Lagebericht

Geschäftsentwicklung

Schlüsselkennzahlen

Schlüsselkennzahlen

in Mio. CHF, Prozent, Anzahl20192020Veränderung in %
Erfolgskennzahlen
Brutto-Erfolg Zinsengeschäft2'2672'3503,6
Erfolg aus dem Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft4164518,4
Geschäftsertrag3'0523'0600,3
Geschäftsaufwand1'8701'817-2,9
Geschäftserfolg9309674,1
Gruppengewinn8358613,1
Cost-Income-Ratio (Kosten-Ertrags-Verhältnis)61,3%59,4%
Bilanzkennzahlen
Bilanzsumme248'345259'6534,6
Kundenausleihungen193'450200'3583,6
davon Hypothekarforderungen185'291190'3172,7
Kundeneinlagen176'179190'4258,1
in % der Kundenausleihungen91,1%95,0%
Total Eigenkapital (ohne Minderheitsanteile)17'47818'4445,5
Eigenmittel1
CET1-Quote 16,9%18,6%
Kernkapitalquote (going concern)17,9%19,6%
TLAC-Quote 18,4%20,6%
TLAC Leverage Ratio7,2%7,3%
Marktangaben
Marktanteil im Hypothekargeschäft 17,6%17,6%
Anzahl Genossenschafter1'909'2331'935'7901,4
Kundenvermögen
Verwaltete Kundenvermögen2207'288224'0428,1
Kreditgeschäfte
Wertberichtigungen für Ausfallrisiken23526111,0
in % der Kundenausleihungen0,122%0,130%
Ressourcen
Anzahl Mitarbeitende10'96811'2072,2
Anzahl Vollzeitstellen9'2959'4922,1
Anzahl Raiffeisen-Standorte847824-2,7
1 Gemäss Systemrelevanz-Regime
2 Kontoguthaben und Depots ohne eigene Kassenobligationen gemäss Anhang 22 des Geschäftsberichts

Geschäftsverlauf

Die Raiffeisen Gruppe hat im Berichtsjahr zahlreiche Initiativen vorangetrieben. Mit der Verabschiedung der Gruppenstrategie 2025 im Juni 2020 hat Raiffeisen die Weichen für die Zukunft gestellt. Zudem hat sich Raiffeisen rasch auf die veränderten Rahmenbedingungen infolge der Covid-19-Pandemie eingestellt. Der Fokus der Gruppe lag auf der raschen und unkomplizierten Unterstützung unserer Kundinnen und Kunden.

Die Gruppe blickt trotz des herausfordernden Umfelds auf ein erfolgreiches Jahr zurück. Eine sehr gute Entwicklung des Kerngeschäfts führte zu anhaltend hohen Volumenzuwächsen und insbesondere beim Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft zu erfreulichen Mehrerträgen (+35 Millionen Franken oder +8,4 Prozent). Das Ende 2019 bei Raiffeisen Schweiz abgeschlossene Effizienzprogramm sowie Minderausgaben im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie führten im Berichtsjahr zu einer markanten Verbesserung des Geschäftsaufwands (–54 Millionen Franken oder –2,9 Prozent). Trotz höherer Wertberichtigungen und Abschreibungen auf Sachanlagen erreichte der Geschäftserfolg dank der guten operativen Entwicklung 967 Millionen Franken (+38 Millionen Franken). Der Jahresgewinn beträgt 861 Millionen Franken und liegt damit deutlich über dem Vorjahresgewinn (835 Millionen Franken). Sowohl beim Geschäftserfolg als auch beim Jahresgewinn erzielte die Raiffeisen Gruppe das zweithöchste Ergebnis ihrer Geschichte.

Angestrebtes Wachstum im Kerngeschäft übertroffen

Raiffeisen peilt im Kerngeschäft ein gesundes Wachstum im Rahmen der allgemeinen Marktentwicklung an. Das Wachstum soll durch massgeschneiderte und flexible Kundenlösungen ohne Inkaufnahme höherer Risiken erzielt werden. Im abgelaufenen Jahr gelang dies den Raiffeisenbanken wiederum ausgezeichnet. Die Kundenausleihungen erhöhten sich um 6,9 Milliarden (+3,6 Prozent) auf 200,4 Milliarden Franken. Bei den Hypothekarforderungen (+5,0 Milliarden Franken) setzte sich das Wachstum auf konstantem Niveau wie angestrebt auf Marktniveau fort. Bei den übrigen Forderungen gegenüber Kunden führte das hohe Volumen an Covid-19-Krediten im Rahmen des Garantieprogramms des Bundes zu einem Anstieg von 1,9 Milliarden Franken.
Besonders stark war das Wachstum der Kundenvermögen. Die Kundeneinlagen erhöhten sich im Berichtsjahr um 14,2 Milliarden (+8,1 Prozent) auf 190,4 Milliarden Franken, der Depotbestand um 2,6 Milliarden (+7,5 Prozent) auf 37,0 Milliarden Franken. In 2020 fanden 37’000 Neukundinnen und -kunden den Weg zu Raiffeisen und die Anzahl der Genossenschafterinnen und Genossenschafter erhöhte sich um knapp 27’000 auf mittlerweile 1,936 Millionen.
Dieses starke und breite Wachstum bestätigt den eingeschlagenen Weg der Raiffeisen Gruppe. Das traditionell starke Hypothekargeschäft soll durch ein vielfältiges und wachsendes Dienstleistungsangebot im Thema «Wohnen» ergänzt werden. Raiffeisen will sich zu einer zentralen Lösungsanbieterin für privates Wohneigentum entwickeln. Im Berichtsjahr sind die Entwicklung der Raiffeisen Immo AG hin zu einer national erfolgreichen Immobilienvermarkterin und die Vorreiterrolle von Raiffeisen bei der Lancierung der SARON-Hypothek Beispiele dafür. 2021 wird diese Vision durch die Lancierung einer gemeinsam mit der Mobiliar Genossenschaft entwickelten Wohneigentümerplattform «LIIVA» weiter konkretisiert.

Erträge auf breitere Basis gestellt

Der Anteil der Erträge aus dem traditionell starken Zinsengeschäft ist nach wie vor gross. Erfreulicherweise entwickelte sich dieser Hauptertragspfeiler sehr solid. Der Brutto-Erfolg aus dem Zinsengeschäft erhöhte sich um knapp 83 Millionen Franken (+3,6 Prozent). Die herausfordernde wirtschaftliche Situation und deren Auswirkungen auf verschiedene Branchen führten in der zweiten Jahreshälfte zu einem deutlichen Anstieg der Neubildung von Wertberichtigungen für Kreditrisiken um 40 Millionen Franken (+305 Prozent). Im Verhältnis zu den gesamten Ausleihungen bewegen sich die Wertberichtigungen für Kreditrisiken aber weiterhin auf einem sehr tiefen Wert.
Im Hinblick auf die Diversifizierung der Geschäftsfelder zeigten sich im Berichtsjahr weitere Erfolge. Das Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft entwickelte sich mit einer Zunahme von 35 Millionen Franken (+8,4 Prozent) sehr erfreulich. Insbesondere im Bereich Vorsorge und Anlegen wurden markante Fortschritte erzielt. Das Depotvolumen konnte stark erhöht werden. Mit der Lancierung von «Raiffeisen Rio» bietet Raiffeisen den Kundinnen und Kunden seit Herbst 2020 eine digitale Lösung und damit einen einfachen und modernen Zugang zu einer professionellen Vermögensverwaltung direkt auf dem mobilen Gerät. Der Ausbau des Vorsorge- und Anlagegeschäfts wird 2021 weiter vorangetrieben.
Im Geschäftsjahr 2020 wurden zahlreiche Initiativen im Hinblick auf die weitere Diversifikation der Geschäftsfelder lanciert und teilweise bereits realisiert. Schwerpunkte bilden dabei zukunftsgerichtete Lösungen im Bereich Wertschriften- und Anlagegeschäft, im Bereich des Firmenkundengeschäfts und beim Ausbau der Wertschöpfungskette im Bereich Wohnen. Die neuen digitalen Angebote machen den Weg frei für ein stärkeres Wachstum der nicht im Zinsengeschäft erzielten Erträge.

Produktivität erhöht

Der Geschäftsaufwand ist 2020 dank tieferem Sachaufwand um 54 Millionen Franken oder 2,9 Prozent auf 1,82 Milliarden Franken deutlich gesunken. Dies ist einerseits auf das 2019 bei Raiffeisen Schweiz durchgeführte Effizienzprogramm zurückzuführen. Andererseits ergaben sich Minderaufwände durch die Absage von physischen Generalversammlungen und Kundenveranstaltungen. Demgegenüber stehen Mehrkosten für den Schutz der Gesundheit der Kundinnen und Kunden sowie der Mitarbeitenden und für den Ausbau der IT-Infrastruktur.
Gleichzeitig wurden mehr Ressourcen für die Beratung, den Ausbau neuer Produkte und der digitalen Kundenschnittstellen eingesetzt. Diese Entwicklung zeigt sich darin, dass sich der Personalbestand der Raiffeisen Gruppe in 2020 um knapp 197 Vollzeitstellen auf 9’492 Vollzeitstellen erhöht hat (+2,1 Prozent). Im Gegensatz zum Sachaufwand erhöhte sich der Personalaufwand um 5 Millionen Franken. Dank der soliden Entwicklung der Erträge und tieferer Kosten verringerte sich die Cost-Income-Ratio von 61,3 auf 59,4 Prozent.

Sehr gutes Jahresergebnis

Das Geschäftsjahr 2020 war geprägt durch die Covid-19-Pandemie und die damit verbundene Anstrengung, die wirtschaftlichen Folgen bei den Firmenkunden durch eine ebenso rasche und unbürokratische Vergabe von Covid-19-Krediten so weit wie möglich zu lindern. Gleichzeitig wurden die strategischen Prioritäten entlang der verabschiedeten Gruppenstrategie vorangetrieben. Insgesamt erreichte die Gruppe mit einem Gewinn von 861 Millionen Franken ein sehr gutes Jahresergebnis, unter anderem auch dank Effizienzgewinnen.

Erfolgsrechnung

Erträge aus dem operativen Bankgeschäft

Die Entwicklungen der operativen Erträge in den Bereichen Zinsen-, Kommissions- und Handelsgeschäft verliefen unterschiedlich. Während das Zinsen- und insbesondere das Kommissionsgeschäft zulegten, blieben die Erträge im Handelsgeschäft hinter den Vorjahreswerten zurück. Der übrige ordentliche Erfolg ist um 56 Millionen Franken zurückgegangen. Gesamthaft liegt der Geschäftsertrag mit 3,06 Milliarden Franken leicht über dem Vorjahreswert.

Zinsengeschäft

Der Druck auf die Zinsmarge bleibt unverändert hoch. Neben der herausfordernden Wettbewerbssituation erhöhte auch das weiter bestehende Tiefzinsumfeld den Druck auf die Zinsmarge zusätzlich. Im Berichtsjahr hat sich die Zinsmarge wie bereits im Vorjahr um 4 Basispunkte von 0,97 Prozent auf 0,93 Prozent vermindert. Der Brutto-Erfolg aus dem Zinsengeschäft entwickelte sich trotz dieser Rahmenbedingungen mit einem Anstieg von 83 Millionen Franken (+3,6 Prozent) gut, was insbesondere auch auf eine umsichtige Bilanzbewirtschaftung zurückzuführen ist.
In der zweiten Jahreshälfte 2020 machte sich die schwierige Situation einzelner Branchen in Form von höheren Neubildungen von Wertberichtigungen bemerkbar. Insgesamt erhöhte sich damit die Position «Veränderungen von ausfallrisikobedingten Wertberichtigungen sowie Verluste aus dem Zinsengeschäft» um 40 Millionen auf 52 Millionen Franken. Die Bruttoneubildung von Wertberichtigungen aus dem Kreditgeschäft erhöhte sich dadurch auf 0,057 Prozent der Ausleihungen (Vorjahr 0,041 Prozent). Der Netto-Erfolg aus dem Zinsengeschäft, also nach Berücksichtigung der Risikovorsorge, erhöhte sich um 43 Millionen Franken oder 1,9 Prozent.

Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft​

Der «Erfolg aus dem Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft» (Anhang 23) entwickelte sich mit einem Anstieg von 35 Millionen Franken oder +8,4 Prozent sehr erfreulich. Bedeutenden Anteil an dieser Zunahme hatte das Wertschriften- und Anlagegeschäft mit einem Plus von 20 Millionen Franken. Das hohe Transaktionsvolumen im Anlagegeschäft führte zu einem markanten Anstieg der Courtagen-Erträge. Die Vermögensverwaltungsmandate konnten verdoppelt werden, das Wachstum der Fondssparplan- und Vorsorgefondsvolumen betrug über 20 Prozent. Während der Kommissionsertrag aus dem Kreditgeschäft (+4 Millionen Franken) ebenfalls angestiegen ist, konnten die Ertragszahlen beim übrigen Dienstleistungsgeschäft (–6 Millionen Franken) vor allem im Bereich Zahlungsverkehr nicht gehalten werden. Um 17 Millionen Franken abgenommen hat im Berichtsjahr der Kommissionsaufwand.

Handelsgeschäft

Einen Rückgang musste die Gruppe im Handelsgeschäft (Anhang 24) verbuchen. Der Erfolg nahm um 13 Millionen (–5,9 Prozent) ab. Hauptverantwortlich für diesen Rückgang waren die reduzierten Noten- und Devisengeschäfte der Kundinnen und Kunden infolge eingeschränkter Reisetätigkeit und Auslandtransaktionen.

Übriger ordentlicher Erfolg

Im Vergleich zum Vorjahr reduzierte sich der «übrige ordentliche Erfolg» um 56 Millionen Franken oder 36,5 Prozent. Dies ist auf die Mindererträge beim Beteiligungsertrag (–33 Millionen Franken) und beim anderen ordentlichen Ertrag (–31 Millionen Franken) zurückzuführen. Beim Beteiligungsertrag konnte die Gruppe im Vorjahr von einer Sonderdividende der SIX Group AG profitieren. Ausserdem entwickelten sich die bedeutenden Beteiligungen mit Equity-Bewertung im Vorjahr deutlich besser als im Berichtsjahr. Beim anderen ordentlichen Ertrag ist der Rückgang fast ausschliesslich auf die stark reduzierte Aktivierung der Kosten für die weitgehend abgeschlossene Weiterentwicklung des Kernbankensystems zurückzuführen. Im Gegensatz zu den anderen Subpositionen resultierte beim «anderen ordentlichen Aufwand» im Vergleich zum Vorjahr eine Besserstellung von knapp 9 Millionen Franken aufgrund tieferer marktbedingter Wertanpassungen von Finanzanlagen.

Geschäftsaufwand

Sachaufwand

Beim Geschäftsaufwand konnte die Raiffeisen Gruppe in 2020 weitere Einsparungen im Bereich Sachaufwand (Anhang 28) erzielen. Insbesondere das Effizienzprogramm bei Raiffeisen Schweiz hat sich positiv auf die Kostenentwicklung ausgewirkt. Zudem sind die Kosten für Generalversammlungen und Kundenevents aufgrund der Pandemie tiefer ausgefallen. Mit dem Effizienzprogramm wurde der finanzielle Spielraum für die Investitionen entlang der strategischen Prioritäten geschaffen.

Personalaufwand

Der Personalaufwand (Anhang 27) erhöhte sich im Berichtsjahr leicht um 5 Millionen Franken oder 0,4 Prozent. Der Personalbestand erhöhte sich in der gleichen Periode um 197 Vollzeitstellen oder 2,1 Prozent auf 9’492 Vollzeitstellen. Der Personalaufbau fand in der zweiten Jahreshälfte statt, einerseits durch die Festanstellung vieler erfolgreicher Lehrabgängerinnen und Lehrabgänger bei den Raiffeisenbanken und andererseits durch die Neuanstellung von Spezialistinnen und Spezialisten vor allem für den Aufbau digitaler Systeme bei Raiffeisen Schweiz. Die Personalkosten pro Kopf sind von 143’900 auf 142’300 Franken leicht gesunken.

Wertberichtigungen auf Beteiligungen sowie Abschreibungen auf Sachanlagen und immateriellen Werten

Die Position ist im Berichtsjahr um 46 Millionen Franken oder 20,4 Prozent angestiegen. Die Abschreibungen auf Sachanlagen erhöhten sich im Vergleich zum Vorjahr um 28 Millionen Franken. Die Wertberichtigungen und Abschreibungen auf Beteiligungen und Goodwill erhöhten sich um 18 Millionen Franken. Eine grössere Anpassung der at-equity bewerteten Beteiligung an der Viseca Holding führte zu dieser Wertkorrektur.

Veränderungen von Rückstellungen und übrigen Wertberichtigungen sowie Verluste

Im Vergleich zum Vorjahr verringerte sich diese Position um 22 Millionen Franken oder 90,6 Prozent. Während im Vorjahr noch Restrukturierungsrückstellungen das Ergebnis belasteten, blieben grössere Neubildungen von Rückstellungen in 2020 aus.

Geschäftserfolg

Dank des sehr guten operativen Geschäfts konnte der Geschäftserfolg 2020 um 37,9 Millionen Franken auf 967 Millionen Franken gesteigert werden.

Ausserordentlicher Ertrag und Aufwand

Im ausserordentlichen Ertrag von 6 Millionen Franken ist ein Gewinn aus Veräusserungen von Sachanlagen von 4 Millionen Franken enthalten. Im ausserordentlichen Aufwand von 2 Millionen Franken sind als grösste Einzelposition Verluste aus Veräusserungen von Sachanlagen von 0,4 Millionen Franken enthalten.

Steuern

Der Steueraufwand (Anhang 30) ist im Vergleich zum Vorjahr leicht um 8 Millionen Franken oder 6,7 Prozent gestiegen. Die effektiven Steueraufwände sind in 2020 aufgrund der Unternehmenssteuerreform um 23 Millionen auf 130 Millionen Franken gesunken. Bei den Rückstellungen für latente Steuern ergab sich eine geringere Auflösung infolge der Unternehmenssteuerreform als dies im Vorjahr der Fall war. Latente Steuern werden nur auf Stufe Gruppe gebildet, um den Steuereffekt der Bewertungsunterschiede zwischen dem True-and-Fair-View-Abschluss der Gruppe und den Einzelabschlüssen der konsolidierten Gesellschaften steuerlich korrekt darzustellen.

Bilanz

Das hohe Bilanzwachstum der Raiffeisen Gruppe von 11,3 Milliarden oder +4,6 Prozent auf 259,7 Milliarden Franken widerspiegelt den starken Anstieg bei den Kundeneinlagen. Die Liquidität der Bilanz hat sich dadurch weiter erhöht und die Liquiditätssituation ist entsprechend robust.

Forderungen und Verpflichtungen gegenüber Banken

Sowohl die Forderungen als auch die Verpflichtungen gegenüber Banken haben im Vergleich zum Vorjahr abgenommen. Die Forderungen verringerten sich um 3,6 Milliarden auf 4,0 Milliarden Franken, die Verpflichtungen haben um 1,7 Milliarden auf 10,6 Milliarden Franken abgenommen, was primär auf die Buchsaldobetrachtung zurückzuführen ist. Bei einer Valutabetrachtung haben sich die Forderungen und Verpflichtungen gegenüber anderen Banken im Jahresvergleich kaum verändert.

Forderungen und Verpflichtungen aus Wertpapierfinanzierungsgeschäften

Die Wertpapierfinanzierungsgeschäfte unterliegen je nach Bedürfnis der Liquiditätsbewirtschaftung grösseren Schwankungen. In 2020 wurden sowohl die Forderungen als auch Verpflichtungen aufgrund der taktischen Liquiditätsbewirtschaftung stark abgebaut.

Kundenausleihungen

Im Hypothekargeschäft setzte Raiffeisen das Wachstum auf Marktniveau wie angestrebt fort. Der Anstieg betrug 5,0 Milliarden (+2,7 Prozent) auf 190,3 Milliarden Franken. Aufgrund des Tiefzinsumfelds waren vor allem Festhypotheken gefragt. Die Covid-19-Kredite im Rahmen des Garantieprogramms des Bundes haben die Forderungen gegenüber Kunden stark um 1,9 Milliarden oder 23,1 Prozent auf 10,0 Milliarden Franken ansteigen lassen. Der Bestand der Covid-19-Kredite betrug am Jahresende 1,8 Milliarden Franken.
Trotz anhaltenden Wachstums bleibt der Anteil des Kreditportfolios auf traditionell sicheren Wohnliegenschaften unverändert bei 87 Prozent. In diesem Segment liegt die Nettobelehnung mit 60 Prozent im Rahmen einer ersten Hypothek. Der Anteil ungedeckter Kredite bei Firmenkunden, ohne öffentlich-rechtliche Körperschaften, beträgt 2,2 Prozent und ist damit unverändert tief.
Aufgrund der weiterhin vorsichtigen Bewertung von Ausleihungen in der zweiten Jahreshälfte 2020 sind die Wertberichtigungen für Ausfallrisiken um 26 Millionen auf 261 Millionen Franken gestiegen. Als Konsequenz ist auch das Verhältnis des Wertberichtigungsbestandes in Prozent der Ausleihungen von 0,122Prozent auf immer noch tiefe 0,130 Prozent angestiegen.

Handelsgeschäft

Ein grosser Teil des Handelsbestands wird zur Absicherung des Zinsrisikos der Bondkomponenten der von Raiffeisen emittierten strukturierten Produkte gehalten. Dieser Absicherungsbestand ist im Berichtsjahr um 378 Millionen Franken gesunken. Bei den übrigen Komponenten des Handelsbestands ergab sich insgesamt eine leichte Zunahme. Gesamthaft resultierte im Handelsgeschäft (Anhang 3) ein Rückgang von 157 Millionen Franken (–4,9 Prozent) auf 3,0 Milliarden Franken.

Finanzanlagen

In den Finanzanlagen (Anhang 5) sind vorwiegend erstklassige Obligationen enthalten, welche bei Raiffeisen Schweiz entsprechend den gesetzlichen Liquiditätserfordernissen sowie nach internen Liquiditätszielen verwaltet werden. In 2020 wurde der Bestand im Rahmen des Bilanz- und Liquiditätsmanagements stark um 1,6 Milliarden auf 8,8 Milliarden Franken (+22,7 Prozent) ausgebaut.

Nicht konsolidierte Beteiligungen

Der Beteiligungsbuchwert (Anhang 6) verringerte sich im Berichtsjahr leicht um 25 Millionen auf 683 Millionen Franken. Bei der Equity-bewerteten Beteiligung Viseca Holding wurde infolge der Verminderung des zurechenbaren Eigenkapitals eine Abschreibung von 54 Millionen Franken verbucht. Im Berichtsjahr stimmten die Mitgliedsbanken der Pfandbriefbank schweizerischer Hypothekarinstitute einer ordentlichen Kapitalerhöhung von 100 Millionen Franken zu. Auch Raiffeisen beteiligte sich im Rahmen ihrer Bezugsrechte mit einem Betrag von knapp 29 Millionen Franken an der Kapitalerhöhung.

Sachanlagen

Der Buchwert an Sachanlagen (Anhang 8) nahm leicht um 16 Millionen auf 3,0 Milliarden Franken ab. Die Höhe der Neuinvestitionen betrug 219 Millionen Franken. Grössere Investitionen wurden bei den Liegenschaften, bei der Erneuerung von Kundenzonen und bei der Modernisierung von automatisierten Kundendienstleistungen getätigt. Die aktivierungsfähigen Projektaufwände für die Weiterentwicklung des Kernbankensystems betrugen 20 Millionen Franken.

Nettoinvestitionen nach Kategorien

in Mio. CHF20162017201820192020
Bankgebäude 83761099285
Andere Liegenschaften 81053176
Um- und Einbauten in fremden Räumlichkeiten 151192634
Informatik-Hardware 1715141621
Informatik-Software1292081575624
Bancomat79121511
Mobiliar54664
Einrichtungen5810106
Büromaschinen, Fahrzeuge, Sicherheitseinrichtungen731394
Total Nettoinvestitionen276344383247195

Nettoinvestitionen nach Regionen

in Mio. CHF20162017201820192020
Région lémanique1516352736
Espace Mittelland 3235433829
Nordwestschweiz und Zürich3529593839
Ostschweiz11682272179553
Zentralschweiz 1621214028
Tessin10168910
Total Nettoinvestitionen276344383247195
1 Inkl. zentrale Investitionen Raiffeisen Schweiz

Immaterielle Werte

Der Bestand an immateriellen Werten (Anhang 9) beträgt 7 Millionen Franken. Im Wesentlichen enthält die Position den verbleibenden Goodwill auf der Beteiligung an der Leonteq AG.

Verpflichtungen aus Kundeneinlagen

Ausserordentlich stark sind im Berichtsjahr die Kundeneinlagen gestiegen. Der Bestand erhöhte sich um 14,2 Milliarden (+8,1 Prozent) auf 190,4 Milliarden Franken. Unsere Kundinnen und Kunden verhielten sich in der Corona-Pandemie eher vorsichtig bezüglich Konsumausgaben und behielten das so gesparte Geld auf ihren Konten bei den Raiffeisenbanken. Es hat sich einmal mehr gezeigt, dass die Sparneigung in Zeiten von Unsicherheit ansteigt. Raiffeisen ist bei den Kundeneinlagen sogar noch etwas stärker gewachsen als der Markt (+5,3 Prozent). Unser Marktanteil ist von 13,4 Prozent auf 13,8 Prozent angestiegen. Dies widerspiegelt das hohe Vertrauen der Kundinnen und Kunden in Raiffeisen.
Mit dem starken Anstieg der Kundeneinlagen erhöhte sich auch der Refinanzierungsgrad im Kundengeschäft von 91,1 Prozent auf 95,0 Prozent. Ende 2020 waren somit fast alle Kundenausleihungen durch Kundengelder gedeckt.
Der hohe Anstieg bei den Kundeneinlagen findet auch im grossen Zuwachs der gesamten verwalteten Kundenvermögen seinen Niederschlag. Die Zunahme inklusive Veränderung des Depotvolumens betrug 16,8 Milliarden (+8,1 Prozent) und beträgt neu 224,0 Milliarden Franken. Das Netto-Neugeld im Retailgeschäft, also die von aussen in die Raiffeisen Gruppe transferierten Volumen (ohne institutionelle Kunden im Treasury-Geschäft), beläuft sich auf 16,3 Milliarden Franken.

Verpflichtungen aus übrigen Finanzinstrumenten mit Fair-Value-Bewertung

In dieser Position (Anhang 13) sind die durch Raiffeisen Switzerland B.V. Amsterdam emittierten strukturierten Produkte bilanziert. Aufgrund der Corona-bedingten Umstände hat das Geschäft mit den strukturierten Produkten anfänglich gelitten und bis zum Jahresende nicht mehr ganz den Stand des Vorjahres erreicht. Der Bestand sank um 306 Millionen auf 2,2 Milliarden Franken. Die durch Raiffeisen Schweiz emittierten strukturierten Produkte werden bilanzmässig unterschiedlich behandelt. Deren Basiskomponenten sind in den «Anleihen und Pfandbriefdarlehen» bilanziert und nachfolgend kommentiert.

Anleihen und Pfandbriefdarlehen

Die Position «Anleihen und Pfandbriefdarlehen» (Anhang 14) ist insgesamt im Berichtsjahr um 666 Millionen oder 2,3 Prozent auf 29,4 Milliarden Franken angestiegen. Die Pfandbriefdarlehen erhöhten sich um 1,2 Milliarden auf 24,5 Milliarden Franken. Die Summe der von Raiffeisen Schweiz emittierten Anleihen verringerte sich im gleichen Zeitraum um 269 Millionen auf 3,1 Milliarden Franken. Insgesamt kamen in 2020 sechs Anleihen mit einem Volumen von 1,5 Milliarden zur Auszahlung. Unter anderem zahlte Raiffeisen Schweiz die bestehende Tier-2-Anleihe über 535 Millionen Franken vorzeitig ein Jahr vor deren Endfälligkeit zurück. Zur ordentlichen Auszahlung kam ausserdem die in 2015 ausgegebene AT1-Anleihe in der Höhe von 600 Millionen Franken. Im Berichtsjahr platzierte Raiffeisen erfolgreich eine neue AT1-Anleihe über nominal 525 Millionen Franken. Darüber hinaus emittierte Raiffeisen fünf weitere Anleihen, davon drei Bail-in-Anleihen im Umfang von 500 Millionen Franken.
Innerhalb der Raiffeisen Gruppe emittieren sowohl Raiffeisen Switzerland B.V. Amsterdam als auch Raiffeisen Schweiz strukturierte Produkte. Genau wie bei der in den Niederlanden domizilierten Gruppengesellschaft nahm der Bestand auch bei Raiffeisen Schweiz ab. Der Rückgang betrug 283 Millionen auf 1,8 Milliarden Franken. Insgesamt nahm der Bestand aller strukturierten Produkte der Raiffeisen Gruppe um 588 Millionen (–12,9 Prozent) auf 4,0 Milliarden Franken ab.

Rückstellungen

Die Rückstellungen reduzierten sich um 31 Millionen auf 967 Millionen Franken. Die Rückstellungen für latente Steuern reduzierten sich im Berichtsjahr um 11 Millionen Franken und auch bei den anderen Rückstellungen mussten keine grösseren neuen Rückstellungen gebucht werden. Ein weiterer Grund für den Rückgang des Rückstellungsbestands liegt in der Teilverwendung der im Vorjahr gebildeten Restrukturierungsrückstellungen im Rahmen des Effizienzprogramms 2019 bei Raiffeisen Schweiz und in der zweckkonformen Verwendung weiterer zurückgestellter Mittel im Zusammenhang mit dem Rückkauf der ARIZON Sourcing AG.

Eigenmittel/Eigenkapital

Das Eigenkapital (Eigenkapitalnachweis und Anhang 16) erhöhte sich im Berichtsjahr um 966 Millionen auf 18,4 Milliarden Franken. Das Genossenschaftskapital ist dank der ungebrochenen Nachfrage nach zusätzlichen Genossenschaftsanteilen um 168 Millionen Franken angestiegen.
Die FINMA hat Raiffeisen im Jahr 2019 die Bewilligung erteilt, dass Raiffeisen für die regulatorische Eigenmittelberechnung der Kreditrisiken ab 30. September 2019 den IRB-Modellansatz anwenden darf. Die Bewilligung gilt unter Berücksichtigung von Floor-Übergangsbestimmungen. Bis zur vollständigen Berücksichtigung des IRB-Modellansatzes per Ende 2022 gelangen dreijährige Übergangsbestimmungen mit einer vorerst reduzierten Anrechnung zur Anwendung.
Die risikogewichtete TLAC-Quote per 31. Dezember 2020 beträgt 20,6 Prozent. Damit erfüllt Raiffeisen bereits jetzt sowohl die aktuellen (14,8 Prozent) als auch die zukünftig per 1. Januar 2026 (16,7 Prozent) zu erfüllenden regulatorischen Anforderungen an die TLAC-Quote. Dies gilt auch für die Leverage Ratio. Mit einer Leverage Ratio – ohne Berücksichtigung der temporären und per 1. Januar 2021 wegfallenden Covid-Erleichterung – von aktuell 7,3 Prozent übertrifft die Gruppe bereits Ende 2020 die zukünftigen Anforderungen.

Finanzieller Ausblick 2021

Das Coronavirus hat die Konjunkturerholung zum Jahreswechsel nochmals ausgebremst. Besonders stark waren von den Eindämmungsmassnahmen abermals die personennahen Dienstleistungen betroffen, während sich die Industrie erheblich besser behaupten konnte. Mit den Fortschritten an der Impfstofffront sind die Unternehmen aber in allen Branchen zuversichtlich, im Verlauf des Jahres auf den Vorkrisenwachstumspfad zurückkehren zu können. Aufgrund des konjunkturellen Rückschlags ist der Beginn einer möglichen Zinsnormalisierung noch weiter in die Ferne gerückt, und die Schweizerische Nationalbank bleibt bereit, ihre Devisenmarktinterventionen zur Abschwächung des starken Frankens fortzuführen.
Der Schweizer Immobilienmarkt zeigt sich währenddessen krisenresistent. Eine nachhaltige Veränderung der Arbeitswelt oder angepasste Wohnpräferenzen können über die Zeit graduell Spuren hinterlassen. Kurzfristig ist davon allerdings wenig zu bemerken. Die unverändert sehr günstigen Finanzierungskonditionen und der anhaltende Anlagenotstand halten die Nachfrage hoch. Insbesondere im Eigenheimsegment führt dies in Kombination mit dem seit Jahren rückläufigen Angebot zu weiter steigenden Preisen.

Geschäftsentwicklung Raiffeisen Gruppe

Das Marktumfeld wird in 2021 insbesondere aufgrund des anhaltenden Tiefzinsniveaus und der Pandemie herausfordernd bleiben. Raiffeisen ist gut aufgestellt und im Rahmen der Umsetzung der Strategie erfolgen gezielte Investitionen. Dabei erwartet Raiffeisen im Zinsengeschäft einen leichten Rückgang in 2021 im Vergleich zum hohen Wert im Vorjahr. Im indifferenten Geschäft rechnet Raiffeisen im Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft mit Ertragssteigerungen. Dazu sollen bereits erste Umsetzungserfolge aus der Strategie beitragen. Auf der Kostenseite geht Raiffeisen aufgrund von Investitionen in Projekte zur Strategieumsetzung und dem Wachstums im Kerngeschäft von einem höheren Geschäftsaufwand aus.

Weiterentwicklung der Angebote und Dienstleistungen

Raiffeisen ist und bleibt die kundennächste Bank in der Schweiz – physisch und digital. Raiffeisen hat das dichteste Geschäftsstellennetz in der Schweizer Bankenlandschaft. Über 90 Prozent der Bevölkerung erreichen Raiffeisen innerhalb von zehn Autofahrminuten. Dank der 225 autonomen Raiffeisenbanken, der 824 Geschäftsstellen und insgesamt 1’759 Bancomaten ist Raiffeisen nahe bei ihren Kundinnen und Kunden. Unser E-Banking ist eines der meistgenutzten in der Schweiz. Täglich werden über 391’000 Zahlungen durch das System verarbeitet. Insgesamt sind über 3,6 Millionen Personen und 209’000 Unternehmen in der Schweiz Kundinnen und Kunden von Raiffeisen. Das sind über 41 Prozent der Schweizer Bevölkerung und jedes dritte Unternehmen.

Genossenschaft schafft Mehrwert

Über 1,9 Millionen Genossenschafterinnen und Genossenschafter gestalten als Mitbesitzerinnen und Mitbesitzer ihrer Raiffeisenbank die Raiffeisen-Gemeinschaft mit. 2020 durften wir rund 27’000 neue Genossenschafterinnen und Genossenschafter begrüssen. Mit dem Erwerb eines Anteilscheins profitieren sie bei ihrer Raiffeisenbank von verschiedenen Vorteilen.

«Wir brauchen Schweiz» – Mitgliedervorteile im Jahr 2020

Raiffeisen belohnt die Kundentreue mit Mitgliedervorteilen: Die Genossenschafterinnen und Genossenschafter der lokalen Raiffeisenbanken haben auch im Jahr 2020 von Angeboten wie dem kostenlosen Museumspass oder vergünstigten Skitageskarten profitiert. In der Corona-Pandemie hat Raiffeisen zusammen mit Schweiz Tourismus ein zusätzliches Sommerangebot lanciert. Unter dem Slogan «Wir brauchen Schweiz» profitierten die Raiffeisenmitglieder von vergünstigten Hotelübernachtungen, vergünstigten Bergbahntickets und Schifffahrten sowie vergünstigten und exklusiven Schlosserlebnissen. Insgesamt haben unsere Mitglieder 2020 von 139 Millionen Franken in Form von Mitgliedervorteilen profitiert.

lokalhelden.ch

Im November erreichte lokalhelden.ch einen Meilenstein in ihrer noch jungen Geschichte: Rund vier Jahre nach der Lancierung von lokalhelden.ch konnten mehr als 20 Millionen Franken über die Crowdfunding-Plattform gesammelt werden. Dank dieser grossartigen Spendensumme wurden in der ganzen Schweiz über 1’100 gemeinnützige Projekte realisiert. Im Sinne des Genossenschaftsprinzips der Bankengruppe setzt Raiffeisen mit lokalhelden.ch die Idee des Crowdfundings auf genossenschaftliche Art und Weise lokal und regional um und leistet so einen wichtigen Beitrag für eine lebendige, sportliche, kulturelle und soziale Schweiz.

In herausfordernden Zeiten sind pragmatische und kreative Lösungen gefragt. Raiffeisen öffnete deshalb im März 2020 im Rahmen des KMU-Unterstützungsprogramms die Crowdfundingplattform lokalhelden.ch auch für Schweizer KMU. Insgesamt konnten über diese Plattform 319 Unternehmen mit gut 2,2 Millionen Franken unterstützt werden. Die vielen Erfolgsgeschichten zeigten auch im schwierigen Corona-Jahr, wie gross die Solidarität der Schweizer Bevölkerung ist.

Digitales Banking

Raiffeisen strebt ein möglichst nahtloses Zusammenspiel zwischen digitalen Kanälen und persönlichen Kontaktpunkten an. Kundinnen und Kunden sollen wählen können, wie sie mit Raiffeisen interagieren möchten. Das Raiffeisen-E-Banking ist neben der persönlichen Beratung vor Ort für Kundinnen und Kunden der Kanal, um sich rasch und sicher mit Raiffeisen zu verbinden und Bankgeschäfte zu tätigen.
Im Berichtsjahr feierte das Raiffeisen-E-Banking seinen 20. Geburtstag. In den vergangenen zwei Jahrzehnten hat Raiffeisen über eine Milliarde Zahlungen verarbeitet. Das E-Banking ist heute der meistgenutzte Interaktionskanal zwischen den Kundinnen und Kunden und ihrer Raiffeisenbank. Insgesamt haben sich 2020 die über 1,5 Millionen Nutzerinnen und Nutzer (Vorjahr: 1,4 Millionen) mehr als 113 Millionen Mal (Vorjahr: 95,5 Millionen) in das E-Banking eingeloggt – rund 45 Prozent davon sind Logins via Smartphone auf der Mobile-Banking-App (Vorjahr: 38 Prozent). Im Schnitt loggen sich Nutzerinnen und Nutzer fünfmal pro Monat oder 74-mal pro Jahr im E-Banking ein.
2021 werden alle Nutzerinnen und Nutzer gestaffelt vom bisherigen E-Banking-Login zum neuen Raiffeisen-Login migriert. Mit dem neuen Login wurden die Sicherheitsanforderungen weiter erhöht, um stets den höchsten Schutz zu gewährleisten. Zudem dient das neue Login in Zukunft als Grundlage für den Zugang zu allen digitalen Raiffeisen-Dienstleistungen wie zum Beispiel «Raiffeisen Rio», MemberPlus, E-Safe oder zur Börsenapplikation.

Raiffeisen TWINT gewinnt weiter an Beliebtheit

Mit über drei Millionen Nutzerinnen und Nutzern und über 150’000 Akzeptanzstellen hat sich TWINT, die digitale Schweizer Zahlungslösung, schweizweit als umfassende und innovative Zahlungsplattform etabliert. Die Raiffeisen TWINT App mit über 700’000 Registrierten (+60 Prozent gegenüber Vorjahr) und einer aktiven Nutzungsrate von mehr als 70 Prozent (im Vorjahr: 52 Prozent) nimmt dabei eine führende Rolle ein. Beliebte Einsatzmöglichkeiten sind Geldtransfers unter Freunden und Bekannten, Online-Shopping, Einkäufe in Hofläden sowie bargeldloses Parkieren. Raiffeisen entwickelt in Zusammenarbeit mit TWINT AG laufend neue kontaktlose Bezahlmöglichkeiten wie zum Beispiel Spenden oder digitale Gutscheine und leistet damit einen wichtigen Beitrag zum hygienischen, kontaktlosen Bezahlen.

Online-Terminvereinbarung lanciert

Das Bedürfnis unserer Kundinnen und Kunden nach persönlicher Beratung ist ungebrochen. Im Berichtsjahr führten die Raiffeisen-Beraterinnen und -Berater über 1,2 Millionen Beratungsgespräche (+20 Prozent gegenüber Vorjahr) – in den Geschäftsstellen, zu Hause bei den Kundinnen und Kunden, per Telefon oder Videochat. Kundinnen und Kunden sollen wählen können, wie sie mit Raiffeisen in Kontakt treten. Seit 2020 gibt es bei zahlreichen Raiffeisenbanken die Möglichkeit, via Webseite einen Termin für die Beratung zu vereinbaren. Für das persönliche Gespräch können Interessierte das passende Datum und die gewünschte Beraterin oder den Berater direkt online auswählen.

Fokus auf digitales Kundenerlebnis

Raiffeisen will die digitalen Kundenkanäle in den kommenden Jahren massiv ausbauen. Im zweiten Halbjahr 2021 wird die Gruppe mit «KMU eServices» eine Multi-Banking-Plattform für Firmenkunden lancieren. Mittels «KMU eServices» können Firmenkunden im Raiffeisen-E-Banking auf Drittbankkonten zugreifen und Zahlungen direkt über eine einzige Plattform ausführen. Zudem wird Raiffeisen für Privat- und Firmenkunden in den nächsten Jahren ein Kundenerlebnisportal bauen. Auf diesem Erlebnisportal werden alle digitalen Dienstleistungen von Raiffeisen zusammengezogen – von der Kontoeröffnung über die Beratung bis hin zu E-Banking und Produktlösungen.

Vermögenslösungen

Dem Vorsorge- und Anlagegeschäft kommt in der Strategie «Raiffeisen 2025» eine besondere Bedeutung zu. Raiffeisen setzt auf Lösungen, die transparent und professionell sind und allen Kundinnen und Kunden einen einfachen und verständlichen Zugang zu Bankgeschäften ermöglichen – physisch und digital. Auch im Berichtsjahr hat Raiffeisen diesen hybriden Ansatz, der persönliche Beratung mit digitalen Lösungen ergänzt, verfolgt.

Ganzheitliche und nachhaltige Vorsorge

Die jährliche Bevölkerungsumfrage von Raiffeisen (Vorsorgebarometer 2020) zeigt, dass rund ein Drittel der Bevölkerung eine Frühpensionierung plant. Gleichzeitig wird mit einem höheren Geldbedarf im Pensionsalter gerechnet. Diese hohen Erwartungen stehen im Konflikt zum weiterhin tiefen Engagement in der persönlichen Vorsorge. Viele Menschen setzen sich wenig oder erst spät mit ihrer Altersvorsorge auseinander. Zwar hat die Säule 3a gegenüber dem Vorjahr an Beliebtheit gewonnen. Dennoch besitzt immer noch rund ein Viertel der Schweizer Bevölkerung keine Säule 3a. Die Raiffeisen-App «Vorsorgeradar» bietet hier die Möglichkeit, damit sich unsere Kundinnen und Kunden selber schnell und einfach ein aktuelles Bild über die eigene Vorsorgesituation machen können. Mithilfe der App erhalten Nutzer mittels weniger Eingaben eine Übersicht darüber, wie es um das voraussichtliche Einkommen aus AHV, Pensionskasse, 3. Säule und freiem Vermögen steht.
Raiffeisen berät ihre Kundinnen und Kunden vorausschauend und abgestimmt auf ihre aktuelle Lebenssituation – vom ersten Lohnkonto bis zur Nachlassplanung. Insgesamt 12’000 Beratungen haben die Vorsorgeberaterinnen und -berater durchgeführt. Das sind 8’700 Pensionsplanungen, 1’500 Beratungen im Bereich Absicherung Tod/IV/Alter und 1’800 Erbschaftsberatungen. Im Einklang mit der verstärkten Positionierung von Raiffeisen als führende Vorsorgebank wurde auch 2020 die Expertise der Fachspezialistinnen und Fachspezialisten für die Pensions-, Vorsorge- und Nachlassplanung kontinuierlich ausgebaut, um der wachsenden Nachfrage nach umfassender Beratung zu Vorsorgethemen gerecht zu werden.
Mit den vielfältigen Vorsorgelösungen ermöglicht Raiffeisen einen weitsichtigen und nachhaltigen Vermögensaufbau. Die Anzahl der Säule-3a-Konten ist 2020 um über 22’000 auf 630’000 angewachsen (+3,5Prozent). Die Einlagen (Konto- und Fondssparen) stiegen dabei um knapp 3 Prozent (+506 Millionen Franken) und betragen neu 17,6 Milliarden Franken. Die Einlagen auf Freizügigkeitskonten inklusive Fondssparen belaufen sich am Ende des Berichtsjahrs auf 5,9 Milliarden Franken und steigen damit um rund 2,3 Prozent (+134 Millionen Franken). Das allgemein tiefe Zinsniveau hat die Nutzung der Vorsorgeprodukte auch im Berichtsjahr 2020 wiederum stark geprägt. Dies zeigte sich in der Steigerung der Anzahl Vorsorgedepots um rund 25,8 Prozent (Säule 3a) und 14,0 Prozent (Freizügigkeit).
2021 wird Raiffeisen eine digitale 3a-Vorsorgelösung lancieren. Damit können Kundinnen und Kunden Vorsorgegelder digital anlegen und verwalten, was ihnen eine ganzheitliche Sicht auf ihr Anlage- und Vorsorgeportfolio ermöglicht.

Wachstum der Kundeneinlagen

Als genossenschaftliche Bankengruppe verpflichtet sich Raiffeisen, möglichst viele Bewohnerinnen und Bewohner der Schweiz bei ihrer Vermögensplanung zu unterstützen. Sparen hat bei den Raiffeisen-Kundinnen und -Kunden eine hohe Bedeutung, sei es für die persönliche Altersvorsorge oder im Hinblick auf Investitionen und Anschaffungen wie beispielsweise den Erwerb von Wohneigentum. Die Kundeneinlagen bei Raiffeisen sind 2020 über dem Markt um insgesamt 8,1 Prozent gewachsen (+14,2 Milliarden Franken), was erneut eine Ausdehnung des Marktanteils in diesem Produktbereich zur Folge hatte.
Im Berichtsjahr stieg die Anzahl Kundenkonten um 2,6 Prozent auf rund 5,8 Millionen Transaktions- und Sparkonten. Während die klassischen Spargelder (Sparkonto) mit 4,5 Prozent um rund 3,2 Milliarden Franken anstiegen, fand in den Transaktionskonten (Privat- und Kontokorrentkonten) ein noch stärkeres Wachstum statt. So stieg dort das Einlagevolumen um gut 11,5 Milliarden Franken (+16,7 Prozent). Gleichzeitig wurden rund 134’000 neue Transaktionskonten geführt (+4,7 Prozent). Bei den festverzinslichen Sparanlagen (Fest- und Termingeldanlagen) sank das Einlagevolumen aufgrund der tiefen Marktzinsen um 924 Millionen Franken (–7,6 Prozent).

Nachhaltig anlegen seit 20 Jahren

Aufgrund des anhaltenden Tiefzinsumfelds gewinnt Anlegen als Alternative zum Sparen bei den Kundinnen und Kunden weiter an Bedeutung. Bei diesem Übergang vom Sparen zum Anlegen unterstützen unsere über 1’200 Anlageberaterinnen und Anlageberater unsere Kundinnen und Kunden und ermöglichen ihnen einen weitsichtigen, nachhaltigen Vermögensaufbau. Seit 20 Jahren bietet Raiffeisen unter dem Label «Futura» nachhaltige Anlagelösungen an, die sich grosser Beliebtheit erfreuen. Sie tragen derzeit 72 Prozent zum Gesamtfondsvolumen der Raiffeisen-Fonds bei. 2020 wurde Raiffeisen als Fondsanbieterin für die Performance ihrer gesamten Fondspalette mit dem Refinitiv Lipper Funds Award in der Kategorie «Overall Small» ausgezeichnet und damit für ihre gute unternehmensweite Performance ihrer Fondsprodukte geehrt. 2021 wird Raiffeisen weiter in den Ausbau ihrer nachhaltigen Anlagelösungen investieren und zukünftig bei allen Anlagelösungen Nachhaltigkeitsaspekte berücksichtigen. Das konkrete Vorgehen hierzu wurde in der verabschiedeten Vorsorgen- und Anlegen-Nachhaltigkeitsstrategie definiert.

Starkes Wachstum bei den Vermögensverwaltungsmandaten

Das Marktgeschehen war im Berichtsjahr geprägt von starken Schwankungen. Gerade in diesem Umfeld haben sich die Vorzüge von verwalteten Anlagelösungen deutlich gezeigt. Das professionelle Portfoliomanagement und ein robuster Anlageprozess stellen sicher, dass die Portfolios jederzeit gemäss der Raiffeisen-Anlagemeinung investiert sind. Die Vorzüge der Vermögensverwaltung zeigten sich auch in der Entwicklung der Vermögensverwaltungsmandate, die sich 2020 mehr als verdoppelt haben.

«Raiffeisen Rio»: Digitale Vermögensverwaltung erfolgreich gestartet

Im Herbst 2020 hat Raiffeisen ihr Angebot im Anlagegeschäft mit der digitalen Vermögensverwaltungslösung «Raiffeisen Rio» ergänzt. Mit der Rio-Smartphone-App ermöglicht Raiffeisen Investments bereits ab 5’000 Franken und schafft so Zugang zu professionellem Investment-Know-how. Kombiniert mit der individuellen Auswahl von Fokusthemen und den täglichen Nachrichten zu Finanzmärkten und dem Portfolio bietet «Raiffeisen Rio» den Kundinnen und Kunden ein neues digitales Anlageerlebnis. «Raiffeisen Rio» wurde am Best of Swiss Apps Award 2020 mit Bronze in der Kategorie «Business Impact» ausgezeichnet. 2021 wird «Raiffeisen Rio» mit einer Sparplanfunktion ergänzt.

Beratungsmandate lanciert

Kurz vor Jahresende 2020 hat Raiffeisen die Beratungsmandate als Ergänzung zum bestehenden Angebot lanciert. Diese eignen sich für alle Anlegerinnen und Anleger, die sich eine regelmässige Überwachung ihres Portfolios wünschen und den Austausch mit der Beraterin oder dem Berater schätzen, ihre Anlageentscheide aber selbst treffen möchten. Kundinnen und Kunden können innerhalb des Beratungsmandats ihren persönlichen Anlagefokus wählen, das Anlageziel festlegen und profitieren von den Analysen, Markteinschätzungen und Empfehlungen von Raiffeisen.

Wachstum mit dem Markt im Bereich Finanzieren

Die Hypothekarforderungen sind mit 2,7 Prozent auf Marktniveau gewachsen. Sie sind damit auf 190,3Milliarden Franken angestiegen. Das anhaltend tiefe Zinsniveau führte auch 2020 zu einer hohen Nachfrage an Hypothekarfinanzierungen.
Zudem findet vermehrt eine Auseinandersetzung mit erneuerbaren Energien statt. Raiffeisen engagiert sich aktiv im Programm «erneuerbar heizen» des Bundesamtes für Energie und bietet mit der in die Finanzierungsberatung integrierten, energetischen Immobilienbewertung eine Ersteinschätzung des Gebäudes entlang der Energieeffizienzklassen – analog dem Gebäudeenergieausweis der Kantone (GEAK®). Auf dieser Basis werden zusammen mit den Immobilienbesitzern die langfristigen Erneuerungsstrategien und deren Finanzierung erarbeitet.

SARON erfolgreich eingeführt

Der SARON etabliert sich als wichtigster Referenzzinssatz im Schweizer Franken und löst per Ende 2021 den LIBOR ab. Raiffeisen lancierte im April 2020 als erste national tätige Schweizer Bank SARON-basierte Hypotheken und Kredite und konnte so bis Ende 2020 Finanzierungen für mehr als 16’000 Kunden mit einem Volumen von mehr als 8,5 Milliarden Franken abschliessen. Die Kundinnen und Kunden profitieren dabei von einem neuen Produkt, das auf einem repräsentativen, robusten und in der Schweiz verwalteten Zinssatz basiert. 2021 werden weitere Produkte basierend auf neuen Referenzzinssätzen eingeführt und die Vorbereitungen für die LIBOR-Ablösung weiter vorangetrieben.

Vermittlung von Versicherungsprodukten

Raiffeisen hat im Berichtsjahr zahlreiche Versicherungsprodukte an Helvetia vermittelt. Die Nachfrage nach Vorsorgelösungen im Bereich der Risikoabsicherung und indirekten Amortisation von Hypotheken ist stabil geblieben. Das Geschäft mit den Einmalprämien hatte sich gegenüber dem Vorjahr halbiert. Grund dafür war die Ankündigung der strategischen Partnerschaft mit der Mobiliar und folglich die Kündigung der bestehenden Vertriebskooperation mit Helvetia per Ende 2020.
Seit dem 1. Januar 2021 arbeiten die Raiffeisenbanken und Mobiliar-Generalagenturen zusammen, um Kundinnen und Kunden in allen Fragen rund um Versicherung, Vorsorge und Finanzieren zu unterstützen. Zukünftig werden Raiffeisen und die Mobiliar zudem in Form von Ökosystemen gemeinsame Produktlösungen und Dienstleistungen für junge Kundinnen und Kunden, Firmenkunden und KMU entwickeln. Im Sommer 2021 wird in einem ersten Schritt die gemeinsame Wohneigentümerplattform «LIIVA» lanciert. Auf der Plattform sollen die spezifischen Bedürfnisse von Wohneigentümerinnen und Wohneigentümern umfassend bedient werden. Damit wird die persönliche Beratung ergänzt.

Firmenkunden

Das Firmenkundengeschäft konnte seinen Wachstumskurs im Berichtsjahr fortsetzen. 2020 konnten mehr als 7’000 neue Firmenkunden gewonnen werden. Dieser Zuwachs fand überwiegend im KMU-Segment statt, doch auch bei den grösseren Unternehmen konnten Marktanteile gewonnen werden. Jedes dritte Unternehmen in der Schweiz vertraut auf Raiffeisen. Somit haben 2020 insgesamt über 209’000 Firmenkunden auf die Kompetenz von Raiffeisen gezählt. Ohne Einbezug der Covid-19-Kredite erhöhte sich das Kreditvolumen im Firmenkundengeschäft um 1,3 Milliarden Franken auf 40,6 Milliarden Franken. Dies ist vor allem auf ein solides Wachstum im Hypothekar- und Kreditbereich zurückzuführen.

Unterstützung für KMU während der Pandemie

Das Jahr 2020 war geprägt von der Corona-Pandemie. Raiffeisen war massgeblich an der Ausarbeitung des Kreditprogramms des Bundes beteiligt. Zwischen den ersten Gesprächen mit führenden Schweizer Banken sowie den Bundesämtern und der Auszahlung des ersten Covid-19-Kredits lagen gerade einmal drei Wochen. Ende März startete das Covid-19-Kreditprogramm zur Unterstützung der KMU mit vielen Anträgen und hohem Volumen. In der Startphase verarbeitete Raiffeisen gruppenweit bis zu 4’000 Anträge pro Tag. Innerhalb von 30 Minuten wurden diese Anträge bearbeitet und der Kreditbetrag ausbezahlt. Bis zum Ende des zeitlich begrenzten Unterstützungsprogramms hatte die Raiffeisen Gruppe über 24’000 Covid-19-Kredite mit einem Gesamtvolumen von 2 Milliarden Franken gesprochen. Auch am Unterstützungsprogramm für Härtefälle, welches die eidgenössischen Räte in der Herbstsession 2020 beschlossen haben, hat Raiffeisen ihre Beteiligung zugesagt. Eine eigens eingesetzte Raiffeisen-Covid-Task-Force stand im steten Austausch mit den kantonalen Stellen und war dafür besorgt, dass die internen Umsetzungsmassnahmen zur Verarbeitung der Härtefallkreditlösungen noch 2020 eingeleitet werden konnten.
Auch das Raiffeisen Unternehmerzentrum RUZ hat in der Krise rasch reagiert. Das RUZ hat eine Corona-Plattform mit Hotline und Live-Events lanciert, auf welcher sich Firmen zu unternehmerischen Fragestellungen rund um Corona informieren können und den KMU eine kostenlose Liquiditäts- und Erfolgsplanung angeboten wird. Das Know-how der Spezialistinnen und Spezialisten, die alle einen betriebswirtschaftlichen Hintergrund haben, bietet dabei einen grossen Mehrwert in der Beratung.

Kreditvergabeprozesse optimiert

Die im Vorjahr beschlossene Einführung des Blankokreditkonzepts wurde im Berichtsjahr operativ umgesetzt. Besonders hervorzuheben ist auch die Einführung der neuen Tragbarkeitsmethoden, die stark vereinfacht und standardisiert wurden. Sie sind nach Betragshöhe unterschiedlich ausgestaltet und bringen insbesondere im Kleinkundensegment spürbare Erleichterungen im Kreditprozess. In Zukunft wird Raiffeisen darüber hinaus für ihre Firmenkunden die Abwicklungsprozesse noch kundenfreundlicher gestalten und administrative Hürden weiter abbauen. Der Fokus liegt darauf, das Unternehmerleben zu vereinfachen.

Neue Tools für Firmenkunden

Im Zahlungsverkehr hat Raiffeisen im Berichtsjahr die QR-Rechnung erfolgreich eingeführt. Die Grundlage für die erfolgreiche Einführung war eine ausführliche Informationskampagne und die intensive Begleitung unserer Firmenkunden in diesem Prozess.
Zudem hat Raiffeisen im Berichtsjahr die Dienstleistung «eBill» mit «eBill for Business» erweitert. «eBill for Business» ist die digitale Rechnung der Schweiz für Firmenkunden. Weiter hat Raiffeisen gemeinsam mit ihrem Kooperationspartner Worldline | SIX Payment Services ergänzend zum bestehenden E-Commerce-Angebot ein neues Angebot an Zahlterminals für Firmenkunden eingeführt und so auf den Trend des bargeldlosen Bezahlens reagiert.
Im gleichen Jahr hat Raiffeisen von den beiden grössten US-Banken die begehrten STP-Awards (Straight-Through-Processing-Awards) erhalten, mit welchen Raiffeisen von beiden Finanzinstituten als weltweit beste Bank für fehlerfreie Zahlungen in US-Dollar ausgezeichnet wurde.

Starkes Leasinggeschäft

Das Leasinggeschäft hat weiter an Bedeutung gewonnen. Das Portfoliovolumen hat mit einem Wachstum von 13 Prozent den Kurs der letzten Jahre fortsetzen können. Im Bereich Investitionsgüterleasing ist Raiffeisen eine der grössten Anbieterinnen in der Schweiz. Damit helfen wir unseren Firmenkunden, ihre Liquidität im Vergleich zu klassischen Finanzierungslösungen zu schonen. Im Rahmen der Prozessoptimierung wurden im 2020 über 7’000 Leasingverträge und über 45’000 Kreditdokumente in eine digitale Datenbank überführt.

Verbesserter Zugang zum Ausland

Das Auslandsgeschäft und die internationale Vernetzung hat für viele Firmenkunden eine hohe Relevanz. Es ist Raiffeisen gelungen, mit der Raiffeisen Bank International (RBI) in Wien eine Partnerschaft abzuschliessen, die den KMU in der Schweiz den Zugang zu Geschäften mit osteuropäischen Kunden erleichtert. Raiffeisen kann dadurch ihren Firmenkunden für Geschäfte nach Osteuropa und anderen Ländern vorteilhafte indirekte Garantien anbieten.

Versicherungen für Firmenkunden

Die strategische Partnerschaft mit Mobiliar erstreckt sich auch auf das Firmenkundengeschäft. Dank dieser Kollaboration konnte Raiffeisen eine weitere Lücke im Dienstleistungsangebot für Unternehmensversicherungen schliessen. Ab sofort kann Raiffeisen die Bedürfnisse ihrer Kundinnen und Kunden breiter abdecken, indem die Mobiliar in den Angebotsprozess eingebunden wird.

Treasury & Markets

Innerhalb von Raiffeisen ist das Departement Treasury & Markets für die Bewirtschaftung, den gruppeninternen Transfer und die Beschaffung von Liquidität verantwortlich, stellt den Zugang zu den Finanzmärkten sicher und bietet als Kompetenzzentrum gruppenweit Produkte und Dienstleistungen rund um die Finanzmärkte an.
Treasury & Markets gewährleistet als zentrale Steuerungseinheit den Kapitalmarktzugang, das zentralisierte Liquiditätsrisikomanagement, die nachhaltige Refinanzierung sowie die Absicherung von Zins- und Währungsrisiken für die Raiffeisen Gruppe. Für Edelmetalle, Devisen, Wertschriften und strukturierte Produkte tritt Treasury & Markets als Service Provider innerhalb des Genossenschaftsverbundes auf.
Aus dem eigenen Cash Center versorgt Treasury & Markets die Raiffeisen Gruppe mit Bargeld in Schweizer Franken und Fremdwährungen aus mehr als 100 Ländern. Die Bargeldlogistik dient nicht nur zur Belieferung der Raiffeisenbanken, sondern auch für den Bargeld-Heimlieferservice, der es Kunden ermöglicht, Banknoten sicher und bequem zu sich nach Hause zu bestellen. Von diesem Angebot im Raiffeisen-E-Banking haben 2020 in der Pandemie überdurchschnittlich viele Kunden Gebrauch gemacht.
Zudem stellen die Beratung der Raiffeisenbanken im Bilanzstrukturmanagement sowie die Unterstützung im Devisengeschäft und beim Vertrieb von strukturierten Produkten wichtige Funktionen von Treasury & Markets dar.

Aktive Rolle im Schweizer Kapitalmarkt

Im Schweizer Anleihenmarkt gelang es 2020, die Stellung von Raiffeisen weiter zu festigen. Raiffeisen begleitete erfolgreich mehrere Emittenten der öffentlichen Hand sowie Unternehmungen als Lead-Manager bei der Ausgabe von Anleihen in Schweizer Franken. Als Joint-Lead-Manager für die Schweizerische Pfandbriefbank platzierte Raiffeisen dazu einen substanziellen Anteil des Emissionsvolumens bei institutionellen Anlegern.

Erste digitale Anleihensemission

Die 2019 lancierte digitale Kapitalmarktplattform der Valyo AG, eine 100-prozentige Tochtergesellschaft von Raiffeisen Schweiz, hat Mitte 2020 die erste Anleihensemission durchgeführt. Damit ist Valyo das erste Fintech, das eine kotierte Anleihe vollständig digital abwickelte. Im September folgte mit einer Anleihe von Swisscom die erste Emission eines SMI-Unternehmens. Der ganze Emissionsprozess von der Erfassung der Transaktion über die Due Diligence, das Bookbuilding, die Vertragsabwicklung, das Settlement bis zur Kotierung der Anleihensobligation erfolgt dabei vollständig digital auf der Plattform von Valyo. Die Plattform macht den Emissionsprozess für Emittenten und Investoren schlanker, effizienter und transparenter.

Emission Bail-in-Anleihen

Raiffeisen hat im Oktober 2020 als erste national tätige systemrelevante Bank zwei Bail-in-Anleihen in Schweizer Franken emittiert. Die Emission von Bail-in-Kapital dient dem Aufbau von zusätzlichen verlustabsorbierenden Mitteln.

Zweitrating

Im September erlangte Raiffeisen, als Ergänzung zum Rating von Moody’s (A3/Aa3), ein Zweitrating durch Standard & Poor’s (A+/A-1). Dieses zusätzliche Rating dient dazu, den Zugang zu institutionellen Anlegern und einer breiteren Investorenbasis auszubauen. Das sehr gute Rating von Standard & Poor’s wird Raiffeisen Schweiz unter anderem bei der Platzierungsfähigkeit von Anleihen zu attraktiveren Konditionen unterstützen.

Strukturierte Produkte

Das tiefe Zinsniveau und die Marktverwerfungen im Frühling 2020 sorgten für ein anspruchsvolles Umfeld. Unbeeindruckt von der Kurskorrektur tätigten viele Investoren Zukäufe von strukturierten Produkten, was sich angesichts der positiven Entwicklung der Märkte im Verlaufe des Jahres als gute Entscheidung herausstellte. Die Stellung von Raiffeisen als eine der Top-5-Anbieterinnen für Investmentprodukte am Schweizer Markt konnte 2020 weiter gefestigt werden. Im Segment der Renditeoptimierungsprodukte beendete Raiffeisen das Jahr als Nummer 1. Das Angebot von Raiffeisen umfasst über 2’000 ausstehende Produkte und richtet sich sowohl an Privatkunden als auch an professionelle Investoren. Transparenz und insbesondere der Know-how-Transfer bis zum Endkunden geniessen bei Raiffeisen oberste Priorität, was an den «Swiss Derivative Awards 2020» mit einer Auszeichnung mit dem Prädikat «Top Service» bestätigt wurde.

Lesen Sie mehr darüber, wie Raiffeisen Mehrwert für Kundinnen und Genossenschafter schafft, im Jahresbericht der Raiffeisen Gruppe (report.raiffeisen.ch).