert. Zudem werden bekannte Risikopositionen, bei denen eine Gefährdung bereits früher identifiziert wurde, vierteljährlich neu beurteilt und die Wertkorrektur gegebenenfalls angepasst.

Bewertung der Deckungen

Hypothekarisch gedeckte Kredite

Im Grundpfandkreditgeschäft liegt bei jeder Kreditvergabe eine aktuelle Bewertung der Sicherheiten vor. Die Bewertungen erfolgen in Abhängigkeit von der Art und der Nutzung der Objekte. Für die Beurteilung von Einfamilienhäuser, Zweifamilienhäuser, Dreifamilienhäuser, Wohnungen, Ferienhäuser steht der Bank neben der Realwertmethode ein hedonisches Bewertungsmodell zur Verfügung. Das hedonische Schätzmodell vergleicht den Preis anhand detaillierter Eigenschaften der entsprechenden Liegenschaft mit ähnlichen Immobilientransaktionen.
Bei Renditeobjekten (Dreifamilienhäuser, Mehrfamilienhäuser, gemischtwirtschaftliche Objekte mit überwiegendem Wohnanteil, gemischtwirtschaftliche Objekte mit überwiegendem Gewerbeanteil, vollgewerbliche Objekte, grossgewerblich/industrielle Objekte, Spezialobjekte jeweils mit Nutzungsform fremd > 50%) wird der Immobilienwert anhand der Ertragswertmethode bestimmt, welche auf den nachhaltigen Objekt-Einnahmen basiert.
Diese kommt ebenfalls bei Objekten mit Mieterträgen zur Anwendung, wenn diese nicht mittels Realwert beziehungsweise dem hedonischem Schätzmodell bewertet werden können.
Ausserdem müssen bei Liegenschaften ab einer bestimmten Belehnungsbasis oder bei Liegenschaften mit besonderen Risikomerkmalen die Fachstelle Immobilienbewertung von Raiffeisen Schweiz oder externe akkreditierte Immobilienbewerter beigezogen werden. Bei gefährdeten Forderungen wird zusätzlich ein Liquidationswert errechnet.
Als Basis für die Kreditgewährung wendet die Bank den tieferen Wert aus einer internen respektive externen Schätzung oder dem Kaufpreis respektive den Anlagekosten an (sofern letztere nicht älter als 24 Monate sind).

Kredite mit Wertschriftendeckung

Für die Besicherung von Lombardkrediten und anderen Krediten mit Wertschriftendeckung werden vor allem übertragbare Finanzinstrumente (wie Anleihen und Aktien) entgegengenommen, die liquide sind und aktiv gehandelt werden. Ebenfalls akzeptiert werden übertragbare strukturierte Produkte, für die regelmässig Kursinformationen und ein Market Maker zur Verfügung stehen.
Die Bank wendet Abschläge auf die Marktwerte an, um das bei marktgängigen Wertschriften verbundene Marktrisiko abzudecken und den Belehnungswert zu ermitteln. Bei strukturierten Produkten sowie bei Produkten mit langer Restlaufzeit kann der Glattstellungszeitraum erheblich länger sein, weshalb höhere Abschläge als bei liquiden Instrumenten angewandt werden. Bei Lebensversicherungspolicen oder Garantien werden die Abschläge auf Produktebasis festgelegt.

Geschäftspolitik beim Einsatz von derivativen Finanzinstrumenten und Hedge Accounting

Geschäftspolitik beim Einsatz von derivativen Finanzinstrumenten

Derivative Finanzinstrumente werden zu Handels- und Absicherungszwecken eingesetzt.
Der Handel mit derivativen Finanzinstrumenten erfolgt ausschliesslich durch speziell legitimierte Händler. Die Bank übt keine Market-Maker-Tätigkeit aus. Es wird sowohl mit standardisierten als auch mit OTC-Instrumenten für eigene und für Kundenrechnung gehandelt, dies vor allem in Instrumenten für Zinsen, Währungen, Beteiligungstitel/Indizes und Rohstoffe.
Absicherungsgeschäfte im Bankenbuch werden bei Raiffeisen Schweiz mit internen Deposits und Loans mit dem Handelsbuch abgeschlossen, das heisst die Bereiche Treasury sowie Produkte & Vertrieb T&M gelangen nicht selbst an den Markt. Die Absicherungsgeschäfte werden vom Handelsbuch weitgehend mit externen Gegenparteien durchgehandelt.
Bei den Raiffeisenbanken werden Geschäfte in derivativen Finanzinstrumenten nur für Kundenbedürfnisse als Kommissionär getätigt oder jeweils abgesichert.

Anwendung von Hedge Accounting

Die Raiffeisenbanken wenden kein Hedge Accounting im Sinn der Rechnungslegungsvorschriften an.

Arten von Grund- und Absicherungsgeschäften

Raiffeisen Schweiz setzt Hedge Accounting vor allem im Zusammenhang mit den folgenden Geschäftsarten ein:
GrundgeschäftAbsicherung mittels
Zinsänderungsrisiken aus zinssensitiven Forderungen und Verpflichtungen im BankenbuchZinssatz- und Devisenswaps
Kursänderungsrisiko von FremdwährungspositionenDevisenterminkontrakte

Zusammensetzung von Gruppen von Finanzinstrumenten

Die zinssensitiven Positionen im Bankenbuch werden in verschiedenen Zinsbindungsbändern je Währung gruppiert und entsprechend mittels Makro-Hedges abgesichert. Makro-Hedges sind risikominimierende Absicherungstransaktionen über das Gesamtportfolio. Zusätzlich kommen Micro-Hedges zur Anwendung.

Wirtschaftlicher Zusammenhang zwischen Grund- und Absicherungsgeschäften

Zum Zeitpunkt, zu dem ein Finanzinstrument als Absicherungsbeziehung eingestuft wird, dokumentiert Raiffeisen Schweiz die Beziehung zwischen Absicherungsinstrument und gesichertem Grundgeschäft. Sie dokumentiert unter anderem die Risikomanagementziele und -strategie für die Absicherungstransaktion und die Methoden zur Beurteilung der Wirksamkeit (Effektivität) der Sicherungsbeziehung. Der wirtschaftliche Zusammenhang zwischen Grund- und Absicherungsgeschäft wird im Rahmen der Effektivitätstests laufend prospektiv beurteilt, indem unter anderem die gegenläufige Wertentwicklung und deren Korrelation beobachtet werden.

Messung der Effektivität

Eine Absicherung gilt als in hohem Masse wirksam, wenn im Wesentlichen folgende Kriterien erfüllt sind:
  • Die Absicherung wird sowohl beim erstmaligen Ansatz als auch während der Laufzeit (Micro-Hedges) als in hohem Masse wirksam eingeschätzt.
  • Zwischen Grund- und Absicherungsgeschäft besteht ein enger wirtschaftlicher Zusammenhang.
  • Die Wertänderungen von Grundgeschäft und Absicherungstransaktion sind im Hinblick auf das abgesicherte Risiko gegenläufig.

Ineffektivität

Beim Abschluss sind Absicherungstransaktionen über die gesamte Laufzeit effektiv. Falls eine Absicherungstransaktion die Kriterien der Effektivität im Laufe der Zeit nicht mehr erfüllt, wird sie einem Handelsgeschäft gleichgestellt und der Effekt aus dem unwirksamen Teil über die Erfolgsrechnung verbucht.

Konsolidierungs-, Bilanzierungs- und Bewertungsgrundsätze

Allgemeine Grundsätze

Die Buchführung, Bewertung und Bilanzierung erfolgt nach den Vorschriften des Schweizerischen Obligationenrechts, des Bundesgesetzes über die Banken und Sparkassen, der zugehörigen Verordnung und der Rechnungslegungsverordnung-FINMA (RelV-FINMA) sowie nach dem FINMA-Rundschreiben 2020/1 «Rechnungslegung – Banken». Die in einer Bilanzposition ausgewiesenen Detailpositionen werden einzeln bewertet. Die konsolidierte Jahresrechnung wird nach dem «True and Fair View»-Prinzip erstellt und vermittelt ein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage der Raiffeisen Gruppe.

Konsolidierungsgrundsätze

Allgemeines

Die Konsolidierung der in der Raiffeisen Gruppe zusammengeschlossenen Bankinstitute, der Raiffeisen Schweiz sowie der ihr angeschlossenen Gruppenunternehmen weist gegenüber der herkömmlichen, auf einer Holdingkonstruktion basierenden Konsolidierung grundlegende Unterschiede auf. Als Eigentümerinnen von Raiffeisen Schweiz und damit als Obergesellschaften fungieren die einzelnen Raiffeisenbanken. Raiffeisen Schweiz ihrerseits ist, obwohl zentrale Koordinationsstelle, Liquiditätspool und Sicherheitsnetz, vom rechtlichen Standpunkt aus als Tochtergesellschaft zu bezeichnen. Die Führungs- und Weisungskompetenzen von Raiffeisen Schweiz sind in ihren Statuten und den darauf beruhenden Reglementen geregelt. Die Konsolidierung geht nicht von Raiffeisen Schweiz als Dachgesellschaft aus, sondern stellt eine Zusammenfassung der Jahresrechnungen der Raiffeisenbanken und der in der Raiffeisen Gruppe gehaltenen Beteiligungen dar. Als Gesellschaftskapital wird in der konsolidierten Jahresrechnung entsprechend die Summe der einzelnen Genossenschaftskapitalien der Raiffeisenbanken ausgewiesen.

Konsolidierungskreis und -methode

Der konsolidierte Abschluss der Raiffeisen Gruppe umfasst die Jahresrechnungen der einzelnen Raiffeisenbanken, von Raiffeisen Schweiz und der wesentlichen Gruppengesellschaften, an denen die Gruppe direkt oder indirekt Beteiligungen von mehr als 50 Prozent an stimmberechtigtem Kapital hält. Die vollkonsolidierten Gruppengesellschaften sowie die nach Equity-Methode bewerteten Beteiligungen sind im Anhang «Unternehmen, an denen die Bank eine dauernde direkte oder indirekte wesentliche Beteiligung hält» aufgeführt. Unwesentliche Beteiligungen, bei denen die Quote am Stimm- und Kapitalanteil kleiner als 10 Prozent oder entweder der Anteil am Gesellschaftskapital weniger als 2 Millionen Franken oder der Buchwert weniger als 15 Millionen Franken beträgt, werden nicht separat aufgeführt.
Nach der Methode der Vollkonsolidierung werden die Aktiven und Passiven, die Ausserbilanzgeschäfte sowie der Aufwand und Ertrag zu 100 Prozent erfasst. Die Kapitalkonsolidierung erfolgt nach der Purchase-Methode. Alle wesentlichen Forderungen und Verpflichtungen, Ausserbilanzgeschäfte sowie Aufwendungen und Erträge unter den konsolidierten Gesellschaften sind gegeneinander aufgerechnet. Falls wesentliche Zwischengewinne erzielt werden, werden diese bei der Konsolidierung eliminiert.
Minderheitsbeteiligungen in der Grössenordnung von 20 bis 50 Prozent werden nach der Equity-Methode in die konsolidierte Jahresrechnung einbezogen. Beteiligungen von weniger als 20 Prozent und solche von geringer kapital- und ertragsmässiger Relevanz oder nicht strategischem Charakter werden nicht konsolidiert beziehungsweise sind zum Einstandswert abzüglich betriebswirtschaftlich notwendiger Wertberichtigungen bilanziert.

Konsolidierungsstichtag

Sämtliche vollkonsolidierten Gesellschaften schliessen ihre Jahresrechnung auf den 31. Dezember ab.

Bilanzierungs- und Bewertungsgrundsätze

Erfassung der Geschäftsvorfälle

Alle bis zum Bilanzstichtag abgeschlossenen Geschäftsvorfälle werden tagfertig erfasst und gemäss den festgelegten Bewertungsgrundsätzen in der Bilanz und der Erfolgsrechnung bewertet. Die Bilanzierung der abgeschlossenen, aber noch nicht erfüllten Kassageschäfte erfolgt nach dem Abschlusstagprinzip.

Fremdwährungen

Forderungen und Verpflichtungen sowie Bargeldbestände in fremden Währungen werden zum Tageskurs des Bilanzstichtages umgerechnet. Die aus der Bewertung resultierenden Kursgewinne und Kursverluste werden unter der Position «Erfolg aus dem Handelsgeschäft und der Fair-Value-Option» ausgewiesen. Fremdwährungstransaktionen während des Jahres werden zum Kurs im Zeitpunkt der Transaktion umgerechnet.
Werden Jahresrechnungen von Gruppenunternehmen im Ausland in fremden Währungen geführt, werden die Bilanz und Ausserbilanz zu Stichtageskursen, die Erfolgsrechnung zu Jahresdurchschnittskursen umgerechnet. Die Umrechnungsdifferenz wird als Währungsumrechnungsdifferenz erfolgsneutral im Eigenkapital verbucht.

Flüssige Mittel, Passivgelder

Die Bilanzierung erfolgt zum Nominalwert. Edelmetallverpflichtungen auf Metallkonten werden zum Fair Value bewertet, sofern das entsprechende Metall an einem preiseffizienten und liquiden Markt gehandelt wird.
Die Agios und Disagios auf eigenen Anleihen und Pfandbriefdarlehen werden über die Laufzeit abgegrenzt.

Forderungen gegenüber Banken und Kunden, Hypothekarforderungen, Wertberichtigungen

Die Bilanzierung erfolgt zum Nominalwert abzüglich notwendiger Wertberichtigungen. Edelmetallguthaben auf Metallkonten werden zum Fair Value bewertet, sofern das entsprechende Metall an einem preiseffizienten und liquiden Markt gehandelt wird. Zinserträge werden periodengerecht abgegrenzt.
Forderungen, bei welchen es die Bank als unwahrscheinlich erachtet, dass der Schuldner seinen vertraglichen Verpflichtungen vollumfänglich nachkommen kann, gelten als gefährdet. Gefährdete Forderungen werden ebenso wie allfällige Sicherheiten zum Liquidationswert bewertet.
Sämtliche im Leasing abgegebenen Objekte werden nach der Barwertmethode unter «Forderungen gegenüber Kunden» bilanziert.
Für gefährdete Forderungen werden Einzelwertberichtigungen aufgrund regelmässiger Analysen der einzelnen Kreditengagements unter Berücksichtigung der Bonität des Schuldners beziehungsweise des Gegenparteirisikos sowie des geschätzten netto realisierbaren Veräusserungswertes der Deckungen gebildet. Falls die Rückführung der Forderung ausschliesslich von der Verwertung der Sicherheiten abhängig ist, wird der ungedeckte Teil vollumfänglich wertberichtigt.
Auf die Bildung von Wertberichtigungen für latente Risiken wird bis zum 31. Dezember 2020 verzichtet.
Bei einer gefährdeten Forderung ist im Rahmen einer Fortführungsstrategie die Aufrechterhaltung einer freien Kreditlimite möglich. Für solche nicht ausgeschöpften Kreditlimiten werden bei Bedarf Rückstellungen für Ausserbilanzgeschäfte gebildet. Bei Kontokorrentkrediten, deren Benützung typischerweise häufigen und hohen Schwankungen unterliegt, erfolgt die erstmalige sowie spätere Bildung der Risikovorsorge gesamthaft (das heisst Wertberichtigungen für die effektive Benützung und Rückstellungen für die nicht ausgeschöpfte Kreditlimite) über die Position «Veränderungen von ausfallrisikobedingten Wertberichtigungen sowie Verluste aus dem Zinsengeschäft». Bei Veränderungen der Ausschöpfung wird eine entsprechende erfolgsneutrale Umbuchung zwischen Wertberichtigungen und Rückstellungen vorgenommen. Auflösungen von freiwerdenden Wertberichtigungen oder Rückstellungen erfolgen ebenfalls über die Position «Veränderungen von ausfallrisikobedingten Wertberichtigungen sowie Verluste aus dem Zinsengeschäft».
Zinsen und entsprechende Kommissionen, die seit über 90 Tagen fällig, aber nicht bezahlt sind, gelten als überfällig. Im Falle von Kontokorrentkrediten gelten Zinsen und Kommissionen als überfällig, wenn die erteilte Kreditlimite seit über 90 Tagen überschritten ist. Überfällige und gefährdete Zinsen (einschliesslich Marchzinsen) und Kommissionen werden nicht mehr als Ertrag verbucht, sondern direkt den ausfallrisikobedingten Wertberichtigungen zugewiesen.
Die Ausbuchung einer Forderung erfolgt spätestens dann, wenn ein Rechtstitel den Abschluss des Verwertungsverfahrens bestätigt.
Gefährdete Forderungen werden wieder als vollwertig eingestuft, das heisst, die Wertberichtigung aufgelöst, wenn die ausstehenden Kapitalbeträge und Zinsen wieder fristgerecht gemäss den vertraglichen Vereinbarungen bezahlt und weitere Bonitätskriterien erfüllt werden.
Einzelwertberichtigungen auf Kreditpositionen werden pro Position nach dem Vorsichtsprinzip berechnet und von der entsprechenden Forderung in Abzug gebracht.

Darlehensgeschäfte mit Wertschriften (Securities-Lending- und -Borrowing-Geschäfte)

Darlehensgeschäfte mit Wertschriften werden zum Wert der erhaltenen oder gegebenen Barhinterlage inklusive aufgelaufener Zinsen erfasst. Geborgte oder als Sicherheit erhaltene Wertschriften werden nur dann bilanzwirksam erfasst, wenn die Raiffeisen Gruppe die Kontrolle über die Rechte erlangt, welche diese Wertschriften beinhalten. Ausgeliehene und als Sicherheit bereitgestellte Wertschriften werden nur dann aus der Bilanz ausgebucht, wenn die Raiffeisen Gruppe die mit diesen Wertschriften verbundenen Rechte verliert. Die Marktwerte der geborgten und ausgeliehenen Wertschriften werden täglich überwacht, um gegebenenfalls zusätzliche Sicherheiten bereitzustellen oder einzufordern. Erhaltene oder bezahlte Gebühren aus dem Darlehens- und Pensionsgeschäft mit Wertschriften werden als Kommissionsertrag beziehungsweise Kommissionsaufwand periodengerecht verbucht.

Pensionsgeschäfte mit Wertschriften (Repurchase- und Reverse-Repurchase-Geschäfte)

Die mit einer Verkaufsverpflichtung erworbenen Wertschriften (Reverse-Repurchase-Geschäfte) und Wertpapiere, die mit einer Rückkaufsverpflichtung veräussert wurden (Repurchase-Geschäfte), werden als gesicherte Finanzierungsgeschäfte betrachtet und zum Wert der erhaltenen oder gegebenen Barhinterlage inklusive aufgelaufener Zinsen erfasst.
Erhaltene und gelieferte Wertpapiere werden nur dann bilanzwirksam erfasst beziehungsweise ausgebucht, wenn die Kontrolle über die Rechte, welche diese Wertschriften beinhalten, erlangt beziehungsweise abgetreten wird. Die Marktwerte der erhaltenen oder gelieferten Wertschriften werden täglich überwacht, um gegebenenfalls zusätzliche Sicherheiten bereitzustellen oder einzufordern.
Der Zinsertrag aus Reverse-Repurchase-Geschäften und der Zinsaufwand aus Repurchase-Geschäften werden über die Laufzeit der zugrunde liegenden Transaktion periodengerecht abgegrenzt.

Handelsgeschäft und Verpflichtungen aus Handelsgeschäften

Das Handelsgeschäft und die Verpflichtungen aus dem Handelsgeschäft werden zum Fair Value bewertet und bilanziert. Positionen, für welche kein repräsentativer Markt vorliegt, werden nach dem Niederstwertprinzip bilanziert. Sowohl die aus dieser Bewertung resultierenden Gewinne und Verluste als auch die während der Periode realisierten Gewinne und Verluste werden unter der Position «Erfolg aus dem Handelsgeschäft und der Fair-Value-Option» ausgewiesen. Dies gilt auch für Zinsen und Dividenden auf Handelsbeständen. Dem Handelserfolg werden Kapitalrefinanzierungskosten für eingegangene Handelspositionen belastet, welche dem Zinsertrag gutgeschrieben werden. Zudem werden Erträge aus Festübernahmen von Wertschriftenemissionen im Handelserfolg ausgewiesen.

Positive und negative Wiederbeschaffungswerte derivativer Finanzinstrumente

Bilanzierung
Die Wiederbeschaffungswerte sämtlicher als Eigenhändler abgeschlossenen Kontrakte werden, unabhängig von der erfolgswirksamen Behandlung, bilanziert. Die Wiederbeschaffungswerte aus börslich gehandelten, in Kommission abgeschlossenen Kontrakten werden nur in dem Umfang bilanziert, als sie nicht mittels Margenhinterlagen gedeckt sind. Die Wiederbeschaffungswerte aus ausserbörslich gehandelten, in Kommission abgeschlossenen Kontrakten werden immer ausgewiesen.
Sämtliche Absicherungstransaktionen der Bereiche Treasury und Produkte & Vertrieb T&M von Raiffeisen Schweiz werden über das Handelsbuch abgeschlossen, das heisst die Bereiche Treasury und Produkte & Vertrieb T&M gelangen nicht selbst an den Markt. Bilanziert sind ausschliesslich die Wiederbeschaffungswerte mit externen Gegenparteien. Im Anhang «Offene derivative Finanzinstrumente» werden die Wiederbeschaffungswerte und Kontraktvolumen mit externen Gegenparteien ausgewiesen. Das Volumen und die Wiederbeschaffungswerte der internen Absicherungsgeschäfte der Bereiche Treasury und Produkte & Vertrieb T&M wird unter Hedginginstrumenten ausgewiesen.
Bei den emittierten strukturierten Produkten von Raiffeisen Schweiz, bei denen eine Schuldverschreibung enthalten ist, wird das Derivat vom Basisvertrag getrennt und separat bewertet. Die Schuldverschreibungen (Basisverträge) werden unter «Anleihen und Pfandbriefdarlehen» zum Nominalwert bilanziert. Agios und Disagios werden in der Position «Passive Rechnungsabgrenzungen» beziehungsweise «Aktive Rechnungsabgrenzungen» ausgewiesen und über die Restlaufzeit gegen den Zinserfolg realisiert. Die emittierten strukturierten Produkte ohne eigene Schuldverschreibung und die derivativen Anteile aus den strukturierten Produkten mit eigener Schuldverschreibung werden in der Position «Positive Wiederbeschaffungswerte derivativer Finanzinstrumente» beziehungsweise «Negative Wiederbeschaffungswerte derivativer Finanzinstrumente» zum Fair Value ausgewiesen.
Die strukturierten Produkte, welche bei Raiffeisen Switzerland B.V. Amsterdam emittiert werden, sind zum Fair Value bewertet. Diese Produkte werden unter den «Verpflichtungen aus übrigen Finanzinstrumenten mit Fair-Value-Bewertung» zum Marktwert bilanziert.
Behandlung in der Erfolgsrechnung
Die im Handelsbuch erfassten derivativen Finanzinstrumente werden zum Fair Value bewertet.
Derivative Finanzinstrumente, die im Rahmen des Bilanzstrukturmanagements zur Absicherung von Zinsänderungsrisiken eingesetzt werden, werden nach der Accrual-Methode bewertet. Zinsbezogene Gewinne und Verluste aus der vorzeitigen Realisierung von Kontrakten werden über die Restlaufzeit abgegrenzt.
Der Strukturierungserfolg der selbst emittierten strukturierten Produkte sowie der Erfolg aus der kommissionsweisen Emission von strukturierten Produkten von anderen Emittenten werden im «Kommissionsertrag aus dem Wertschriften- und Anlagegeschäft» verbucht.

Finanzanlagen

Festverzinsliche Schuldtitel sowie Optionsanleihen werden nach dem Niederstwertprinzip bewertet, sofern keine Absicht zur Haltung bis Endfälligkeit besteht. Schuldtitel, die mit der Absicht der Haltung bis Endfälligkeit erworben wurden, werden nach der Accrual-Methode bewertet, das heisst das Agio beziehungsweise Disagio wird über die Restlaufzeit abgegrenzt. Beteiligungstitel werden nach dem Niederstwertprinzip bewertet. Aus dem Kreditgeschäft übernommene und andere Liegenschaften und Beteiligungstitel, die zum Wiederverkauf bestimmt sind, werden unter den Finanzanlagen ausgewiesen und nach dem Niederstwertprinzip bewertet. Als Niederstwert gilt der tiefere von Anschaffungswert und Liquidationswert. Die Edelmetallbestände zur Deckung der ihnen gegenüberstehenden Verpflichtungen aus Edelmetallkonten werden zu Marktwerten am Bilanzstichtag bewertet. Ist ausnahmsweise kein Fair Value verfügbar, erfolgt die Bewertung zum Niederstwertprinzip.

Nicht konsolidierte Beteiligungen

Unter den nicht konsolidierten Beteiligungen werden Minderheitsbeteiligungen von 20 bis 50 Prozent ausgewiesen und nach der Equity-Methode bewertet.
Ferner werden unter dieser Bilanzposition Beteiligungen von unter 20 Prozent sowie sämtliche Beteiligungen mit Infrastrukturcharakter bilanziert. Die Bewertung erfolgt nach dem Anschaffungswertprinzip, das heisst Anschaffungskosten abzüglich betriebswirtschaftlich notwendiger Wertberichtigungen. Die Werthaltigkeit wird auf jeden Bilanzstichtag überprüft.

Sachanlagen

Die Sachanlagen werden zu Anschaffungskosten zuzüglich wertvermehrender Investitionen bilanziert und linear über ihre geschätzte Nutzungsdauer wie folgt abgeschrieben:
Geschätzte Nutzungsdauer von SachanlagenJahre
Liegenschaften66 Jahre
Um- und Einbauten in gemieteten Räumlichkeitengesamte Mietdauer, maximal 15 Jahre
Mobiliar und Einrichtungen8 Jahre
Sonstige Sachanlagen5 Jahre
Selbst entwickelte oder erworbene Kernbankensoftware10 Jahre
EDV-Anlagen und übrige Software3 Jahre
Kleininvestitionen werden direkt über den Geschäftsaufwand verbucht. Umfassende, wertvermehrende Renovationen werden aktiviert, während Unterhalt und Reparaturen als Aufwand ausgewiesen werden. Die Aktivierung von Aufwänden im Zusammenhang mit der Realisierung und Weiterentwicklung der neuen Kernbankensysteme erfolgt über die Position «Anderer ordentlicher Ertrag». Liegenschaften, Anlagen im Bau und Kernbankensysteme werden ab dem Zeitpunkt abgeschrieben, ab dem sie genutzt werden. Unbebautes Bauland wird nicht abgeschrieben.
Die Sachanlagen werden auf jeden Bilanzstichtag auf ihre Werthaltigkeit überprüft, wenn Ereignisse oder Umstände Anlass zur Vermutung geben, dass der Buchwert nicht mehr werthaltig ist. Eine allfällige Wertbeeinträchtigung wird über die Position «Wertberichtigungen auf Beteiligungen sowie Abschreibungen auf Sachanlagen und immateriellen Werten» erfolgswirksam verbucht. Falls sich bei der Überprüfung der Werthaltigkeit einer Sachanlage eine veränderte Nutzungsdauer ergibt, wird der Restbuchwert planmässig über die neu festgelegte Nutzungsdauer abgeschrieben.

Immaterielle Werte

Goodwill: Falls bei der Akquisition einer Gesellschaft die Erwerbskosten höher sind als die übernommenen und nach konzerneinheitlichen Richtlinien bewerteten Nettoaktiven, wird die verbleibende Grösse als Goodwill aktiviert. Der Goodwill wird linear über die geschätzte Nutzungsdauer abgeschrieben. Der Abschreibungszeitraum beträgt in der Regel fünf Jahre, in begründeten Fällen höchstens zehn Jahre. Per 31. Dezember2014 bereits bestehender Goodwill, für den eine Abschreibungsdauer von über zehn Jahren vorgesehen wurde, wird weiterhin über die ursprünglich vorgesehene Dauer abgeschrieben.
Übrige immaterielle Werte: Erworbene immaterielle Werte werden bilanziert, wenn sie über mehrere Jahre einen für das Unternehmen messbaren Nutzen bringen. Selbst erarbeitete immaterielle Werte werden nicht aktiviert. Immaterielle Werte werden zu Anschaffungskosten bilanziert und linear über ihre geschätzte Nutzungsdauer innert maximal fünf Jahren abgeschrieben.
Überprüfung der Werthaltigkeit: Die immateriellen Werte werden auf jeden Bilanzstichtag auf ihre Werthaltigkeit überprüft, wenn Ereignisse oder Umstände Anlass zur Vermutung geben, dass der Buchwert nicht mehr werthaltig ist. Eine allfällige Wertbeeinträchtigung wird über die Position «Wertberichtigungen auf Beteiligungen sowie Abschreibungen auf Sachanlagen und immateriellen Werten» erfolgswirksam verbucht. Falls sich bei der Überprüfung der Werthaltigkeit eines immateriellen Wertes eine veränderte Nutzungsdauer ergibt, wird der Restbuchwert planmässig über die neu festgelegte Nutzungsdauer abgeschrieben.

Rückstellungen

Für alle am Bilanzstichtag erkennbaren Risiken, die auf einem Ereignis in der Vergangenheit basieren und eine wahrscheinliche Verpflichtung darstellen, werden nach dem Vorsichtsprinzip Rückstellungen gebildet. Bezüglich Rückstellungen für nicht ausgeschöpfte Kreditlimiten verweisen wir auf die Ausführungen im Kapitel «Forderungen gegenüber Banken und Kunden, Hypothekarforderungen, Wertberichtigungen».

Reserven für allgemeine Bankrisiken

Die Bildung von Reserven für allgemeine Bankrisiken ist möglich. Diese sind in Übereinstimmung mit den Rechnungslegungsvorschriften vorsorglich gebildete Reserven zur Absicherung gegen latente Risiken im Geschäftsgang der Raiffeisen Gruppe.

Steuern

Die Steuern werden aufgrund des Ergebnisses des Berichtsjahres berechnet und verbucht. Auf unversteuerten Reserven werden latente Steuern von 16,4 Prozent (Vorjahr 17,5 Prozent) berechnet und als Rückstellung für latente Steuern ausgewiesen.

Eventualverpflichtungen, unwiderrufliche Zusagen, Einzahlungs- und Nachschussverpflichtungen

Der Ausweis unter den Ausserbilanzgeschäften erfolgt zum Nominalwert. Für absehbare Risiken werden Rückstellungen gebildet.

Änderung gegenüber dem Vorjahr

Es sind keine materiellen Änderungen in den Bilanzierungs- und Bewertungsgrundsätzen vorgenommen worden. Am 1. Januar 2020 ist die RelV-FINMA in Kraft getreten. Für die Bildung von Wertberichtigungen auf nicht gefährdeten Forderungen sowie Rückstellungen für Ausfallrisiken von Ausserbilanzgeschäften gemäss Art. 25 und 28 RelV-FINMA wendet die Raiffeisen Gruppe die Übergangsbestimmungen nach Art. 98 RelV-FINMA an. Das heisst, die Bildung dieser Wertberichtigungen und Rückstellungen erfolgt im Geschäftsjahr 2021.

Ereignisse nach dem Bilanzstichtag

Nach dem Bilanzstichtag sind keine Ereignisse mit wesentlichem Einfluss auf das Geschäftsergebnis 2020 eingetreten.