Umfeld

Vergleichsportale, Finanz­platt­formen, digitale Geschäfts­modelle und rasante Fortschritte in der Techno­logie beeinflussen und verändern die Kunden­beziehungen anhaltend.
Das Jahr 2021 war geprägt durch die unerwartet rasche konjunkturelle Erholung der Wirtschaft. In der Finanzbranche beschäftigten zudem die erhöhte Dynamik im Bereich der Hypothekarvermittler, der Finanz- und Immobilienplattformen.

Herausfordernde Wirtschaftslage
mit konjunktureller Erholung

Die letzten zwei Jahre waren aufgrund der Corona-Pandemie und des damit verbundenen Einbruchs der Wirtschaft sehr unsicher. Die ungewohnte Situation forderte Wirtschaft und Gesellschaft. Umso erfreulicher ist es, dass sich die wirtschaftliche Lage in der Schweiz 2021 wieder weitgehend normalisiert hat. Die Wirtschaft fand zurück auf den Wachstumspfad. Das Bruttoinlandprodukt (BIP) erreichte Ende 2021 wieder das Niveau von vor Ausbruch der Pandemie. Die dynamische Konjunkturerholung wirkte sich positiv auf die Aktienmärkte aus. Der Swiss Market Index (SMI) konnte um 20 Prozent zulegen.
Die Kehrseite der starken Wirtschaftserholung und der anziehenden Güter- und Konsumnachfrage zeigte sich in einem merklichen Anstieg der Teuerung. Anhaltende Lieferengpässe sowie steigende Rohstoff- und Transportkosten verstärkten diesen Trend. In den USA schoss die Inflation ab Mitte letzten Jahres über die 5-Prozent-Marke und auch in Europa überstieg die Teuerung das von der Europäischen Zentralbank (EZB) anvisierte 2-Prozent-Ziel massiv. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) geht mittelfristig unverändert von einer Inflationsrate unter der 2-Prozent-Marke aus. Die langfristigen Hypothekarzinsen dürften aus heutiger Sicht zwar moderat ansteigen, jedoch nicht nach oben ausbrechen und auf einem relativ tiefen Niveau bleiben.
Auch 2021 blieb der Leitzins der SNB bei –0,75 Prozent. Die Realzinsen dürften sich noch längere Zeit im negativen Bereich bewegen, was dazu führt, dass Sparguthaben laufend an Kaufkraft verlieren. Das Kerngeschäft von Retailbanken bleibt aufgrund der tiefen Zinsmarge unter Druck und die Diversifikation ins indifferente Bankgeschäft ist weiterhin notwendig und wichtig. Aufgrund des anhaltenden Drucks im Zinsgeschäft ist die Schwelle für die Weitergabe von Negativzinsen weiter gesunken. Nur noch eine von zehn Banken (Vorjahr: 21 Prozent) in der Schweiz schliesst die Einführung von Negativzinsen kategorisch aus.

Auswirkungen von Covid-19

Die Corona-Pandemie hat die digitale Transformation im Schweizer Bankenmarkt beschleunigt und die Ansprüche von Kundinnen und Kunden an die Leistungserbringung der Banken verändert. Auch die bevorzugten Zahlungsarten wurden davon beeinflusst. So haben Barzahlungen während der letzten zwei Jahre stark abgenommen. Hingegen hat die Nutzung von digitalen Zahlungsmitteln wie das kontaktlose Bezahlen mit Kredit- oder Debitkarten, Apple Pay oder Twint und anderen digitalen Services von Banken deutlich zugenommen. Unabhängig von der weiteren Entwicklung der Covid-19-Situation dürfte die Nutzung digitaler Kanäle und insbesondere des Mobile Banking weiter zunehmen. Viele Mitbewerber haben digitale Angebote und Services in jeglichen Geschäftsfeldern angekündigt respektive bereits lanciert.
Die Nachfrage nach privatem Wohneigentum erhöhte sich aufgrund der veränderten Arbeitsformen – insbesondere durch das Arbeiten im Homeoffice. Dadurch stiegen die Preise für Wohnungen und Einfamilienhäuser weiter an. Die Finanzierungshürden für zukünftige Wohneigentümerinnen und -eigentümer sind höher als noch vor wenigen Jahren.

Intensivierter Verdrängungswettbewerb:
neue Ertragsquellen entwickeln

Die wichtigsten Mitbewerber von Raiffeisen im Geschäftsfeld Finanzierung von Wohneigentum sind Inlandbanken, insbesondere Kantonalbanken und Regionalbanken. Im Wechsel hin zu einem branchenübergreifenden Geschäftsmodell etablieren sich aber auch ursprünglich branchenfremde Unternehmen, Fintechs und Start-ups zunehmend.
Der Eintritt von Versicherungen und Pensionskassen ins Hypothekargeschäft erhöht zudem die Wettbewerbsintensität. Auch die Dynamik im Bereich der Immobilienplattformen und Hypothekarvermittler hat im Jahr 2021 nochmals deutlich zugenommen. Verschiedene Grossbanken und Versicherer sind neue Kooperationen oder Beteiligungen für Angebote im Bereich Wohnen eingegangen und bestätigen dadurch das grosse strategische Interesse an neuen Ökosystemansätzen.

Gestiegene Kundenerwartungen im Bereich
digitaler Vorsorge und Anlegen

Das Bedürfnis nach einfachen und transparenten Lösungen steigt. Im Jahr 2021 ist durch die Lancierung von neuen mehrheitlich Mobile-First-Angeboten der Schweizer Vorsorge- und Anlagemarkt weiter gewachsen. Digitale Säule-3a-Lösungen werden zunehmend zum Standard. Neue Angebote und Services in diesem Markt zu etablieren, wird deshalb je länger, je schwieriger. Grössere Transparenz, die Vergleichbarkeit der Finanzdienstleistungen und -produkte sowie die einfache Nutzung von digitalen Lösungen führen zu einer höheren Preissensibilität bei den Kundinnen und Kunden. Sie sind vermehrt bereit, Finanzdienstleistungen auch ausserhalb ihrer Hauptbank zu beziehen. Zudem erwarten Kundinnen und Kunden sowie die Gesellschaft von Unternehmen zunehmend sichtbare und glaubwürdige Initiativen bezüglich unternehmerischer Verantwortung und Nachhaltigkeit. Dazu gehört auch eine transparente Kommunikation zum Umgang mit Daten und Algorithmen.

Neue Technologien als Treiber

Die stark technologiegetriebenen digitalen Player halten die Messlatte hoch, wenn es um digitale Kundenerlebnisse geht. Diese Entwicklung erhöht den Druck auf etablierte Banken, ihre Geschäftsmodelle stärker kundenzentriert auszurichten. Schweizer Banken reagieren auf Neobanken und Fintechs vermehrt mit der Bereitschaft, ihre eigenen Angebote mit digitalen Lösungen zu ergänzen. Im Vergleich zum Ausland war das Feld digitaler Fintech-Lösungen im Schweizer KMU-Markt bis vor Kurzem noch mit wenigen Ausnahmen unbesetzt. Erste Start-ups bearbeiten nun Teile dieser Wertschöpfungskette und die Kundenschnittstelle der Banken intensiv. Die digitale Transformation verändert die Geschäftsmodelle der Banken fundamental und verlangt von ihnen neue Lösungen und Dienstleistungen.

Regulatorische Anpassungen

Steigende regulatorische Anpassungen erfordern zusätzliche Expertise und Ressourcen. Die Kapital-, Liquiditäts- und Compliance-Anforderungen der Banken werden kontinuierlich verschärft. Dabei bestehen für Raiffeisen als systemrelevante Bank zusätzliche Anforderungen. Die Raiffeisen Gruppe ist sehr gut kapitalisiert. Sie übertrifft sowohl die heutigen als auch die ab 2026 gültigen regulatorischen Anforderungen von systemrelevanten Banken primär mit Kapital der höchsten Qualitätsstufe.