«Raiffeisen ist und bleibt die Bank mit dem höchsten Kundenfokus»

Thomas A. Müller, Präsident des Verwaltungsrats von Raiffeisen Schweiz, und Heinz Huber, Vorsitzender der Geschäftsleitung von Raiffeisen Schweiz, blicken gemeinsam auf das vergangene Jahr zurück und in die Zukunft.
Thomas A. Müller, Sie sind seit Dezember 2021 Verwaltungsratspräsident von Raiffeisen Schweiz. Welche Ziele haben Sie sich für Ihr erstes Amtsjahr gesetzt?
Thomas A. Müller: Raiffeisen hat mit ihrer Gruppenstrategie 2025 die Ausrichtung für die kommenden Jahre festgelegt. Ich durfte den Strategieprozess von Beginn an mitgestalten. Diesen Weg werden wir weiterverfolgen. Damit wir konzentriert an unseren Zielen arbeiten können, brauchen wir Kontinuität und Stabilität. Gleichzeitig bewegen wir uns in einem hochdynamischen Umfeld. Das erfordert Weitsicht und Anpassungsfähigkeit. Es ist die Aufgabe des Verwaltungsrats, diese Balance zu halten. Wir haben die Voraussetzungen geschaffen, dass unsere Gruppe umsichtig und verantwortungsvoll arbeiten kann.
Heinz Huber, hat Raiffeisen die Ziele für das Jahr 2021 erreicht?
Heinz Huber: Wir sind sehr zufrieden. Unsere Gruppe war im vergangenen Jahr sowohl operativ als auch strategisch erfolgreich. Die Raiffeisenbanken und Raiffeisen Schweiz konnten gemeinsam ein ausgezeichnetes Ergebnis erzielen und die Erträge steigern. Darauf dürfen wir stolz sein. Spätestens im Jahr 2025 wollen wir unseren Kundinnen und Kunden noch konsequenter ganzheitliche Lösungen anbieten und nicht einfach Produkte. Diesem Zielbild sind wir seit dem Start der Umsetzung unserer Gruppenstrategie im Januar 2021 ein grosses Stück nähergekommen. Erste Erfolge sind bereits sichtbar.
Können Sie konkrete Beispiele für sichtbare Resultate nennen?
Heinz Huber: Um eine Strategie umzusetzen braucht es Willen, Ausdauer und Teamgeist. Das haben wir. Wir haben unser Geschäftsmodell weiter diversifiziert. Das Vorsorge- und Anlagegeschäft konnten wir deutlich ausbauen und noch stärker auf Nachhaltigkeit ausrichten. Mit der Wohneigentumsplattform «Liiva» haben wir gemeinsam mit der Mobiliar unser Ökosystem Wohnen weiterentwickelt. Weiter haben wir digitale Angebote wie die digitale Säule 3a oder Raiffeisen KMU eServices, eine Multibanking-Lösung für Firmenkunden, lanciert. Zudem haben wir den Grundstein für die Entwicklung unseres Kundenerlebnisportals gelegt. Wir haben die Voraussetzungen geschaffen, um die Digitalisierung der Gruppe weiter voranzutreiben.

«Raiffeisen hat die Ausrichtung für die kommenden Jahre festgelegt.»

Thomas A. Müller

Präsident des Verwaltungsrats Raiffeisen Schweiz

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«Um eine Strategie umzusetzen, braucht es Willen, Ausdauer und Teamgeist. Das haben wir.»

Heinz Huber

Vorsitzender der Geschäftsleitung Raiffeisen Schweiz

Digitalisierung ist einer der Hauptpfeiler der neuen Strategie. Ist Raiffeisen bereits eine digitale Bank?
Heinz Huber: Raiffeisen ist und bleibt vor allem die Bank mit dem höchsten Kundenfokus. Zwar werden wir die Digitalisierung in den kommenden Jahren weiter vorantreiben, wir werden aber nicht per se alles digitalisieren, was möglich ist. Wir orientieren uns dabei an den Bedürfnissen unserer Kundinnen und Kunden. Der Schlüssel der Zukunft liegt in einer cleveren Verbindung zwischen physischer und digitaler Nähe. Raiffeisen will Menschen und technologischen Fortschritt gewinnbringend zusammenbringen. Daran werden wir auch im Jahr 2022 intensiv arbeiten.
Wie geht es 2022 mit der Strategieumsetzung konkret weiter?
Heinz Huber: Während der Fokus im vergangenen Jahr auf der Diversifikation des Geschäftsmodells lag, steht im Jahr 2022 dessen Optimierung im Zentrum. Wir werden Prozesse verbessern und effizienter werden. Damit entlasten wir die Mitarbeitenden der Raiffeisenbanken, sodass sie Zeit gewinnen für die persönliche Beratung. Weiter werden wir das neue Kundenerlebnisportal entwickeln. Voraussichtlich werden Privatkundinnen und -kunden bis Ende 2022 eine erste Vorabversion der neuen Anwendung testen können. Bis Ende 2025 sollen auf dem Portal alle digitalen Dienstleistungen von Raiffeisen zentral an einem Ort – und mit einem Login – abrufbar sein.
Wie erfolgt die Strategieumsetzung bei den Raiffeisenbanken?

Thomas A. Müller: Die Raiffeisenbanken sind eigenständig und haben ihre eigenen regionalen Strategien. Diese richten sich selbstredend an den Zielen der gemeinsamen Gruppenstrategie aus. Die Gruppenstrategie wurde in Zusammenarbeit mit den Raiffeisenbanken entwickelt und wird entsprechend von ihnen mitgetragen. Partizipation und regionale Eigenständigkeit, gepaart mit der Schlagkraft der Gruppe, zeichnen unser genossenschaftliches Modell aus. 

Hemmt das genossenschaftliche Modell nicht eher die Schlagkraft der neuen Strategie?
Thomas A. Müller: Im Gegenteil! Allen Raiffeisenbanken zentral ein allgemeingültiges Patentrezept zu verschreiben, würde unserem Modell nicht gerecht werden. Und unseren Kundinnen und Kunden auch nicht. Die einzelnen Raiffeisenbanken kennen ihre Region und die Bedürfnisse ihrer Kundinnen und Kunden und berücksichtigen diese bei der Umsetzung der Gruppenstrategie. Wir brauchen mit diesem Vorgehen vielleicht länger als andere Unternehmen, es ist aber nachhaltiger und wir müssen unsere Strategie nicht jedes Jahr grundsätzlich überdenken.

«Es ist uns gelungen, unser Geschäftsmodell weiter zu diversifizieren.»

Heinz Huber

Vorsitzender der Geschäftsleitung Raiffeisen Schweiz

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«Mitbestimmung, Nähe, klare Wertehaltungen und Nachhaltigkeit sind gefragt.»

Thomas A. Müller

Präsident des Verwaltungsrats Raiffeisen Schweiz

Genossenschaften stehen derzeit in der Kritik. Ist das Genossenschaftsmodell noch zeitgemäss für eine Bank?
Thomas A. Müller: Davon sind wir überzeugt. Die genossenschaftlichen Werte – Solidarität, Demokratie und Liberalität – treffen den Puls der Zeit bestens. Mitbestimmung, Nähe, klare Wertehaltungen und Nachhaltigkeit sind gefragt. Gerade auch von der Kundschaft von morgen. Das können wir bieten. Damit der Genossenschaftsgedanke jedoch lebt, muss jedes Mitglied seine Stimme abgeben können und dieses Recht auch wahrnehmen. In Pandemiezeiten sind wir hier natürlich gefordert. Die meisten Generalversammlungen konnten im vergangenen Jahr nicht physisch durchgeführt werden und unsere Genossenschafterinnen und Genossenschafter haben ihr Mitbestimmungsrecht auf dem schriftlichen oder digitalen Weg wahrgenommen. Ich bin überzeugt, dass der digitale Weg zur Mitbestimmung in der Genossenschaft Zukunft hat. Aber er kann den physischen Austausch, das Beisammensein, nicht ersetzen. Die Gemeinschaft macht die Genossenschaft aus.
Worin unterscheidet sich die Führung einer Genossenschaft gegenüber jener anderer Gesellschaftsformen?
Thomas A. Müller: Die Unternehmenspolitik von Genossenschaften berücksichtigt die Interessen aller Anspruchsgruppen, also beispielsweise auch jene der Kundschaft, der Mitarbeitenden, der Lieferanten und der Gesellschaft. Die Ziele von Genossenschaften sind dadurch langfristiger ausgelegt und nachhaltiges Wirtschaften steht deutlich über der Gewinnmaximierung. Selbstverständlich arbeitet auch Raiffeisen darauf hin, die Gewinne zu optimieren. Sie werden jedoch bis zu 95 Prozent dafür eingesetzt, unsere Reserven zu stärken. Das macht Raiffeisen zu einer sicheren Bank. Was die Raiffeisen Gruppe sicherlich auch auszeichnet, ist Partizipation. Wir haben in den letzten Jahren unsere Genossenschaft modernisiert und die partizipativen Prozesse deutlich ausgebaut. In der Führung ist das aufwändiger und manchmal auch herausfordernd, die Resultate daraus haben sich aber bewährt. Entscheide sind dadurch transparenter, tragfähiger und nachhaltiger.
Was wünschen Sie sich für das Jahr 2022, Thomas A. Müller?

Thomas A. Müller: Im geschäftlichen Umfeld bevorzuge ich erreichbare Zielsetzungen anstatt Wünsche. Ich freue mich auf viele Gelegenheiten für den persönlichen Austausch. Er ist Quelle für Vertrauen, Inspiration und Motivation. Weiter möchte ich, dass wir das Jahr als Gruppe tatkräftig und voller Energie angehen. Bereit, zu gestalten und zu bewegen, und dass wir unsere Ziele dabei nicht aus den Augen verlieren. Ich werde alles daransetzen, die Voraussetzungen dafür zu schaffen.

Lebenslauf von Thomas A. Müller 

Lebenslauf von Heinz Huber 

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